119. Ärztekammertag
Weichenstellungen
Auf Schloss Goldegg in Salzburg fand der 119. Ärztekammertag statt. Im Mittelpunkt standen dabei die Ablehnung des Bakkalaureat-Studiums Medizin, der erfolgreiche Abschluss der Gespräche mit dem Hauptverband sowie die Neuerungen im Bereich der Qualitätssicherung. Von Agnes M. Mühlgassner
In einer Resolution lehnte die Vollversammlung der ÖÄK im Rahmen des 119. Ärztekammertags in Schloss Goldegg (Salzburg) die Einführung eines Bakkalaureat-Studiums an den Medizinischen Universitäten ab. Der Hintergrund: eine Initiative der EU, und zwar speziell aus jenen Ländern, in denen Ärztemangel herrscht. Damit soll eine Abdeckung mit besser ausgebildetem Personal als mit Krankenschwestern erfolgen. Nach wie vor offen: Was darf der „Master med“ im Unterschied zum Dr. med. – und was nicht? „Der Druck für das Bakkalaureatstudium kommt aus Brüssel“, erklärte der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Günther Wawrowsky, bereits in der Kurie.
Die Vollversammlung der ÖÄK plädierte in einer Resolution für eine gesetzliche Regelung, welche die Zweiphasigkeit des Medizinstudiums dezidiert ausschließt und so wie bisher mit dem Abschluss „Dr. med. univ.“ endet. Als Begründung wird u.a. angeführt, dass das Bakkalaureat-Studium zu einer Verknappung von Plätzen für das Medizinstudium führe. Für ein Bachelor-Studium gäbe es keinen Bedarf, der sich in einem konkreten Berufsbild auf dem Arbeitsmarkt niederschlage. Auch in anderen Studien, in denen die Bologna-Kriterien bereits umgesetzt sind, ist mittlerweile große Ernüchterung eingetreten. So verzeichnet man in Deutschland beispielsweise hohe Abbrecherquoten beim Bachelor-Studium. Wie es in der Resolution abschließend heißt, hätte man in 19 europäischen Ländern die Einführung des zweiphasigen Medizinstudiums gesetzlich ausdrücklich untersagt. ÖÄK-Präsident Walter Dorner stellte fest: „Ich habe Minister Hahn schon gesagt, dass es hier von uns keinerlei Zustimmung geben wird.“
Artur Wechselberger, 1. Vizepräsident in der ÖÄK, erklärte, warum der für Ende Mai geplante Start von CIRSmedical, dem Fehlermelde- und Fehlerlernsystem, Verzögerungen gibt: Dies habe sich durch die Kooperation mit dem Gesundheitsministerium und mit dem Bundesinstitut für Qualitätssicherung ergeben. Wechselberger: „Außerdem haben wir nach Anregung von Prof. Conen, der in der Schweiz einige Erfahrung mit solchen Systemen hat, noch einiges geändert.“ So war etwa ursprünglich geplant, allen Bürgern den freien Zugang zu ermöglichen. Dies wird jedoch nur für im Gesundheitssystem Tätige möglich sein. Für CIRSmedical wird es jetzt eine allgemeine Benutzergruppe geben: im Gesundheitswesen Beschäftigte. In einem zweiten Schritt sollen dann Krankenhausabteilungen dazu kommen. Auch diejenigen Abteilungen, die schon ein System haben, können sich dann beteiligen und eingebunden werden.
Ein weiteres Thema: E-Medikation. Bekanntlich wird in Tirol eines der beiden Pilotprojekte (das andere ist in Wien geplant) laufen. Wechselberger forderte, dass die E-Medikation ELGA-kompatibel sein müsse und: „Es muss eine Möglichkeit sein für verschreibende Ärzte, sowohl die niedergelassenen als auch in den Krankenanstalten, auf die vollständige Medikation zurück zu greifen.“ Die Erwartungen, die er mit einem solchen System verknüpfe: Dass die Patientensicherheit erhöht werde und durch eine Reduktion der Doppel-Verordnungen auch ökonomische Vorteile. Alle diesbezüglichen Pilotprojekte sollen über einen Projekt-Lenkungsausschuss, der bereits einmal getagt hat, erfolgen. Nächster Sitzungstermin: September.
Für die Bundeskurie Angestellte Ärzte berichtete deren Obmann Harald Mayer von der regen Aufmerksamkeit, welche die Imagekampagne der Bundeskurie Angestellte Ärzte erzielt hatte. Ebenso groß war das Interesse an der von der Kurie veranstalteten Enquete zum Thema „Vision und Realität der medizinischen Universitäten.“ Zum Kollektivvertrag für Lehrpraktikanten hielt Mayer fest: „Es ist unser dringender Wunsch, den Kollektivvertrag abzuschließen.“ Was nun die Arbeitszeiten und die EU Richtlinie zu diesem Thema anlangt, meinte er, dass es keine Verschlechterung des Status quo bedeute: Bereitschaftszeiten bleiben Arbeitszeiten.
