Drucker & Kopierer
Gefährdung am Arbeitsplatz?
In letzter Zeit wurden vermehrt Studien zum Thema Toner-Emissionen und deren gesundheitliche Folgen publiziert. Dennoch ist die Datenlage äußerst mangelhaft, wie Experten feststellen.
Von Jutta Maucher
Die Diskussion rund um die gesundheitlichen Folgen von Tonerstäuben aus Laserdruckern und Kopiergeräten wurde vor allem durch eine Studie der Universität Gießen ausgelöst. Sie hat in Deutschland auf politischer Ebene zur Forderung nach sofortigen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor der Exposition durch Tonerstäube geführt. Seitens des deutschen Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit heißt es dazu: „Die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Expositionen gegenüber druckerspezifischen Emissionen und Gesundheitsgefahren lässt sich derzeit aus wissenschaftlicher Sicht nicht befriedigend beantworten. Bezüglich der Bewertung von Expositionen gegenüber Emissionen während des Druckerbetriebes ist die Datenlage noch sehr lückenhaft.“
Übliche Meßmethoden versagen
Die mangelhaft vorhandenen wissenschaftlichen Daten seien auch das Grundproblem, wie Gerd Oberfeld, Referent für Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer weiß. „Es handelt sich bei den von den Druckern emittierten Substanzen um Feinstäube im Nanometerbereich, so genannte ultrafeine Partikel, die am besten mit Partikelzählern erfasst werden können und nicht mit herkömmlichen gewichtsbezogenen Methoden.“
Sicher ist – und das zeigen die Studien -, dass Kopierer und Drucker während der Benutzung auch organische Kohlenwasserstoffe freisetzen können. Darüber hinaus kann es zur Entstehung von Ozon kommen.
Unspezifische Gesundheitsrisiken
Welche gesundheitlichen Risiken durch Laserdrucker tatsächlich entstehen, ist aufgrund der bisher kaum vorhandenen Untersuchungen nur annähernd erfassbar. Laut Aussagen der „Interessensgemeinschaft Tonergeschädigter“ (ITG) klagen Tonerstaubexponierte häufig über eine Reihe unspezifischer Symptome wie Bindehaut- und Rachenschleimhautentzündung, Hautreizung, Husten, Atemnot, Kopfschmerzen und allergische Reaktionen.
Univ. Prof. Manfred Neuberger vom Institut für Umweltmedizin der Universität Wien plädiert jedoch, die gesundheitlichen Folgen relativiert zu sehen. Bislang konnte nämlich in Tierversuchen weder eine akute noch toxiologische Gefährdung durch Tonerstaub nachgewiesen werden. Nur in sehr hohen Konzentrationen seien Entzündungserscheinungen in den Lungen der Versuchsratten nachgewiesen worden. „Natürlich ist Forschungsbedarf vorhanden, da die Kasuistiken am Menschen noch fehlen“, meint Neuberger und er führt weiter aus: „Eine irritative Wirkung auf die oberen Atemwege ist angesichts eines Gemisches aus Formaldehyd, Ozon und Feinstäuben nicht auszuschließen.“
Tonerstaub wirkt wie Dieselruß
Gerd Oberfeld sieht die gesundheitlichen Auswirkungen ultrafeiner Partikel bei Laserdruckern analog zum Dieselruß oder dem Zigarettenrauch. Laut einer Studie der Queensland University liegen die gemessenen Konzentrationen bei Laserdruckern sogar bis zu fünf Mal höher als im Straßenverkehr. „Grundsätzlich können durch ultrafeine Partikel dosisabhängig inflammatorische Prozesse, nicht nur in der Lunge, sondern auch am Gefäßsystem, mit zum Teil weitreichenden Folgen ausgelöst werden. Und genau diese Frage der Dosis ist weitgehend unbeantwortet, da nicht nur die Luftwechselrate eines Raumes, sondern vor allem das Emissionsverhalten des Laserdruckers oder Kopierers die Expositionskonzentration bestimmt“, so Oberfeld.
Lösung: Drucker im eigenen Raum
Eine Patentlösung, um die mögliche Gefährdung durch Tonerstäube zu reduzieren, gibt es derzeit nicht. Ideal wäre die Aufstellung in einem eigenen gut belüfteten Raum für Laserdrucker und Kopierer. Als mittelfristige Präventionsstrategie schlägt Oberfeld eine Emissionsdeklaration für Laserdrucker und Kopierer für toxikologisch relevante Schadstoffe und damit auch für ultrafeine Partikel vor.„Nachrüstfilter sind ein erster Schritt, wobei zur optimalen Reduktion speziell im ultrafeinen Bereich weitere Verbesserungen nötig sind und künftig Filter bereits vom Hersteller integriert werden sollten, um alle relevanten Quellen, wie Abluftöffnung oder Papierschacht zu erfassen“, so der Umweltmediziner, der abschließend anmerkt: „Für den Privatgebrauch empfehle ich vorsorglich nur die Verwendung von Tintenstrahldruckern.“
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2007





