ÖÄZ 15/16 - 15.08.2007neu & aktuell - politische Kurzmeldungen

neu & aktuell


Politische Kurzmeldungen


Spitäler schulden Ärzten 120 Millionen Euro für Überstunden


Rund 28.000 Überstunden werden den angestellten Assistenz- und Fachärzten des Landeskrankenhauses Feldkirch nachbezahlt; darauf haben sich die Ärztekammer Vorarlberg, die zuständige Krankenhausleitung und der Vorarlberger Gesundheits-Landesrat Markus Wallner (V) geeinigt. Lege man diese Regelung auf ganz Österreich um, müsste man für die von den Spitalärzten geleisteten rund sechs Millionen Überstunden etwa 120 Millionen Euro nachzahlen, wie der Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte in der ÖÄK, Harald Mayer betonte. Rund 12.000 Ärzte in ganz Österreich sind davon betroffen. Aktuellen Umfragen zufolge wird in 70 Prozent der österreichischen Spitäler das Krankenanstalten-Arbeitszeit-Gesetz nicht eingehalten. „Die zuständigen Stellen, insbesondere das Arbeitsministerium, berühren die aufgezeigten Mängel bisher nicht. Alle Aufforderungen, diesen eklatanten Missstand durch die Einhaltung des Gesetzes respektive deutliche Strafen bei Verstößen zu beseitigen, sind bisher auf taube Ohren gestoßen“, kritisiert Mayer.


Automatikfaktor 2007

Laut dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger wurde der Automatikfaktor für 2007 mit 1,0244 errechnet.


Angelobung ÖÄK-Präsidium

Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hat das von der Vollversammlung der
Österreichischen Ärztekammer gewählte Präsidium im Juli angelobt. Von links nach rechts: der erste ÖÄK-Vizepräsident Artur Wechselberger, ÖÄK-Präsident Walter Dorner, Gesundheitsministerin Kdolsky, der zweite ÖÄK-Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte, Harald Mayer sowie der dritte ÖÄK-Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Günter Wawrowsky.


Rezeptgebühr: Ärztekammer ist skeptisch

Die Entscheidung der Bundesregierung, die Rezeptgebühren-Obergrenze künftig über die e-card bei Ärzten abzuwickeln, nimmt man in der ÖÄK zur Kenntnis. Die Regierungen habe die ärztlichen Warnungen missachtet, so ÖÄK-Präsident Walter Dorner, und er betonte, dass es für die Ärzte zu keinerlei Mehraufwand bei der Administration der Rezeptgebühr kommen dürfe. Der Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Günter Wawrowsky, fürchtet ein Chaos bei der Abwicklung angsichts der Tatsache, welche Probleme es schon jetzt gebe, etwa wenn der Versicherungsstatus des Patienten nicht richtig erfasst sei. „Sollte die Abwicklung über die e-card nicht problemlos funktionieren, wird es gröbere Schwierigkeiten mit den Ärzten geben“, betonte Wawrowsky.


Barrierefreiheitsregister jetzt online


Menschen mit einer Behinderung können sich ab sofort unter www.arztbarrierefrei.at darüber informieren, ob ein barrierefreier Zugang zu einer Ordination möglich ist, wie sie baulich ausgestattet ist und ob darüber hinaus spezielle Serviceangebote vorhanden sind. Mit Hilfe des österreichweiten Barrierefreiheitsregisters für Arztordinationen im Internet soll Patienten mit „besonderen Bedürfnissen“ der Zugang zum medizinischen ärztlichen Leistungsangebot erleichtert werden. Bisher haben sich bereits 2.600 Ärzte aus Niederösterreich, Vorarlberg, Salzburg, Steiermark, Tirol, Kärnten und Burgenland eingetragen; im Herbst wird das Register mit den Informationen aus Wien und Ober-österreich vervollständigt. Interessierte Ärzte können auf der von der ÖQMed (Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH) eingerichteten Internetseite https://eval.oeqmed.at die Daten hinsichtlich Barrierefreiheit der Ordination eingeben oder ändern. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die jeweilige Landesärztekammer oder an die ÖQMed (Tel. 01/512 56 85-0; E-Mail: barrierefreiheitno@sonicht.aerztekammer.at).