Den Bericht der Bundeskurie niedergelassene Ärzte hielt in Vertretung von Kurienobmann Günther Wawrowsky, der zu dieser Zeit zusammen mit Hans-Jörg Schelling und Minister Alois Stöger das Kassenpapier der Öffentlichkeit präsentierte, sein Vertreter, Gert Wiegele. Hauptthema: Das mit dem Hauptverband in monatelanger mühevoller Arbeit erzielte Übereinkommen. Wiegele verwies vor allem auf den Sideletter, in dem betont wird, dass die Kosten der Sozialversicherungen fremdbedingt sind. Dazu zählen etwa das Wochengeld, das Krankengeld für Arbeitslose, aber auch die Mindererträge durch die Rezeptgebührenbefreiung und die Rezeptgebührenobergrenze. So heißt es in dem Sideletter u.a.: „Die Vertragspartner stellen einvernehmlich fest, dass Grundvoraussetzung für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen eine solide finanzielle Basis der österreichischen Krankenversicherung ist.“ ... „Eine nachhaltige Sanierung der Gebietskrankenkassen ausschließlich über Eingriffe bei Vertragsärzten ist aus Sicht beider Seiten nicht möglich.“ Und weiter: „Im Übrigen stellen Zinszahlungen für Kredite, die zur Schuldenabdeckung und nicht für Investitionen aufgenommen wurden, keine sinnvollen Ausgaben eines Krankenversicherungsträgers dar. Die Ausgaben für Zinsen werden wieder über neue Kredite finanziert. ... Die Schuldentilgung durch den Bund sollte daher zügig fortgesetzt werden.“ Wiegele abschließend: „Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sind die Basis für die weitere Arbeit in den nächsten Wochen und Monaten. Wir werden die Arbeit verstärkt fortsetzen.“
Über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der ÖQMed, der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin, konnte deren Präsidialreferent Otto Pjeta berichten. Insgesamt sind bis dato 17.847 Ordinationen evaluiert und zertifiziert. Parallel dazu sind auch die Evaluierungen der laufend neu eröffneten Ordinationen im Gang. Als weitere Projekte der ÖQMed nannte er die Ausbildung zum Riskmanager im Krankenhaus, Patientenbefragungen sowie das Fehlermelde- und Fehlerlernsystem CIRSmedical. Besonders erfreut zeigte sich Pjeta über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Qualität“ im Rahmen der Arbeitsgruppe mit dem Hauptverband. „Es wird ein partnerschaftliches Modell geben“, so Pjeta. Erstmals hat man sich auch über die Begriffe der Struktur-, Prozess- und Ergebnis-Qualität im Gesundheitswesen geeinigt.
Die Qualitäts-Evaluierung wird künftig gemeinsam mit dem Hauptverband erfolgen; die Umsetzung erfolgt in der ÖQMed. Den Vorsitz im wissenschaftlichen Beirat wird das BIQG (Bundesinstitut für Qualitätssicherung im Gesundheitswesen) inne haben. Die Qualitätssicherungs-Verordnung wird im wissenschaftlichen Beirat erstellt. „Aber“, wie Pjeta betont, „der Beschluss der Qualitätssicherungs-Verordnung erfolgt in der Vollversammlung der ÖÄK.“ Weitere Neuerungen: Die ÖQMed wird künftig auch für die Evaluierung der Ambulatorien und Ambulanzen zuständig sein. Stichwort DMP (Disease Management Programme): Hier werden elf häufig vorkommende Krankheitsbilder gemeinsam definiert. Darauf basierend werden gemeinsam Modelle zur strukturierten Versorgung entwickelt, die vor einem überregionalen Einsatz im Rahmen von Pilotprojekten erprobt werden.
Umfrage: Österreicher stimmen Kassenpaket zu
Die Österreicher sind mit den erzielten Ergebnissen und mit dem Verhandlungsklima rund um das Kassenpaket zufrieden. Laut einer von OEKONSULT durchgeführten Studie sind 81 Prozent der Meinung, dass ein „erkennbarer Verhandlungsfortschritt“ erzielt wurde. Der Bevölkerung ist bekannt, dass das Gesundheitswesen Probleme hat; die Ursachen dafür sind weniger bekannt. 79 Prozent sind der Meinung, dass die Kassensanierung zwar von jedem einen Beitrag abverlangt, aber niemanden mit voller Härte trifft. 88 Prozent sind überzeugt, dass zur Entlastung des Gesundheitswesens verstärkt auf Präventionsmaßnahmen gesetzt werden soll.
Die Studie wurde im Zeitraum von 25. bis 28. Juni 2009 unter 1.031 Österreichern zwischen 15 und 73 Jahren durchgeführt
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2009






