Radiofrequenzablation bei Barrett-Ösophagus
Ablation als Krebs-Prävention
Einer von zehn Betroffenen mit einem Barrett-Ösophagus entwickelt innerhalb von 20 Jahren ein Speiseröhrenkarzinom. Mit Hilfe der Radiofrequenzablation können suspekte Schleimhautareale zerstört werden. Von Sabine Fisch
Rund 25 Prozent aller Patienten mit Symptomen der gastroösophagealen Refluxkrankheit und zwischen 13 und 15 Prozent aller asymptomatischen Personen weisen eine Vorstufe des Speiseröhrenkarzinoms, den Barrett-Ösophagus, auf. Einer von zehn Betroffenen mit Barrett-Ösophagus entwickelt in 20 Jahren ein Speiseröhrenkarzinom. Seit Oktober 2008 wird im AKH eine neue Methode der Entfernung dieser Krebsvorstufe angeboten (die ÖÄZ berichtete in ihrer Ausgabe 20/2008 darüber) Der Eingriff erfolgt im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung der Speiseröhre. Univ. Prof. Martin Riegler vom Wiener AKH erklärt dazu: „Ein Ballon, der an seiner Oberfläche mit Elektroden bestückt ist, wird in die Speiseröhre eingebracht und an Ort und Stelle aufgeblasen. Die Elektroden kommen mit der Schleimhaut in Kontakt und veröden die erkrankte Schicht.“ Mit der Radiofrequenz-Ablation wird nur die Schleimhaut zerstört, nicht aber tiefer liegende Wandschichten. Meist sind zwei oder drei Sitzungen erforderlich, um alle erkrankten Schleimhaut-Areale zu entfernen. Die Funktion der Speiseröhre wird dabei nicht beeinträchtigt. Nach der Ablation erhält der Patient eine medikamentöse Behandlung mit Protonenpumpenhemmern.
Zur adäquaten Untersuchung der Speiseröhre wurde darüber hinaus vom GERD-Center ein neues Biopsieprotokoll erarbeitet. Damit soll künftig exakt festgestellt und monitiert werden, wo in der Speiseröhre Probleme vorliegen und wie diese allenfalls zu therapieren sind. Dazu werden – im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung rund um den Mageneingang an zwölf Stellen Biopsien entnommen. Auch der histopathologischen Aufarbeitung der Biopsate kommt eine immer größere Rolle zu. „Wir haben nun eine sehr klare, einfach zu reproduzierende histologische Klassifikation, die es uns ermöglicht, das Biopsat eindeutig der Speiseröhre zu zuordnen, sowie das Krebsrisiko genau bestimmen zu können“, erläutert Martin Riegler. Charakteristisches Merkmal einer solchen Risikosituation ist in erster Linie der Nachweis von Schleimzellen (Becherzellen), wie sie unter normalen Verhältnissen im Dünndarm vorkommen. Weiters kann mit Hilfe der Histopathologie eine genaue Bestimmung der Länge des betroffenen Ösophagussegments erfolgen.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2009




