neu & aktuell - Medizinische Kurzmeldungen (15.12.2009)
Anti-Depressivum steigert weibliche Libido
Der als Anti-Depressivum konzipierte Wirkstoff Flibanserin eignet sich, um die weibliche Libido zu steigern, wie eine US-amerikanische Untersuchung von John Thorp an 2.000 Frauen vor den Wechseljahren ergab. Die Substanz, die gegen Depressionen keine Wirkung zeigte, wird derzeit nur in klinischen Versuchen eingesetzt und wirkt laut Thorp „auf das Gehirn“.
APA/AFP
Schmerzmittel vermindern Wirkung der Grippeimpfung
Richard Phipps von der Universität Rochester warnt vor einem Einsatz von gängigen Schmerzmitteln wie Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol in Kombination mit der Grippeimpfung. Die Präparate, die gegen die Nebenwirkungen der Vakzine helfen sollen, könnten die Fähigkeit der B-Lymphozyten des Immunsystems, Antikörper zu produzieren, beeinflussen.
APA
Kindliche Essgewohnheiten entstehen früh
Anhand der Essgewohnheiten von 120 achtjährigen schwedischen Schülern ermittelten die Forscher der Universität Göteborg, dass sich die Vorlieben der Kinder beim Essen kaum ändern. Schon im Alter von vier Jahren wurde die Kost der Kinder dokumentiert. Ebenso waren Kinder, die fettreiche Milch zu sich nahmen, um rund vier Kilo leichter als ihre Milchverweigernden Klassenkollegen.
APA
Asthmafälle unter 9/11-Helfern verdoppelt
Die Anzahl der Asthmaerkrankungen hat sich unter den Helfern, die nach den Terroranschlägen auf die Twin Towers vom 11. September 2001 im Einsatz waren, verdoppelt. Laut den Wissenschaftern ist dafür vor allem der Kontakt mit Asbest verantwortlich. Von den 20.843 untersuchten Helfern leiden heute mehr als acht Prozent an Asthmaanfällen.
APA/American College of Chest Physicans
Sterberisiko bei Depression ähnlich wie Rauchen
Eine norwegische Studie, die an mehr als 61.000 Menschen durchgeführt wurde, kommt zum Ergebnis, dass Depression das Sterberisiko ähnlich wie Rauchen steigert. In einem Zeitraum von vier Jahren konnte bei den depressiven Studienteilnehmern eine fast genauso hohe Sterblichkeit wie bei Rauchern beobachtet werden. Depressive Menschen, die sich außerordentlich ängstlich beziehungsweise wenig ängstlich zeigten, waren besonders von der erhöhten Mortalität betroffen, im Gegensatz zu den Patienten mit einer Depression, die eine nur leicht erhöhte Ängstlichkeit aufwiesen. In letzterem Fall konnte ein geringeres Sterberisiko nachgewiesen werden. Studienleiter Robert Stewart dazu: „Eine der Botschaften dieser Studie lautet, dass ein wenig Ängstlichkeit auch gut sein könnte.“ Bei sehr ängstlichen Menschen könne der Körper besonders anfällig auf Stress reagieren; wer dagegen überhaupt nicht ängstlich sei, suche bei gesundheitlichen Problemen möglicherweise zu spät ärztliche Hilfe. Die Empfehlung des Wissenschafters: Menschen mit psychischen Störungen sollten besonders genau auf Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Cholesterin, Bewegungsmangel oder ungesunde Ernährung untersucht werden.
