neu & aktuell - Medizinische Kurzmeldungen (25.06.2009)
Menschen ab 40 „aus dem Gleichgewicht“
Jeder dritte Erwachsene ab 40 Jahren leidet unter Gleichgewichtsstörungen aufgrund einer vestibulären Dysfunktion. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Johns Hopkins-Universität in Baltimore. Sie untersuchten 5.000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 40 Jahren. Bei rund 35 Prozent der Probanden konnten Gleichgewichtsstörungen im Innenohr festgestellt werden. Bei den über 80-Jährigen waren sogar 85 Prozent betroffen; bei Typ 2-Diabetikern war das Risiko um 70 Prozent erhöht. Eine gute Bildung hingegen ging mit einer um 40 Prozent geringeren Gefährdung einher. 27 Prozent der Studienteilnehmer wiesen direkte Symptome wie etwa Schwindelgefühle auf. Das Sturzrisiko dieser Betroffenen liegt um das Achtfache höher als bei gesunden Personen. Wer keine direkten Beschwerden aufwies, zeigte immerhin noch ein um das Dreifache erhöhtes Sturzrisiko. Die Studienautoren raten Ärzten, ältere Patienten - besonders Diabetiker - gezielt auf Gleichgewichtsstörungen zu untersuchen. APA/Archives of Internal Medicine
Typ 1-Diabetes nimmt stark zu
Bis 2020 werden doppelt so viele Kinder unter fünf Jahren an Typ 1-Diabetes erkrankt sein wie 2005, wenn der aktuelle Trend anhält. Das zeigt eine Hochrechnung von Forschern der Universität Belfast. Die Gruppe um Chris Pattersen wertete die Daten von mehr als 29.000 Typ 1-Diabetikern aus 17 europäischen Ländern im Zeitraum von 1989 bis 2003 aus. Nach diesen Berechnungen stieg die Zahl der Neuerkrankungen jährlich um 3,9 Prozent, bei Kindern unter fünf Jahren sogar um 5,4 Prozent. Setzt sich dieser Trend fort, wird in Europa die Zahl der erkrankten Kinder unter 15 Jahren von 94.000 im Jahr 2005 auf 160.000 im Jahr 2020 ansteigen. Die Gründe für diesen Anstieg sind noch völlig unklar. Neben genetischen Faktoren könnten auch Wachstumsstörungen oder die zunehmende Anzahl von Kaiserschnitten eine Rolle spielen. APA/Lancet
Chemotherapie zerstört Fingerabdruck
Das Krebsmedikament Xeloda® (Capecitabine) kann über eine chronische Entzündung der Handflächen zu einem Verschwinden der Fingerabdrücke führen. Dies ist einem 62jährigen Krebspatienten bei der Einreise in die USA passiert. Onkologen raten jenen Patienten, die dieses Medikament erhalten, bei Reisen über Ländergrenzen einen entsprechenden Brief ihres Arztes mitzuführen.
Kokainspuren in Cola gefunden
Nachdem Messungen in Deutschland unlängst geringe Spuren von Kokain in Red-Bull-Cola nachgewiesen hatten, kommt auch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zu gering positiven Messergebnissen. Während man in Deutschland Werte von 0,4 Mikrogramm Kokain pro Liter festgestellt hat, liegen sie in Österreich etwa bei der Nachweisgrenze. Insgesamt lagen zwölf Messergebnisse aus zwei Produktionschargen vor. Nach dem Lebensmittelrecht dürfen dekokainierte Kokablätter bei Lebensmitteln als Aromastoff eingesetzt werden. Bisher galten die zugelassenen Verfahren zur Kokain-Entziehung als sicher. Durch die stetig feiner werdenden Analysemethoden lässt sich aber immer genauer messen, während man in der Lebensmitteltechnologie noch nicht soweit ist, tatsächlich auch feinste Spuren aus den Kokablättern zu filtern. Kokain fällt in Österreich unter das Suchtmittelgesetz und ist daher verboten. Experten aus verschiedenen Bereichen sollen nun eine Lösung finden. Ein möglicher Weg wäre eine Ausnahmeverordnung aufgrund des Suchtmittelgesetzes, heißt es dazu aus dem Gesundheitsministerium. APA
Bessere Prognose für übergewichtige Herzpatienten
Sind übergewichtige Patienten von einem kardiovaskulären Ereignis betroffen, sind ihre Prognosen meist besser als jene von schlanken Herzpatienten. Die dahinter liegenden Mechanismen sind unklar. Die Forscher vermuten, dass korpulente Menschen im Vergleich zu Dünneren mehr Ressourcen gegen Erkrankungen haben könnten oder aber wegen ihres Übergewichts häufiger den Arzt aufsuchen.
