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Medizinische Kurzmeldungen
Klinische Studien könnten billiger werden
Im Rahmen einer internationalen Konferenz zu „Multiple Comparison Procedures“ an der Medizinischen Universität Wien diskutierten Statistiker Möglichkeiten, wie Geld, Personal und Zeit bei medizinischen Studien gespart werden kann. Einen neuen Ansatz bietet die von Mitarbeitern des Wiener Instituts für Medizinische Statistik entwickelte Methode des „adaptiven Designs“. Während im Normalfall die wesentlichen Parameter einer klinischen Studie während ihrer Durchführung nicht mehr verändert werden dürfen, brechen die adaptiven Designs mit diesem Grundprinzip. Die Berechnungsmodelle ermöglichen Anpassungen von beispielsweise der Sample-Größe oder von Dosierungen auch unter laufender Studie. Wegen der vergleichsweise schwierigeren Kontrolle der Studien und der Gefahr von Fehlinterpretationen werden adaptive Designs aber bisher nur selten in der Praxis durchgeführt. Ob sich die neue statistische Methode zukünftig durchsetzen wird, wagen die Wissenschafter bisher noch nicht zu beantworten.
APA
Bitterschokolade senkt den Blutdruck
Schon ein Stück dunkle Schokolade pro Tag senkt einer Studie zufolge den Blutdruck. Dirk Taubert von der Universitätsklinik Köln berichtete über einen bemerkenswerten Effekt, der vor allem ohne Gewichtszunahme oder andere Nebenwirkungen verlaufe. Bei den Versuchsteilnehmern, die 18 Wochen lang täglich 6,3 Gramm dunkle Schokolade aßen, sank der systolische Blutdruck um 2,9 und der diastolische Wert um 1,9 Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg). Weiße Schokolade veränderte die Blutdruckwerte hingegen nicht. Als Ursache gelten die im Kakao enthaltenen Polyphenole, die in zahlreichen Pflanzen vorkommen. Die Ärzte befürchten jedoch, dass der positive Effekt durch die meist hohen Zucker- und Fettanteile in Kakaoprodukten wieder aufgehoben wird. Schätzungen besagen, dass eine durchschnittliche Blutdrucksenkung um drei mm Hg das Todesrisiko durch Schlaganfälle um acht und jenes durch Herzinfarkte um fünf Prozent verringere.
APA/JAMA
TU-Forscher bekämpfen Magnetfelder
Forscher der Technischen Universität Wien gingen in einem Projekt Möglichkeiten auf den Grund, wie die Umweltverträglichkeit von Stromleitungen tatsächlich verbessert werden kann. Wo große Ströme fließen, kommt es zu erheblichen Magnetfeldemissionen. Problematisch wird es, wenn diese in besiedelten Gebieten auftreten. Die Magnetfelder entlang von Stromleitungen wurden vom Team um Peter Schönhuber mit Hilfe einer Sonde erfasst: „Speziell von uns entwickelte Kompensationsanlagen, beispielsweise Leiterseile, die am Masten parallel geführt werden, können die Magnetfelder reduzieren“. Zum Schutz der Gesundheit errichtete Schilde in Form von Kupfermatten können jedoch laut den Experten der TU Wien zumindest gegen Magnetfelder nichts ausrichten und tragen nichts zur reellen Verbesserung im Wohnbereich bei. Die entwickelten Kompensationsleitungen hingegen bieten abgestimmt auf schwierige Trassierungssituationen den Forschern zufolge eine Möglichkeit zur verbesserten Umweltverträglichkeit von Hochspannungsleitungen.
