ÖÄZ 13/14 - 15.07.2009Umfrage in Niederösterreich: Patienten wollen ärztliche Hausapotheken!

Umfrage in Niederösterreich


Patienten wollen ärztliche Hausapotheken!


Gerade in ländlichen Gebieten ist eine unkomplizierte Medikamenten-Versorgung das Um und Auf im Interesse der Patienten – ein Plädoyer für ein duales System ohne Wenn und Aber.
Von Ruth Mayrhofer

Einer internen Erhebung der Ärztekammer für Niederösterreich zufolge sind mehr als 100 Hausapotheken-Standorte in diesem Bundesland aufgrund der aktuellen Gesetzeslage gefährdet. Dies wird dazu führen, dass zahlreiche ärztliche Hausapotheken bei einer Praxisübergabe nicht weiter betrieben werden können, obwohl keine zusätzliche öffentliche Apotheke ihren Dienst aufnimmt. Niederösterreich ist durch seine ländliche Struktur von der herrschenden Sachlage besonders stark betroffen. Die Ärztekammer für Niederösterreich wollte daher wissen, wie die Menschen in Niederösterreich auf diese Situation reagieren und befragte im Juni 2009 insgesamt 120 Patienten von ausgewählten Hausarztpraxen. Hierbei handelt es sich um Ärzte, welche die Bewilligung zur Führung einer ärztlichen Hausapotheke zwischen 1999 und 2004 verloren haben. Die Versorgung der Patienten dieser Ärzte mit rezeptpflichtigen Medikamenten wurde also vor einigen Jahren von ärztlicher Hausapotheke auf öffentliche Apotheke umgestellt. Diese Patienten sind somit in der Lage, einen objektiven Vergleich zwischen den verschiedenen Versorgungssituationen zu sehen.

Befragungsmodus

Die Befragung wurde in zwei Untergruppen aufgeteilt: zum einen in Patienten in Gemeinden, die derzeit weder eine ärztliche Hausapotheke noch eine öffentliche Apotheke haben, weil die Hausapotheke wegen einer öffentlichen Apotheke in einer Umlandgemeinde schließen musste („Befragungsgruppe A“), zum anderen in Patienten in Gemeinden, in denen die ärztliche Hausapotheke durch die Neueröffnung einer öffentlichen Apotheke im selben Ort schließen musste („Befragungsgruppe B“). Die Befragung wurde anonym und schriftlich durchgeführt.

Insgesamt sprechen die Ergebnisse dieser Umfrage Bände: 87,8 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, dass sich durch den Wegfall der ärztlichen Hausapotheke im jeweiligen Wohnort die Versorgungslage mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln „sehr“ (50,4 Prozent) beziehungsweise „eher“ (37,4 Prozent) verschlechtert hätte. Auch eine Verzögerung der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten wurde beobachtet, weil entweder die öffentliche Apotheke keinen Dienst versah (25,2 Prozent) beziehungsweise diese das verordnete Arzneimittel nicht lagernd hatte (54,8 Prozent).

98,3 Prozent der befragten Patienten erachten es als sinnvoll, dass Medikamente, die in einer Ordination verabreicht werden (zum Beispiel Impfungen) auch in einer Ordination abgegeben werden können. Mit 96,5 Prozent sprachen sich die Befragten deutlich dafür aus, dass bei einem Hausbesuch der Arzt die notwendigen Arzneimittel mitbringen darf. Und last but not least befinden insgesamt 94,8 Prozent der Befragten, dass sich im Rahmen eines dualen Systems (= Arzt und Apotheke dürfen Arzneimittel abgeben) ihre Situation „sehr“ (73,9 Prozent) beziehungsweise „eher“ (20,9 Prozent) verbessern würde.

Der Wegfall der Hausapotheken bedeutet eine nicht weg zu diskutierende Schlechterstellung der Landbevölkerung. Gerade ältere Menschen, Personen ohne Auto oder Kranke, zu denen der Arzt auf Visite kommt, wollen kein Rezept, das sie in einer Apotheke einlösen müssen. Sie wollen und brauchen ihre Medikamente sofort aus der Hand des Arztes, um ohne Umwege und so rasch als möglich mit der Therapie beginnen zu können. Die ärztliche Hausapotheke ist eben „am nächsten“ beim Patienten.

Wie die Ärztekammer Niederösterreich festhält, ist die „Institution Hausapotheke“ in ländlichen Regionen die beste und zugleich auch die preiswerteste Form der Medikamenten-Abgabe. Diese Umfrage belegt somit eindrucksvoll, dass nach Schließen von Hausapotheken ein unerwünschter Mehraufwand für die Bevölkerung entsteht, die Versorgungssituation sich deutlich verschlechtert, eine deutliche Mehrheit der Landbevölkerung gegen das Schließen von ärztlichen Hausapotheken plädiert, und sie sich gleichzeitig ein duales System mit Niederlassungsfreiheit von ärztlichen Hausapotheken und öffentlichen Apotheken ohne Gebietsschutz wünscht.


© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2009


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