ÖÄZ 12 - 25.06.2009neu & aktuell - politische Kurzmeldungen

neu & aktuell - Politische Kurzmeldungen (25.06.2009)


Boom bei Gesundheits- und Sozialberufen


Die Gesundheits- und Sozialberufe erweisen sich in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise als Jobmotoren. Ende April haben 178.269 Menschen in dieser Branche gearbeitet, um 12.049 mehr als vor einem Jahr. Nach Einschätzung des Sozialministeriums sind diese Berufe krisenfest und werden in den nächsten Jahren einen weiteren Aufschwung nehmen. Deshalb hat die Bundesregierung eine Qualifizierungsoffensive gestartet, um 2.000 zuvor arbeitslos gewesene Menschen als zusätzliche Pflegekräfte auszubilden. Es werden dabei sowohl Pflegehelfer ausgebildet, als auch Pflegehelfer zu Diplomkrankenpflegern höher qualifiziert. Auch die Pharmaindustrie kann einen Beschäftigungszuwachs um insgesamt 1.555 Arbeitsplätze verzeichnen.  

 


ÄKVÖ fordert „Zulassungs-Pickerl“ für Fahrräder  


Eine Zulassung auch für Radfahrer angesichts der steigenden Unfallzahlen von Radfahrern fordert der Präsident der Ärztlichen Kraftfahrvereinigung Österreichs (ÄKVÖ) und Präsident der ÖÄK, Walter Dorner. „Damit wären nicht nur die Fälle von Fahrerflucht leichter aufzudecken, auch die Fahrrad-Diebstähle könnten besser verfolgt werden“, erklärte Dorner. Delikte von Radfahrern werden mit Geldbußen bestraft. Den Angaben der Polizei zufolge verwenden jedoch viele Radfahrer die Ausrede, keinen Ausweis mit sich zu führen, was eine weitere Feststellung der Identität auf der Wache erfordert. Ein „Zulassungspickerl“ würde dieses Vorgang vereinfachen.  


Gute Chancen bei Hautkrebs


Das Land Oberösterreich, die Krebshilfe und die Ärztekammer für Oberösterreich planen eine Verstärkung der Informationstätigkeit zum Thema Hautkrebs. Über die wichtigsten Irrtümer und effektive Verhaltensregeln in Sachen Hautkrebsvorsorge informierten u.a. der Fachgruppenobmann der Hautärzte in Oberösterreich, Johannes Neuhofer: „Wenn man viele oder in Form oder Farbe unregelmäßige Muttermale hat, ist dringend die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Hautarzt anzuraten.“ Unterstützt wird diese Aktion auch vom Land Oberösterreich. Dazu Landeshauptmann Josef Pühringer: „Die Informationskampagne der oberösterreichischen Hautärzte gemeinsam mit dem Land Oberösterreich und der Krebshilfe Oberösterreich soll sowohl richtige Verhaltensregeln als auch Irrtümer aufzeigen, denn richtige Information kann schützen.“ 



Disput um Tiroler Rettungswesen


Trotz Kritik der Rettungsverbände hat sich die Tiroler Landesregierung auf eine Neuorganisation des Rettungswesens geeinigt. Demnach soll künftig das Land mittels öffentlicher Ausschreibung einen entsprechenden Anbieter dieser Dienstleistungen ermitteln, bisher war das Aufgabe der Gemeinden. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (V) hofft, dass dadurch „Doppelgleisigkeiten abgeschafft und Synergien genutzt“ werden könnten. Das Rote Kreuz warnte dagegen vor Qualitätsverlust. Das Gesetz soll noch im Juli im Landtag beschlossen werden und mit 1. Jänner 2010 in Kraft treten; dann ist jedoch noch mit einer formalen Übergangszeit von bis zu eineinhalb Jahren zu rechnen.      

 


Startschuss für CIRS


Bei einem Treffen haben kürzlich Vertreter des Gesundheitsministeriums und der Österreichischen Ärztekammer vereinbart, demnächst ein Pilotprojekt für ein neues Fehlermelde- und Lernsystem im Gesundheitswesen zu starten; Ende Juni soll das System testweise freigeschaltet werden. Damit soll allen Mitarbeitern im Gesundheitswesen ermöglicht werden, Beinahe-Fehler und unerwünschte Zwischenfälle anonym zu melden und von Experten kommentieren zu lassen. Entwickelt wurde CIRSmedical – so der Name des Systems – von der ÖÄK unter Berücksichtigung von internationalen Erfahrungen. ÖÄK-Präsident Walter Dorner dazu: „Wir hoffen, dass sich alle im Gesundheitswesen engagierten Berufs- und Interessensgruppen rege beteiligen.“ Gesundheitsminister Alois Stöger begrüßte die „tolle Initiative“ der ÖÄK und sagte sowohl seine Unterstützung als auch diejenige der Experten seines Ressorts zu. Stöger weiter: „Mir geht es vor allem darum, im Sinn der Patienten Grundlagen für die Etablierung eines österreichweiten Fehlermeldesystems zu erarbeiten und die Entwicklung einer Risikokultur im österreichischen Gesundheitswesen zu fördern.“ Auch die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely zeigte sich erfreut von dieser Initiative: „Damit hat die Österreichische Ärztekammer den internationalen Trend aufgegriffen, die Qualitätssicherung im Gesundheitswesen transparent und nachvollziehbar zu gestalten.“

 


Staatssekretär Voss besucht ÖÄK-Präsident Walter Dorner


Nikolaus Voss, Staatssekretär im Ministerium für Soziales und Gesundheit von Mecklenburg-Vorpommern besuchte kürzlich ÖÄK-Präsident Walter Dorner. Anlass dafür ist der enge Kontakt zwischen der Österreichischen Ärztekammer und Mecklenburg-Vorpommern, wo derzeit über Vermittlung des Internationalen Büros der ÖÄK insgesamt 21 österreichische Ärzte tätig sind. Voss zeigte sich „begeistert“ über diese Initiative: „Hier wird jungen Leuten eine Gelegenheit gegeben, eine medizinische Ausbildung zu bekommen.“ Dorner sicherte zu, den Kontakt auch weiterhin aufrecht erhalten zu wollen. 

