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ArchivÖÄZ 5 - 10.03.2006

Wien hat sein Mozarthaus


Vier große Zimmer in der „Beletage“...

 


Jenes Haus in der Domgasse 5, in dem Wolfgang Amadeus Mozart einst den „Figaro“ schuf, ist nun als Erinnerungsstätte ein Prunkstück der Stadt Wien.

Von Renate Wagner


In Wien hat Mozart seine letzten zehn Lebensjahre verbracht, künstlerisch und menschlich seine fruchtbarsten, in Wien ist er gestorben und begraben (wenn man auch nicht genau weiß, wo).


Die Mozarts sind in Wien vielfach umgezogen – immer wieder machte sich Wolfgang Amadeus mit Gattin Constanze und einer wechselnden Schar von Kindern auf, um ein neues Quartier aufzusuchen, je nachdem wie es gerade um die finanziellen Verhältnisse der Familie bestellt war. Als sie 1784 in die Domgasse, nicht weit hinter dem Stephansdom, kamen, war dies die neunte von 14 Wohnungen in zehn Jahren.


Freilich war der Innenhof damals nicht verglast – so wie heute –, es gab auch keinen Lift und keine Toiletten. Aber im ersten Stock stand ihnen die gesamte Zimmerflucht rund um den Innenhof zur Verfügung, mit vier ziemlich großen Räumen mit großen Fenstern, weiters Kabinetten, Nebenräumen, in denen das Dienstpersonal (immerhin Köchin, Stubenmädchen, Diener) seine Schlafstätten aufschlug. Für damalige Verhältnisse eine luxuriöse Bleibe und mit 450 Gulden Jahreszins relativ teuer; damals muss es den Mozarts ziemlich gut gegangen sein.


Später „Figaro“-Haus benannt, diente es dem Historischen Museum der Stadt Wien als eine Außenstelle, als so genannte „Mozart-Wohnung“, war aber eher ein Schandfleck der Stadt, der bis vor 14 Monaten vor sich hin zerfiel. Dann gab es angesichts des kommenden Mozartjahrs die vereinigten Anstrengungen der Stadt, des Museums und der Raiffeisenbank, hier Abhilfe zu schaffen. Und tatsächlich hat man mit acht Millionen Euro ein Schmuckstück geschaffen.


Dieses Mozarthaus ist geeignet, über kurz oder lang zu den touristischen Fixpunkten der Stadt zu zählen, desgleichen aber auch, den Wienern Gelegenheit zu geben, Mozart zu „besuchen“. In dem relativ schmalen hohen Gebäude finden sich unten die Veranstaltungsräume, im ersten Stock, der „Beletage“, war Mozarts Wohnung, die beiden weiteren Stockwerke sind mit Exponaten zu Wien zur Mozart-Zeit bestückt.


Da es keine Originalmöbel aus Mozarts Zeit gibt, hat man nicht die Phantasie spielen lassen, sondern lädt die Besucher ein, dies zu tun: Ein Modell der Wohnung mit Möbel in Spielzeuggröße können dem „spielerischen“ Versuch dienen, die Räume einzurichten. Die sparsamen Exponate erzählen von Mozarts unmittelbarem Leben. Dass sein „Salon“ vermutlich ein Spielzimmer war, ist anzunehmen, spielte Mozart doch leidenschaftlich gern Billard und Karten. Da sich in Mozarts Nachlass-Verzeichnis auch eine Uhr in vergoldetem Kasten findet, hat man ins Arbeitszimmer eine Flötenuhr aus der Mozart-Zeit gestellt. Im Schlafzimmer steht ein Kinderbett aus der Mozart-Zeit – schließlich hatten Wolfgang und Constanze sechs Kindern, wenn auch nur zwei Söhne überlebten. „Ich versichere Sie, dass hier ein herrlicher Ort ist", sagte Mozart über Wien, und das war die Stadt für ihn natürlich in ihrer unübertrefflichen Eigenschaft als Musikstadt. Dies wird in den beiden Stockwerken über der Mozart-Wohnung dokumentiert, nicht nur mit historischen Exponaten, sondern auch modernen, höchst „lebendigen“ Videoscreens.


Dieses Mozarthaus, als „Museum“ vom Historischen Museum geführt, ist das, was der Stadt über das konkrete Jubeljahr hinaus bleiben wird. Und es ist in seiner Einrichtung wirklich gelungen: Moderne Gestaltung ohne Gewaltakte verbindet Information mit Impression, die Musik erklingt diskret von hier und da, der Unterhaltungseffekt für eine Event-Welt ist gesichert, tut aber der Seriosität des Unternehmens keinen Abbruch. Man gewinnt auf jeden Fall den Eindruck, „bei Mozart zu Besuch“ zu sein...



Was, Wann, Wo:


Mozarthaus Vienna
, Geöffnet täglich von 10 bis 20 Uhr,
Eintritt neun Euro, Ermäßigungen, Audioguide im Preis inkludiert
1010 Wien, Domgasse 5 (hinter dem Stephansdom)