ÖÄZ 23/24 - 15.12.2009Hofmobiliendepot: „Wiener Wohnen“ in der Zwischenkriegszeit

Hofmobiliendepot: Wohnen zwischen den Kriegen


Gemütlich in Wien


Wie wohnte es sich in Wien in der Zwischenkriegszeit? Ganz unterschiedlich - je nachdem, welchen Architekten man beauftragte. Im Hofmobiliendepot begibt man sich mit Hilfe einzelner Objekte und zahlreichen Dokumentarmaterials auf die Spuren des „Wiener Wohnens“ in der Zwischenkriegszeit.
Von Renate Wagner  

Der Erste Weltkrieg hatte mit der Monarchie auch einen Gutteil von deren Pomp weggespült. Die „Moderne“ kam und befasste sich auch mit dem Wohnen. In Deutschland gab das „Bauhaus“ den Stil an - in Österreich nicht. Das Hofmobiliendepot hat für seine Ausstellung acht Wiener Wohnungen, wie sie zwischen 1914 und 1941 von prominenten Wiener Architekten für ein stilbewusstes Bürgertum eingerichtet wurden, „nachgestellt“. Natürlich handelt es sich dabei oft nur um ein Stück, im besten Fall um mehrere (die Schlafzimmer-Möbel, die Wilhelm Foltin für seine Gattin 1922 entwarf, sind komplett vorhanden), aber die Ausstellungsarchitekten haben es geschafft, auch mit Hilfe farblicher Orientierung doch das Gefühl von „Räumen“ zu schaffen. Die Besucher können auch noch in Fotoalben blättern und an den Wänden reichlich niedergeschriebene Information in sich aufnehmen.

Das „Wiener Wohnen“ war also in den gewählten Beispielen nicht Bauhaus- streng und auch nicht auf starre Repräsentation ausgerichtet. Es ging darum, sich in den eigenen vier Wänden wohl zu fühlen. Dabei hat man nicht nur bei Stoffen und ihren Mustern durchaus zu Verspieltem gegriffen und bei den Sesseln für Bequemlichkeit gesorgt. Lampen waren oft als Dekorationselemente eingesetzt. Obwohl das Formgefühl sich teilweise zur neuen Schlichtheit hin orientierte, gab es doch auch Rückblicke auf die Ornamente der Wiener Werkstätte oder gar auf Opulenteres, wobei edles Handwerk (etwa Holzintarsienarbeiten) ebenso zu finden sind wie exquisite, künstlerisch gedachte Formen in der Möbelgestaltung.

Die Ausstellung stellt dies aber nicht sachlich, sondern gänzlich „persönlich vernetzt“ vor den Besucher hin. Gleich wichtig sind die Architekten wie auch die Bewohner, die diese Wohnungen in Auftrag gaben. Von den acht prominenten Architekten waren fünf Juden: Oskar Strnad starb 1935, alle anderen mussten in die Emigration - Josef Frank nach Schweden, Ernst Plischke nach Neuseeland, Walter Loos nach Argentinien, Felix Augenfeld in die USA. Und auch mehrere der Wohnungsinhaber waren Juden - da erinnert die Ausstellung an nicht weniger als 70.000 „arisierte“ Wohnungen in Wien während der nationalsozialistischen Ära.

Ein wichtiges Kapitel gilt dem sozialen Wohnbau, um den man sich damals kümmerte. Es gab wenig Geld und wenig Platz, also war der Einfallsreichtum der Architekten gefordert. Margarete Schütte-Lihotzky hat für die kleinen Häuser, die sich Leute im Rahmen der „Siedlerbewegung“ bauten, etwa die optimale Ausnützung einer „Wohnküche“ entworfen. Franz Schusters „Die eingerichtete Kleinstwohnung“ von 1927 griff u.a. auf Einbauschränke zurück, um möglichst wenig Platz ungenützt zu lassen. So wird ein Blick auf das Wohnen zu einem Stück Kultur- und Sozialgeschichte einer Epoche, von den mannigfaltigen künstlerischen Gesichtspunkten ganz zu schweigen.


Was, Wann, Wo:


„Wohnen zwischen den Kriegen“
Bis 14. Februar 2010
Di - So 10 - 18 Uhr
Hofmobiliendepot • Möbel Museum Wien
Andreasgasse 7, 1070 Wien
Tel.: +43 (0) 1/524 33 57
info@hofmobiliendepot.at


© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2009   


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