APA
Wohlbefinden trotz Cerebralparese
Einer britischen Studie zufolge haben die meisten Kinder mit Cerebralparese eine ähnliche Lebensqualität wie gesunde Gleichaltrige. Die frühkindliche Hirnschädigung beeinträchtige zwar bestimmte Lebensbereiche, grundsätzlich sei das Wohlbefinden der Betroffenen im Alter von acht bis zwölf Jahren aber mit der von anderen Kindern vergleichbar. Die Forscher der Universität Newcastle werteten in der Studie die Daten von 500 Kindern mit Cerebralparese aus, die Angaben zu ihrem Leben machen konnten. Lediglich bestimmte Probleme beeinträchtigten manche Kategorien der Lebensqualität: So litten Kinder mit Gehproblemen stark unter den körperlichen Beschwerden, Kinder mit intellektuellen Beeinträchtigungen hatten eher emotionale Probleme, und sprachgestörte Kinder hatten oft eine schlechtere Elternbeziehung. Schmerzen verringerten die Lebensqualität in allen Bereichen. Die Forscher betonen jedoch, dass „behinderte Kinder nicht mit Mitleid und Sorge betrachtet werden sollten. Denn die Ergebnisse zeigten, dass sie das meiste im Leben ebenso erleben wie nicht behinderte Kinder.
APA/The Lancet
Alkoholmissbrauch erhöht Operationsrisiko
Alkoholmissbrauch steigert das Komplikationsrisiko bei Operationen deutlich. Einer Studie mit rund 5.000 Patienten an der Berliner Charité zufolge trinkt jeder sechste Patient Alkohol in gesundheitsschädlichem Maß. Beim Kongress für Suchtmedizin in München erklärte Claudia Spieß, dass das Risiko von Blutungen, Herzrhythmusstörungen und Infektionen beim Genuss von 1,5 Litern Bier oder mehr bereits um das Drei- bis Vierfache steige. Laut Spieß wird Alkohol von den behandelnden Ärzten meist nicht als Risiko wahrgenommen. Dabei seien die daraus resultierenden Gefahren durch einfache Maßnahmen deutlich reduzierbar. Unter anderem litten alkoholkranke Menschen an einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen. Dadurch werde die Immunabwehr geschwächt, was wiederum nach großen Operationen zu einer Lungenentzündung führen könne.
APA
Unleserliche Handschrift kann tödlich sein
In Krankenhäusern sind unleserliche Rezepte für bis zu 61 Prozent der fehlerhaften Arzneimittelverschreibungen verantwortlich, ergab eine Untersuchung der Universität Minnesota. Jährlich kommt es in den USA deswegen zu Tausenden Todesfällen, weil ein falsches Medikament mit ähnlich klingendem Namen oder eine falsche Dosierung verabreicht wird. Die Umstellung auf Computerrezepte könnte die Zahl der Verschreibungsfehler um zwei Drittel senken.
Geistige Aktivität senkt Demenz-Risiko
Ein im Alter geistig aktiver Mensch ist laut einer US-Studie um das 2,6-fache weniger gefährdet, an M. Alzheimer zu erkranken als eine passive Person. Dazu untersuchten die Forscher 700 Bewohner von Chicago mit einem Durchschnittsalter von 80 Jahren über einen Zeitraum von fünf Jahren einmal jährlich.
Neue Haut aus Stammzellen der Kopfhaare
Experten der Universität Leipzig haben eine neuartige Therapie bei großflächigen Verbrennungen und chronischen Wunden entwickelt. Dabei werden aus den Kopfhaaren der Betroffenen Stammzellen isoliert und durch Nähr- und Botenstoffe beeinflusst. Laut Studienleiter Jan Simon ließen sich auf diese Weise aus 50 Haaren rund zehn Quadratzentimeter Haut herstellen.
Komplikationen nach Kaiserschnitt häufiger
Nach Kaiserschnitten ohne medizinische Notwendigkeit mussten etwa 20 von 1.000 Frauen zur Nachbehandlung von Infektionen oder Wundheilungsstörungen wieder aufgenommen werden. Nach normalen Geburten war dies nur in 7,5 von 1.000 Fällen notwendig. Das zeigte die Untersuchung von 250.000 Geburtsverläufen in Massachusetts.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2007