APA/The British Journal of Psychiatry
Geburtsdefekte durch Harnwegsinfekt-Antibiotika
Mitarbeiter der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDCP untersuchten den Einsatz von Antibiotika in der Schwangerschaft bei 18.000 werdenden Müttern und die Auswirkungen auf die Neugeborenen. Rund 30 Prozent der Studienteilnehmerinnen nahmen kurz vor Beginn oder während der Schwangerschaft – besonders häufig im dritten Monat - Antibiotika ein. 15.000 Frauen brachten darauf hin ein Kind mit einem Geburtsfehler zur Welt. Während Penicilline, Erythromycine und Cephalosporine das Risiko für viele Geburtsfehler nicht steigert, ist der Einsatz von Sulfonamiden und Nitrofurantoin, die vor allem bei Harnwegsinfekten verordnet werden, als sehr bedenklich einzustufen. Diese Substanzen erhöhen laut den Aussagen der Forscher die Wahrscheinlichkeit für mehrere Geburtsdefekte erheblich.
APA/Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine
Vitamin D-Mangel steigert Herzinfarktrisiko
Besonders Menschen über 50, die unter einem Vitamin D-Mangel leiden, weisen einer Studie des Intermountain Medical Centers (IMC) in Salt Lake City zufolge ein erhöhtes Herzinfarktrisiko auf. Das Fehlen dieses Vitamins steigert laut Studienergebnissen die Gefahr eines Schlaganfalls um 78 Prozent, die Sterblichkeit um 77 Prozent und erhöht das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen um 45 Prozent. Die Forscher analysierten mehr als ein Jahr lang die Daten von 27.686 Menschen über 50 Jahren ohne vorangegangene Herzkrankheiten. Dazu Brent Muhlestein, Leiter des IMC: „Wir haben herausgefunden, dass bei über 50-Jährigen selbst ein geringer Mangel an Vitamin D mit Herzkrankheiten, Herzschwäche, Schlaganfällen und einem erhöhten Sterberisiko zusammenhängt“. Da die Studie ausschließlich auf der Beobachtung von Patienten beruhe, erlaube sie keine sicheren Aussagen über den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Herzerkrankungen. Allerdings seien die Ergebnisse ein „guter Grund“, weiter zu forschen.
APA
Weichmacher stören männliche Hirnentwicklung
Weichmacher wie DEHB (Diethyl-hexyl-Phthalat) oder DBP (Dibutyl-Phthalat), die vor allem in Kosmetika, Lebensmittelverpackungen und anderen Gebrauchsgegenständen oft enthalten sind, beeinflussen einer Studie zufolge die Hirnentwicklung von männlichen Föten negativ. Zu diesem Schluss kamen Mediziner der Universitätsklinik Rochester, die den Urin von 140 Schwangeren in der 28.Schwangerschaftswoche auf Phthalate untersuchten. Einige Jahre später wurden die Frauen zu den Spielgewohnheiten ihrer Kinder befragt: Söhne der stark belasteten Frauen entwickelten ein weiblicheres Spielverhalten als der männliche Nachwuchs von weniger belasteten Müttern. Vermehrtes Puppenspiel bei Buben tritt deshalb auf, weil Weichmacher ähnlich wie weibliche Sexualhormone wirken. Bei Mädchen zeigten sich allerdings keine Auffälligkeiten. Studienleiterin Shanna Swan vermutet, dass die Weichmacher großteils durch die Nahrung aufgenommen werden. Im Vorjahr hatte die US-amerikanische Regierung sechs Phthalate aus Kinderspielzeug verbannt.
APA/International Journal of Andrology
Migräne erhöht Schlaganfallrisiko
Regelmäßige Migräneattacken steigern das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall um den Faktor 2,3. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der John Hopkins Universität in Baltimore, die insgesamt 21 Studien mit mehr als 620 000 Teilnehmern auswerteten. Eine besondere Rolle spielt die Migräne-Aura: Sie erhöht das Risiko für einen Insult um den Faktor 2,5; bei Frauen sogar um das Dreifache. Studienleiter Saman Nazarian rät Betroffenen, die bekannten Risikofaktoren für einen Schlaganfall wie etwa Rauchen, Bluthochdruck, Hormonersatztherapie oder die Einnahme der Antibabypille zu vermeiden.
APA
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2009




