ÖÄZ 15/16 - 15.08.2007Schallaburg: Die Kreuzritter

Die Kreuzritter


Schallaburg

Sie waren „Pilger, Krieger und Abenteurer“, die Männer, die im Mittelalter zu den Kreuzzügen in den Nahen Osten aufbrachen. Kein romantisches Thema, aber ein kulturell ergiebiges, das auf der Schallaburg auf vielen Ebenen aufgearbeitet wird.

Von Renate Wagner

An sich ist das Thema schon von der Sache her attraktiv: Mit dem griffigen Untertitel „Pilger, Krieger, Abenteurer“ verbindet sich eine (durchaus als falsch entlarvte) Romantik von Rittertum und geheimnisvollem Orient. Und am Reiz der Objekte bleibt man auch nichts schuldig. Aber es gilt doch, das Thema der Kreuzzüge zu hinterfragen. Wie sehr etwa die Vorwände für Kriegszüge, ob man nun Religion oder Idealismus als Grund angibt, stets von wirtschaftlichen Aspekten getragen werden, ist eine Überlegung, die gleichfalls angeschnitten werden muss. In der Schallaburg geschieht all dies auch, gleichzeitig mit einem geradezu „spielerischen“ Programm für „Kinder und junge Erwachsene“, wie es heißt, wo man sich als Kreuzritter verkleiden und auch einen der schweren Helme aufsetzen kann, um eine Ahnung zu gewinnen, wie sich die Männer gefühlt haben mögen …

Zu Beginn der „klassischen“ Kreuzzüge (es gab auch andere), die vordringlich vom 11. bis zum 13. Jahrhundert stattfanden, stand tatsächlich die Religion: Eine Lindenholz-Statue von Papst Urban II. erinnert an den Mann, der mit der stolzen Behauptung „Deus vult!“ (Gott will es) zum Ersten Kreuzzug aufrief und damit eine Eigendynamik über Jahrhunderte auslöste.

Als Hintergrund des Geschehens werden soziale Spannungen der Zeit aufgearbeitet, wobei als gegensätzliche Positionen etwa ein Dichter wie Wolfram von Eschenbach Christen, Juden und Muslime zu versöhnen hoffte, während die Juden in Europa Restriktionen, Verhöhnungen und auch Verfolgungen ausgesetzt waren: Die Eroberung des „Heiligen Landes“, die man auf das Banner schrieb, fand nicht für die historische Heimat der Juden, sondern einzig und allein für die Stätten der Christenheit statt, die unter muslimische Herrschaft geraten waren.

Einen ganz wichtigen Akzent setzt die Ausstellung dahingehend, die Kultur der Araber jener des damaligen Europa als gleichwertig, wenn nicht überlegen darzustellen, mit wunderbaren Exponaten, die vor allem bemerkenswerte Objekte des Kunsthandwerks zeigen.

Von großer Anschaulichkeit sind die Modelle etwa von Jerusalem oder von Kreuzritterburgen, womit man sich als Besucher gewissermaßen schon an „Ort und Stelle“ der Kreuzzüge befindet. Eine besonders eindrucksvolle Gegenüberstellung gelingt der Ausstellung, wenn eine Nachbildung des Grabmales von König Richard Löwenherz (der ja durch seine Gefangenschaft in Dürnstein auch mit der österreichischen Geschichte verbunden ist) neben der Nachbildung des Grabmals des größten islamischen Herrschers, Saladin, steht – diese Männer waren jeweils bei ihren Völkern die Helden ihrer Epoche, sie waren die großen Feinde, und hier liegen sie gewissermaßen friedlich nebeneinander: Das angestrebte Gleichgewicht in der Wertung beider Seiten wird angesichts dieser führenden Persönlichkeiten augenfällig.

Letztendlich wird das Thema auch noch weit breiter gefächert als je: Nicht nur die „klassischen“ Kreuzzüge werden behandelt, sondern beispielsweise auch Aufbrüche gegen die Mauren in Spanien oder die Züge des Deutschen Ordens ins Baltikum. Wie sich die einstigen Ritterorden fortgesetzt oder auch verwandelt haben (im Orden des Goldenen Vlieses etwa) und wie der „Orientalismus“ in Europa Mode wurde, sind die Themen, mit denen die „Kreuzritter“-Ausstellung auf der Schallaburg ausklingt.


Was, Wann, Wo:

Die Kreuzritter – Pilger, Krieger, Abenteurer
Schallaburg bei Melk
Bis 4. November 2007, wochentags 9.00 bis 17.00 Uhr, Wochenende und Feiertage 9.00 bis 18.00 Uhr



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2007

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