„Ausbildungsgipfel“ in Leoben
Globale Probleme, lokale Lösung
Für das globale Ausbildungsproblem bemühte sich die Ärztekammer im Rahmen eines Ausbildungsdialogs im LKH Leoben um lokale aber durchaus exemplarische Lösungen.
Von Martin Novak
Turnusärzte, die mit den Ausbildungsbedingungen unzufrieden sind, die durch Verwaltungsjobs oder monotone Routinetätigkeiten so ausgelastet sind, dass die eigentliche Ausbildung auf Strecke bleibt, sind ein mittlerweile mehr als bekanntes Problem. Die Bemühungen, diesem Problem beizukommen, gehören zu den vorrangigen Themen in der ÖÄK und allen Landesärztekammern. Turnusärztetätigkeitsprofile wurden entwickelt, medizinische Dokumentare – so ein Vorstoß – sollten die Ärzte von der Bürokratiefessel befreien… Eine grundlegende Lösung gibt es bisher aber nicht.
Bewusst im lokalen Rahmen eines Schwerpunktkrankenhauses – des LKH Leoben – versuchte die Ärztekammer Steiermark Mitte Juli einen anderen Ansatz. Es ging weniger darum, die Regeln zu ändern, als innerhalb des bestehenden Regelsystems und mit den vorhandenen Ressourcen fairer zu spielen. An diesem „Ausbildungsgipfel“ nahmen nur die Betroffenen des eines Krankenhauses teil, allerdings aus allen betroffenen Bereichen – die ärztliche Leitung ebenso wie die Ausbildner und die Pflege sowie selbstredend die Turnusärzte. Es ging um Dialog, Bewusstseinsbildung und Erfahrungsaustausch, wie er im Stationsalltag kaum möglich ist. Es ging aber vor allem darum, handfeste, unmittelbar umsetzbare Verbesserungen zu finden. „Ein wichtiges Schwerpunktkrankenhaus wie Leoben soll zu einem Vorzeigeprojekt werden“ gab der steirische Kurienobmann der angestellten Ärzte, Martin Wehrschütz, die Richtung vor.
Und er fand Gehör: Der ärztliche Direktor des LKH, Heinz Luschnik, sagte in seinem Statement nicht nur, dass es Verbesserungspotenzial gebe, sondern versprach auch, es zu nützen: Eine Effizienzsteigerung würde die Mitarbeiterzufriedenheit in allen Bereichen, aber auch die Patientenzufriedenheit erhöhen und die Kosten senken. Man werde in Hinkunft mehr Augenmerk auf die Mitverantwortung der Pflege und die Ausbildungsverantwortung legen. Auch seitens der Pflege wurde Verständnis signalisiert, allerdings mit Einschränkungen. Bei Personalknappheit sei der Spielraum eng, gab die Pflegedirektorin des Spitals, Sylvia Noe, zu bedenken. Was den steirischen Ärztekammerpräsidenten Wolfgang Routil zur knappen Aussage „Sie schauen auf Ihr Personal, ich schaue auf meine Ärzte“ brachte. Wobei ein Phänomen das Ressourcenargument zumindest stark relativiert. Bei grundsätzlich gleichem Personalschlüssel funktioniert die Kooperation an der einen Abteilung sehr gut,während es an der anderen massive Probleme gibt. Was wiederum die Argumentation Luschniks stützt, dass allein einfache organisatorische Maßnahmen bereits hilfreich sind.
Ein wesentlicher Vorschlag kam vom steirischen Turnusärzte-Obmann Ronald Otto: Für wichtige Ausbildungsinhalte wie Hauptvisiten oder Fallkonferenzen sollten Zeitfenster geschaffen werden, in denen Turnusärzte nicht durch andere Aufgaben von der Teilnahme abgehalten werden dürften. Sukkus des Gipfels: Mehr Miteinander, ein klares Bekenntnis aller Beteiligten gleichermaßen als Hol- und Bringschuld zu begreifen und von ärztlicher Seite die Mahnung, Turnusärzte nicht als Systemerhalter zu se-hen, die einspringen (müssen), wenn die Pflege ihre Mitverantwortung nur unzureichend wahrnimmt.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2007