ÖÄK-Spitzenvertreter kritisieren Leitl-Aussagen


Für seine Aussage, dass im Gesundheitsbereich zwei Milliarden Euro einzusparen wären, erntet Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl heftige Kritik. ÖÄK-Präsident Walter Dorner sprach von einem „tolldreisten, pseudoökonomischen Märchen – unrichtig, irreführend und durch nichts zu belegen“. Die von Leitl genannte Zahl sei „rein virtuell“ und nichts als eine ungeprüfte Übernahme von EU- beziehungsweise OECD-Schätzungen. Dorner erinnerte daran, dass dies de facto die Schließung jedes vierten Spitals in Österreich bedeuten würde und auch der niedergelassene Bereich werde „finanziell ausgeblutet“. Der ÖÄK-Chef weiter: „Wir haben damit kein Auffangbecken für die Patienten, die sonst in den Spitälern behandelt würden. Ich denke, diese Tatsachen reflektieren sehr anschaulich die unsoziale Haltung, die hinter derartigen Vorschlägen der Wirtschaftskammer steckt.“ Diese sei daher gut beraten, „sich um ihre eigenen Agenden zu kümmern und nicht in der Gesundheitspolitik Miesmacherei zu betreiben“. Auch die beiden Kurienobleute Harald Mayer (angestellte Ärzte) und Günter Wawrowsky (niedergelassene Ärzte) forderten Leitl auf, seine sommerliche „Negativkampagne“ gegen das österreichische Gesundheitswesen umgehend einzustellen.


Impfung gegen Rotaviren im Kinderimpfprogramm


Noch heuer bekommen rund 40.000 Kinder gratis die Impfung gegen Rotaviren, erklärte Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky. Für die Grundimmunisierung sind drei Schluckimpfungen notwendig, die spätestens bis zur Vollendung der 26. Lebenswoche verabreicht werden sollen. Alle Kinder, die 2007 geboren wurden, und bereits eine oder zwei Impfungen erhalten haben, sollen die noch fehlenden Impfungen kostenlos erhalten. Ab 2008 ist die Impfung für die jeweiligen Geburtenjahrgänge gratis. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten belaufen sich auf rund 18,6 Millionen Euro.


„Garten der Bewegung“


Ein mit Outdoor-Trainingsgeräten bestückter „Garten der Bewegung“, der vor dem Haupteingang des AKH Wien errichtet wurde, soll Erwachsene zur Bewegung an der frischen Luft animieren. Eröffnet wurde der Garten von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, dem ärztlichen Direktor des AKH Wien, Univ. Prof. Reinhard Krepler und der Projektleiterin Univ. Prof. Anna-Christine Hauser.


Arztprüfung ist nicht gleich Facharztprüfung


Die unterschiedlichen Kosten der Gebühr für die Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin und für die jeweiligen Facharztprüfungen ergeben sich aufgrund der 45 verschiedenen Sonderfächer, die drei Prüfungsmethoden sowie die Anzahl der Kandidaten pro Prüfung. Bei der Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin treten bei den vier Prüfungsterminen, die pro Jahr zeitgleich in allen Bundesländern stattfinden, insgesamt rund 900 Kandidaten an. Bei der Facharztprüfung hingegen treten – in Abhängigkeit vom jeweiligen Sonderfach sowie von der Kandidatenzahl – etwa 900 Kandidaten zu 40 verschiedenen Facharztprüfungen an. Da die Österreichische Ärztekammer bei der Einführung der Arztprüfung beschlossen hat, dass die Prüfungsgebühr kostendeckend sein muss, ergeben sich die unterschiedlich hohen Gebühren: 390 Euro für die Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin sowie 710 Euro für die Facharztprüfung. Damit müssen alle Kosten abgedeckt sein, die bei den Vorarbeiten und bei der Durchführung der Prüfung entstehen. Von Seiten der österreichischen akademie der ärzte, die mit der Durchführung der Arztprüfung betraut ist, erklärt deren Geschäftsführerin, Helga Vit, dass die Akademie „höchstes Augenmerk auf die sparsame und sorgfältige Verwendung der eingehobenen Prüfungsgebühren legt.“ Dies wird von der Österreichischen Ärztekammer auch regelmäßig überprüft.


PERSONEN


Kurt Steyrer gestorben

Der ehemalige Gesundheitsminister Kurt Steyrer ist im Juli nach kurzer schwerer Krankheit 87-jährig in Wien verstorben. Steyrer zog schon 1975 in den Nationalrat ein, wo er sich besonders im Gesundheits- und Umweltbereich engagierte. 1981 wurde er zum zuständigen Minister für diese Agenden bestellt. Nachdem Steyrer  im Präsidentschaftswahlkampf 1986 Kurt Waldheim unterlegen war, zog er sich aus der Bundespolitik zurück.


Kasper – Präsident der Weltgesellschaft für Psychiatrie

Der Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Psychiatrie der Medizinischen Universität Wien, o.Univ. Prof. Siegfried Kasper, wurde im Rahmen des Weltkongresses für Biologische Psychiatrie zum Präsidenten des Weltverbandes gewählt. Damit steht erstmals ein Österreicher an der Spitze der World Federation of Societies in Biological Psychiatry.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2007

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