Marathon schädigt Herz nicht dauerhaft
Nach einem Marathonlauf fanden kanadische Kardiologen der Universität von Manitoba zwar mittels MRT und Echokardiographie ungewöhnliche Herzmuster in der Entspannungsphase und eine geringere Pumpfunktion der rechten Herzkammer. Allerdings war diese Beeinträchtigung nach einer Woche nicht mehr nachzuweisen. Hinweise auf dauerhafte Schäden konnten die Wissenschafter nicht finden.
Neues Killervirus entdeckt
„Lujo“ ist der Name des in Afrika neu entdeckten Killervirus, das ebenso wie Ebola zu schweren Blutungen führt. Unklar ist, wie sich die erste Person infiziert hat; das sehr aggressive Virus gehört zu einer Familie von Viren, die in Nagetieren anzutreffen sind. Vermutlich wird es über Körperflüssigkeiten übertragen. In Sambia und Südafrika infizierten sich vier Menschen; drei von ihnen starben.
Alkohol wirkt rasch auf das Gehirn
Schon sechs Minuten nach dem Konsum von drei Gläsern Bier oder zwei Gläsern Wein lassen sich Veränderungen an den Gehirnzellen beobachten. Heidelberger Wissenschafter untersuchten das Gehirn von Probanden, die zuvor die beschriebene Menge Alkohol zu sich genommen hatten, mittels Magnetresonanzspektroskopie. „Das Gehirn schaltet bereits nach wenigen Minuten um und nutzt anstelle von Glukose ein Abbauprodukt des Alkohols zur Energiegewinnung“, erläutert Studienleiter Armin Biller von der Universitätsklinik Heidelberg. „Außerdem sank mit steigendem Alkoholpegel die Konzentration von zellschützenden Stoffen wie Kreatin und Aspartat.“ Die Veränderungen am Hirnstoffwechsel waren vollständig reversibel, wie Folgeuntersuchungen am nächsten Tag zeigten. Allerdings könnten diese akuten Effekte die Grundlage für dauerhafte Schäden am Gehirn sein, wie sie bei alkoholabhängigen Menschen auftreten. APA
Rauchen für Frauen besonders gefährlich
Raucherinnen entwickeln bei relativ geringem Zigarettenkonsum schon in früherem Alter Erkrankungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine norwegische Studie, in der knapp 1.000 Patienten mit COPD mit ähnlich vielen gesunden Rauchern beziehungsweise Ex-Rauchern verglichen wurden. Auf den ersten Blick fielen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in Bezug auf Lungenfunktion oder Erkrankungsgrad auf. Detailanalysen der Daten zeigten aber, dass die Frauen - obwohl sie weniger geraucht hatten als die Männer - früher erkrankten. Den Angaben von Studienautorin Cecilie Soerheim von der norwegischen Universität Bergen zufolge könnte das möglicherweise anatomische Gründe haben, da die Luftwege kleiner sind. Darüber hinaus könnten auch Gene und Hormone eine Rolle spielen. Soerheim abschließend: „Die Studie zeigt eindeutig, dass es einen unbedenklichen Tabakkonsum für Frauen nicht gibt.“ APA
Akupunktur lindert Rückenschmerzen
Dass Akupunktur Rückenschmerzen wesentlich effektiver als eine konventionelle Therapie lindert, ergab die bisher größte Studie des Group Health Center for Health Studies in Seattle. Dabei wurden 640 Patienten mit Rückenschmerzen untersucht: ein Viertel von ihnen wurde konventionell behandelt, während die übrigen in sieben Wochen zehn Akupunktur-Sitzungen erhielten - entweder mit echten Nadeln oder mit speziellen Nadeln, welche die Haut nicht ganz durchbohrten. Schon unmittelbar nach dem Ende der Therapie spürten 60 Prozent aller akupunktierten Patienten eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden, aber nur 39 Prozent der konventionell behandelten Probanden. Warum auch die Scheinakupunktur wirksam war, ist unklar. Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass Akupunktur Schmerzen auch dann lindert, wenn die Nadeln abseits der traditionell vorgegebenen Punkte in die Haut gestochen werden. APA/Archives of Internal Medicine
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 12 / 25.06.2009




