ÖÄZ 12 - 25.06.2009Hierarchie im Spital - Neuregelung

Hierarchie im Spital


Mehr Motivation, bitte!



Für eine Neuregelung der Hierarchie in den österreichischen Krankenhäusern plädiert der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Harald Mayer. Von Kurt Markaritzer

 


"Die derzeitigen hierarchischen Strukturen in den Spitälern sind weder zeitgemäß, noch erfüllen sie den Zweck, die optimale Behandlung der Patienten sicher zu stellen“, betont Mayer. Änderungen sind seiner Meinung nach auf mehreren Ebenen unumgänglich. Das beginnt bei der kollegialen Führung der Krankenanstalten, die aus dem Ärztlichen Direktor, dem Verwaltungsdirektor und dem Direktor des Pflegedienstes besteht. In einigen Spitälern gehört auch der Technische Direktor diesem Gremium an. Die Mitglieder sind gleichberechtigt; Entscheidungen müssen im Einvernehmen getroffen werden. „Diese Regelung ist nicht optimal“, kritisiert Mayer. „Bei allem Respekt vor der Leistung des pflegenden Personals: Die Kernleistung in den Spitälern ist die medizinische Leistung. Deshalb ist es sinnvoll, dem ärztlichen Direktor die Führungskompetenz zu übertragen.“


Diese Neugewichtung der Führungsaufgaben liegt vor allem im Interesse der Patienten, betont der Kurienobmann: „Sie verhindert, dass die Herrschaft der Ökonomie in den Spitälern noch weiter um sich greift, als das ohnehin schon der Fall ist!“ Eine Fortschreibung und Verstärkung des „Diktats der nackten Zahlen“ bringt die Gefahr von Leistungseinschränkungen, die zu Lasten der Kranken gehen, stellt Mayer fest. „Ein ärztlicher Direktor, der als Mediziner die Letztkompetenz im Krankenhaus hat, wird auf der Basis seines medizinischen Wissens darauf achten, dass Einsparungen nicht zu unzumutbaren Qualitätseinbußen führen.“


Probleme bereiten die derzeitigen hierarchischen Strukturen in den Krankenanstalten aber nicht nur an der Spitze der Häuser, sondern auch in den einzelnen Abteilungen, die länger dienenden Fachärzten oft nur wenig Freiräume lassen, weil die Führung sehr straff geregelt ist. Harald Mayer tritt deshalb für deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen in den Abteilungen ein. „Derzeit sind diese Arbeitsbedingungen vielfach alles andere als optimal“, kritisiert er. „Und das hat zur Folge, dass sich immer mehr Oberärzte mit 50 in die innere Emigration begeben, weil sie sich als reine Befehlsempfänger empfinden. Sie sehen kaum Möglichkeiten, sich zu entfalten und nach ihren eigenen Vorstellungen weiter zu entwickeln. Durch eine Änderung der Rahmenbedingungen könnten die Krankenanstalten das große Potenzial dieser Fachärzte viel mehr nützen als jetzt.“


Die derzeitige Situation ist für die Ärzte jedenfalls nicht befriedigend. 80 bis 90 Prozent des medizinischen Personals gehen als angestellte Ärzte in Pension, haben aber in den späteren Berufsjahren kaum Erfolgserlebnisse, die sie zu Höchstleistungen motivieren. Mayer: „Das müssen die Krankenanstaltenträger ändern: Sie sollen Bedingungen schaffen, die es auch für einen 55jährigen Oberarzt attraktiv machen, im Krankenhaus zu arbeiten. Das würde das gesamte Spitalswesen entscheidend aufwerten!“   



Skepsis im Burgenland


Seit Jahren ist an den meisten Spitälern in Österreich das Prinzip der kollegialen Führung üblich. Der burgenländische Landtag sieht im Landeskrankenanstaltenplan 2008 ausdrücklich neben der Möglichkeit der kollegialen Führung von Spitälern auch eine so genannte monokratische Führung für die Leitung einer Krankenanstalt vor.


In den Erläuterungen zu dieser im Vorjahr erlassenen Verordnung werden die burgenländischen Politiker deutlich: „Im Sinne neuer Organisationsformen, der Nutzung von Synergieeffekten und der damit verbundenen Wirtschaftlichkeit sowie einer allfälligen Straffung der Entscheidungswege wurde … auch die Einrichtung einer monokratischen Leitung vorgesehen. Bemerkt wird hiebei, dass das Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten (KAKuG) die Einrichtung einer kollegialen Führung nicht zwingend vorsieht.“  



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 12 / 25.06.2009


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