Diabetes Therapie Aktiv
Mit vereinten Kräften
Im Rahmen des Projekts „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ soll den rund 300.000 Österreichern mit Typ 2-Diabetes geholfen werden, länger gesund mit ihrer Krankheit zu leben. Was noch fehlt, sind Allgemeinmediziner, die sich an diesem Projekt beteiligen.
Von Sabine Stehrer
Es ist höchste Zeit geworden, dass wir mit vereinten Kräften den Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes aufnehmen“, sagt ÖÄK-Präsident Walter Dorner zum Projekt „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“, das jetzt von der Österreichischen Ärztekammer gemeinsam mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, dem Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend und den Gebietskrankenkassen initiiert wurde. Dorner weiter: „Mit diesem Projekt ist es uns gelungen, wirklich etwas Gutes an den Start zu bringen.“
Rund 300.000 Frauen und Männer leiden in Österreich an Typ 2-Diabetes. Die meisten Erkrankten gehören der Altersgruppe der Über-60-Jährigen an. Aber auch jüngere sind davon betroffen – meist durch Bewegungsmangel und Übergewicht verursacht. Den bereits Erkrankten soll das neue, bundesweite Projekt ermöglichen, länger gesund mit der Krankheit zu leben, indem durch eine individuell angepasste Behandlung auf höchstem medizinischen Niveau die Diabetes-Folgeschäden verhindert werden oder deren Auftreten zumindest verzögert wird. Ein zweiter Hebel, an dem das Projekt ansetzen soll, ist die Prävention mit dem „Zugehen auch schon auf Gesunde“, wie Dorner betonte, „denn am besten wäre es, die Menschen würden erst gar nicht an Diabetes erkranken.“
Der zu späte Behandlungsbeginn steht auf der Liste der bisherigen Probleme bei der Diabetes-Therapie an oberster Stelle, gefolgt von Inhomogenitäten in der Behandlung, Doppelgleisigkeiten, mangelndem Schnittstellenmanagement und fehlenden Spezialambulanzen, wie zum Beispiel für die Behandlung des diabetischen Fußes. Mit dem neuen Projekt, das ein Disease Management Programm (DMP) und genaue Anweisungen für die so genannte Therapie Aktiv beinhaltet, sollen diese Missstände Schritt für Schritt beseitigt werden.
Nach Berechnungen der steirischen Gebietskrankenkasse, die ein landesweites Vorläufer-Projekt betrieben hat, wird die Durchführung des neuen, österreichweiten Projekts insgesamt rund 17 Millionen Euro im Jahr kosten. Die Gesamtbetreuungskosten für Diabetiker in Österreich von derzeit rund einer Milliarde Euro im Jahr könnten aber durch das Disease Management Programm mit der Therapie Aktiv zumindest mittel- und langfristig gesenkt werden. Das beweisen die Ergebnisse eines anderen Pilotprojekts in Oberösterreich. Hier konnte man nach zwei Jahren Laufzeit einer strukturierten Therapie, die auf die einzelnen Diabetes-Patienten abgestimmt war, auf Einsparungen von durchschnittlich 780 Euro pro Patient und Jahr gegenüber der vorher durchgeführten Betreuung verweisen.
Erfolgreiche Vorläufer-Projekte und Vorstudien zu Therapie Aktiv – Diabetes im Griff gab und gibt es auch in Niederösterreich sowie in Salzburg. Dort soll das vorhandene Therapie-Angebot in Therapie Aktiv übergeführt werden. In Wien laufen in zwei Bezirken entsprechende Programme. Ziel dabei ist es, Diabetiker regelmäßig zu einem medizinischen Check-up in der Ordination zu bewegen. Überprüft werden im Besonderen der Gefäßstatus, Augenhintergrund, Sensibilitätsstörungen der unteren Extremitäten sowie die kardiovaskuläre Situation. In Tirol und im Burgenland ist für Ende dieses Jahres ein Starttermin für Therapie Aktiv vereinbart, in Vorarlberg und Kärnten wird noch über einen Beginn der neuen Versorgungsmöglichkeit für Diabetiker verhandelt. Das bundesweit einheitliche neue Projekt soll nach den Plänen der Initiatoren und mithilfe einer Finanzierung aus den Länderbudgets dann zunächst bis zum Jahr 2012 laufen.
Was für den Start aber zumindest noch in einigen Bundesländern fehlt, sind Allgemeinmediziner, die sich nach einer entsprechenden Schulung als „Therapie-Aktiv-Ärzte“ an dem Projekt beteiligen (siehe Kasten) – und dabei die Langzeitbetreuung von Betroffenen übernehmen. Dazu gehört unter anderem, mit dem Patienten Vereinbarungen über Therapieziele und Kontroll-Zeitpunkte zu treffen, den Patienten nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen für den Umgang mit seiner Krankheit zu schulen, ihn mindestens einmal im Quartal ausführlich zu untersuchen, gemeinsam Ernährungs- und Bewegungsprogramme zu erstellen sowie begleitende Dokumentationen durchzuführen.
Details zum Therapie Aktiv-Arzt
Die Fortbildung für die Teilnahme am Projekt „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ besteht aus Basisschulungen, die vier Stunden dauern (zwei Stunden DMP-Grundlagen, zwei Stunden medizinische Inhalte) und aus empfohlenen Fortbildungsmodulen.
Nähere Informationen über den Schulungsinhalt, die Dauer, Schulungsorte und Höhe der Bezahlung für die Langzeitbetreuung von Patienten nach den Richtlinien von Therapie Aktiv sind bei den Länderärztekammern erhältlich.
Adressen und Telefonnummern gibt es unter www.aerztekammer.at
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2007