 


Ernst Chlan verstorben

Der langjährige Kammeramtsdirektor der Wiener Ärztekammer, HR Ernst Chlan, ist am 17. Juni plötzlich und unerwartet im 57. Lebensjahr verstorben. Chlan war seit 1. April 1992 Kammeramtsdirektor der Ärztekammer für Wien. Von 1980 bis 1991 war er im Rechtsbüro der ÖÄK, ab Herbst 1986 als stellvertretender Kammeramtsdirektor tätig.
Chlan war ein exzellenter Jurist in sämtlichen für Ärzte relevanten Rechtsgebieten. Er war einer jener Experten, die sehr besonnen die jeweilige Sachlage juristisch beurteilen und ihre fachliche Expertise mit Nachdruck vertreten. Wer Rat suchte, wurde von ihm unterstützt – immer freundlich, zurückhaltend und sehr bedacht. Die beiden großen Ärzte-Proteste im Vorjahr standen unter seiner organisatorischen Leitung. Darüber hinaus waren ihm als Personalchef der Ärztekammer für Wien nicht nur die beruflichen, sondern auch die persönlichen Anliegen seiner Mitarbeiter wichtig. Ernst Chlan hinterlässt eine Frau und drei Kinder.     

 


Niederösterreich: Markus Lechner ist Ärzte-Anwalt


Den gebürtigen Vorarlberger Markus Lechner hat die Ärztekammer Niederösterreich kürzlich als „niederösterreichischen Ärzteanwalt“ vorgestellt. Lechner sieht seine Aufgabe darin, als Anlaufstelle für kleinere Probleme zu dienen und sofortige erste Hilfestellung zu bieten. Der Jurist war nach seinem Studium an der Universität Innsbruck zuerst Uni-Assistent, ehe er 1997 in die Anwaltstätigkeit wechselte. Er befasst sich seither fast ausschließlich mit Medizinrecht. Der Ärzte-Anwalt steht ab sofort unter aerzteanwaltno@sonicht.arztnoe.at sowie unter 01/53 751/300 für kostenlose Anfragen von Ärzten aus Niederösterreich zur Verfügung.   

 


Lind ist neuer Chef am LKH Klagenfurt


Neuer medizinischer Direktor am LKH Klagenfurt ist Univ. Prof. Peter Lind, Leiter der nuklearmedizinischen Abteilung. Er folgt auf Thomas Koperna, der nach Protesten der Belegschaft in die Kabeg wechseln musste. Die Entscheidung für Lind war an einem „runden Tisch“ gefallen, an dem neben Gesundheits-Landesrat Peter Kaiser auch Kabeg-Vorstand Dieter Errath sowie Aufsichtsrats-Vorsitzender Kurt Scheuch teilgenommen hatten. 

 


ÖÄK zeichnet 40 Lokale für Nichtraucherschutz aus


Für vorbildlichen Nichtraucherschutz in ihren Lokalen erhielte 40 Gastronomen aus ganz Österreich von ÖÄK-Präsident Walter Dorner das Gütesiegel erhalten. Der Ärztepräsident lobte die Gastronomen für ihr klares Bekenntnis zum Nichtraucherschutz und hob besonders die Vorbildwirkung der Gastronomie für die Jugend hervor.  

 


Deutschland: mehr Organspender


Die Zahl der Menschen, die bereit sind, ein Organ zu spenden, steigt in Deutschland langsam, aber stetig. Im Vorjahr hatten bereits 17 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis, im Jahr 2001 waren es nur zwölf Prozent. In Deutschland muss eine Zustimmung zur Organspende deklariert werden. In Österreich dagegen gilt die Widerspruchslösung.

 


Frankreich: Vorbereitet für „Neue Grippe“


Frankreich bereitet sich auf den schlimmsten Fall einer Pandemie mit der „Neuen Grippe“ im kommenden Winter vor. Die Regierung wird 100 Millionen Dosen Impfstoff gegen das Virus A/H1N1 kaufen. Allerdings ist noch nicht klar, wer die Kosten dafür übernimmt: der Staat oder die Krankenkassen. In Frankreich wurden bisher 24 der weltweit mehr als 15.500 bekannten Fälle registriert.



USA: Schach den Film-Rauchern


Die US-amerikanischen Ärzte haben dem Rauchen in Hollywood-Filmen den Kampf angesagt. Sie wollen erreichen, dass Szenen mit Zigaretten genauso bewertet werden wie Sex und Gewalt. Filme, in denen geraucht wird, sollten deshalb erst ab 17 Jahren freigegeben werden. Filmstudios, die junge Leute zum Rauchen verleiten, sollen in Zukunft öffentlich angeprangert werden.

 


Österreich: Schon acht FSME-Fälle


Laut Meldung des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Wien wurden in diesem Jahr bereits acht FSME-Fälle diagnostiziert. In der Steiermark mussten fünf Patienten ins Spital gebracht werden, in Salzburg zwei und im Burgenland einer. Vergangenes Jahr hatte es in Österreich 86 Erkrankungen gegeben, im Jahr 2007 waren es 46.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 12 / 25.06.2009


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