ÖÄZ 13/14 - 15.07.2009Wiener Gebietskrankenkasse - Franz Bittner

Wiener Gebietskrankenkasse


Bittner nahm den Hut


Franz Bittner, zwölf Jahre lang Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, zieht sich zurück und geht in die Privatwirtschaft.
Von Kurt Markaritzer

Als Vorsitzender der Trägerkonferenz im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger war Bittner eine der Schlüsselfiguren der österreichischen Gesundheitspolitik. Dementsprechend war die Rückschau auf seine Tätigkeit bei einer Pressekonferenz auch ein Rückblick auf wesentliche Ereignisse, die das heimische Gesundheitssystem beeinflusst haben.


Das Spektrum reicht von der Einführung der E-Card über die Koordination von Ausgleichsfonds bis zu einem Medikamentenpaket, das sozialpartnerschaftlich mit der Pharmawirtschaft ausverhandelt wurde und der Versichertengemeinschaft bis 2010 Einsparungen von 120 Millionen Euro bringt. Als Erfolg wertet Bittner auch die Abschaffung der Ambulanzgebühr und die Verhinderung der Idee, die Pflichtversicherung im Gesundheitssystem abzuschaffen.


Für die Zukunft forderte der scheidende Obmann ein Umdenken der Entscheidungsträger in Politik und Sozialversicherung: „Sie müssen erkennen, dass das Gesundheitswesen nicht über Leistungskürzungen und Einsparungen zu konsolidieren ist. Ohne Reform der Einnahmenbasis geht sich die Rechnung für ein ausgeglichen gebarendes, qualitativ hochwertiges und bedarfsgerechtes Gesundheitswesen nicht aus. Deshalb plädiere ich für eine stärker steuerfinanzierte Schiene in einem sonst beitragsfinanzierten System.“ Natürlich sollte man die Effizienz des derzeitigen Mitteleinsatzes stärken. Ansätze dafür sieht Bittner bei Medikamenten und Untersuchungen. Seine Ansicht: „Viele Menschen werden durch zu viele Medikamente erst richtig krank, Tausende Röntgenbilder und Laborparameter sind unnötig und bringen keinen Mehrwert.“


Die Wiener Gebietskrankenkasse hat bekanntlich das höchste Defizit aller Kassen. Die Schuld daran sieht Bitter aber nicht in den eigenen Reihen, sondern bei der Politik: „Sie ist manchmal nicht nur inkonsistent in ihren Konzepten, sie fordert auch ständig das Herbeiführen von Wundern. Die sozialen Krankenkassen sollen mit dem Geld für einen Skoda den Versicherten einen Porsche vor die Tür stellen. Wenn das nicht funktioniert, wird man dann schnell in die ,Misswirtschafterecke’ gestellt.“


In seinem künftigen beruflichen Leben wird sich Bittner nicht mit solchen Vorgaben herumschlagen müssen. Er wechselt in die Privatwirtschaft und wird geschäftsführender Gesellschafter des neu gegründeten Unternehmens „Peri Human Relations“, das sich Beratungsaufgaben im Gesundheitswesen widmen wird.


Die Entscheidung über seine Nachfolge in allen Funktionen dürfte einige Zeit dauern. Der erste Schritt ist die Nominierung eines Nachfolgers als Kassenvorstand durch den ÖGB-Bundeskongress Ende Juli. Der dann vollzählige Vorstand der Wiener Gebietskrankenkasse wählt dann voraussichtlich im September den neuen Obmann. Dieser vertritt in Folge die WGKK in der Trägerkonferenz, die ebenfalls im Herbst ihren neuen Vorsitzenden bestimmt.


Bittner fand bei seiner Abschiedspressekonferenz nicht nur viele anerkennende Worte für seine Mitarbeiter in der Gebietskrankenkasse, sondern auch für die Partner in der Politik und auf Seiten der Ärzteschaft. Namentlich erwähnte er ÖÄK-Präsident Walter Dorner und den Wiener Ärztekammer-Vizepräsidenten Johannes Steinhart.


Der scheidende Obmann konnte sich seinerseits über viele respektvolle Bewertungen seiner Leistungen freuen. So lobte Präsident Dorner, Bittner sei ein „harter aber fairer Partner“ gewesen: „Er hat auf jeden Fall eine Würdigung verdient – auch wenn wir als Verhandlungspartner nicht immer einer Meinung waren.“ Steinhart hob als „einen von vielen gemeinsamen Erfolgen“ die Schaffung des österreichweit einzigartigen Modells der Gruppenpraxen hervor. Mit den bisher eingerichteten 40 Gruppenpraxen in Wien werde man dem Bedürfnis der Patienten nach längeren Ordinationszeiten gerecht. Bittners Engagement im aktuellen gemeinsamen Projekt „Wundmanagement“, in dessen Rahmen eine Schnittstelle zwischen ambulanten und niedergelassenen Bereich geschaffen werde, habe „die soziale Ader des Obmanns“ verdeutlicht. 

 


© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2009   


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