ÖÄZ 23/24 - 15.12.2009Spitalsärzte in Salzburg - Fachärztemangel droht

Spitalsärzte in Salzburg


Fachärztemangel droht


Um mehr als 27 Prozent ist die Zahl der stationären Aufenthalte in Salzburg zwischen 2003 und 2008 gestiegen; ähnlich die Entwicklung im Bereich der ambulanten Behandlungen. Dazu kommt noch der drohende Fachärztemangel in Salzburg.

Von Kurt Markaritzer   


Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den Salzburger Landeskliniken sind die Patientenzahlen in den letzten Jahren enorm angestiegen. Wurden im Jahr 2003 noch 74.016 stationäre Aufenthalte von Patienten gezählt, so waren es im Vorjahr bereits 93.801; das entspricht einer Steigerung um mehr als 27 Prozent. Auch die Statistik der ambulanten Behandlungen weist eine enorme Zunahme auf, sie stieg zwischen 2003 und 2008 um 53 Prozent auf 835.505 an.

„Unter diesen Bedingungen wird die Belastung für das ärztliche Personal in unseren Spitälern immer ärger“, kommentiert Jörg Hutter, Obmann der Kurie angestellte Ärzte in der Salzburger Ärztekammer, die nüchterne Statistik. „Das ist auch das zentrale Problem, mit dem wir zu kämpfen haben: Die Patientenzahlen steigen und zugleich nehmen die bürokratischen Aufgaben der Ärzte zu. Sie haben deshalb immer weniger Zeit, um immer mehr Patienten zu betreuen.“ Dazu kommt, dass in Salzburg der Altersdurchschnitt der Spitalsärzte ständig höher wird.

Neuerdings werden die Ärzte in Salzburg wenigstens vor überlangen Arbeitszeiten geschützt. Hutter: „Das Arbeitsinspektorat kontrolliert die Landeskliniken jetzt schärfer. Bisher gab es noch keine Geldstrafen, sondern nur eine Abmahnung. Die Arbeitsinspektoren lassen aber keinen Zweifel daran, dass in Zukunft abgestraft wird, wenn es zu Überschreitungen des Arbeitszeitgesetzes kommt.“ Die verschärften Kontrollen ändern aber am grundsätzlichen Problem nichts: dass die Ärzte in ihrer Dienstzeit immer mehr Aufgaben erledigen müssen, ohne dass geprüft wird, ob wirklich sie selbst für diese Tätigkeiten herangezogen werden müssen. Jörg Hutter: „Wir verlangen, dass alle Anforderungen an uns evaluiert werden, so wie das bei anderen Berufsgruppen üblich ist. Wenn das geschieht weiß man, welche Tätigkeiten wirklich nur ein Arzt erledigen darf und was auch von anderen Spitalsbediensteten geleistet werden könnte.“

Der Kurienobmann nennt ein konkretes Beispiel: „Wir haben im Spital ein elektronisches Medikamenten-Kontrollprogramm. Da ist eine gute Sache, aber wenn man die Daten mit der nötigen Sorgfalt in den Computer eingibt, braucht man dafür pro Patient fünf Minuten. Bei 50 Patienten sind das mehr als vier Stunden am Tag, die für dieses Detail aufgewendet werden müssen – und keiner hat überlegt, wo die Ärzte diese Zeit hernehmen sollen, geschweige denn, dass man an eine Aufstockung des Personals gedacht hätte!“

Außerdem sind die Arbeitsbedingungen für Spitalsärzte nicht familienfreundlich. Hutter: „Eine Gehaltsreform hat in Salzburg zwar leichte Verbesserungen gebracht. Aber noch immer beziehen die Ärzte die Hälfte bis zwei Drittel ihres Einkommens aus Nacht- und Wochenenddiensten. Auf das Geld können und wollen viele nicht verzichten, also nehmen sie die Extra-Arbeitszeit in Kauf und verlieren dafür Lebensqualität.“

Grund zur Unzufriedenheit gibt es auch bei Neueinstellungen von Fachärzten. Wenn sie nicht aus einer der Landeskliniken sondern von außen kommen, werden ihnen bei Dienstantritt nur 60 Prozent der Vordienstzeiten angerechnet – und diesen Einkommensnachteil holen sie in ihrem Berufsleben nicht mehr auf. Deshalb verzichten viele auf eine Stelle im Spital und werden lieber niedergelassene Ärzte. Dazu werden die Spitalsärzte mit den Verantwortlichen noch Gespräche führen, um eine notwendige Änderung zu bewirken, die einen drohenden Fachärztemangel verhindern kann. Hutter: „Es ist in manchen Fächern schwierig, Fachärzte zu bekommen und womöglich noch bedenklicher ist, dass sich nur wenige Jungärzte für eine Ausbildung in diesen Fächern interessieren. Diese Entwicklung gefährdet auf Dauer die Versorgung der Patienten, denn das fehlende Kontingent an Fachärzten wird man nicht so schnell heranbilden können.“ Das Problem betrifft besonders Spitäler in Randlagen wie beispielsweise in Tamsweg, wo viele Fachärzte von außerhalb Österreichs geholt werden mussten, weil sich keine einheimischen Mediziner gefunden haben.


© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2009


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