Standpunkt - Präs. Walter Dorner
Auf ein Wort!
Am Anfang war das Versprechen. Nämlich jenes, das wir Ärzte – noch bevor wir unsere ärztliche Tätigkeit aufnehmen – am Tag der Promotion ablegen. Diesem Eid des Hippokrates fühlen wir Ärzte uns ein Leben lang verpflichtet.
Wie wir Ärzte uns insgesamt in besonderer Weise an Versprechen gebunden fühlen – auch aufgrund des Behandlungsvertrages, der in jedem einzelnen Fall zwischen Arzt und Patient abgeschlossen wird und der daraus resultierenden besonderen Beziehung.
Es ist Teil unseres Berufsethos, Teil unseres Selbstverständnisses, aber auch Teil der Kultur, wie wir mit unseren Patienten umgehen, welchen Stellenwert wir ihnen beimessen und welchen Respekt wir ihnen zollen – gerade in Anbetracht des Abhängigkeitsverhältnisses – oder vielleicht gerade deswegen. Ärzte als Vertragspartner sind verlässlich. Ihr Wort gilt. Das sollte auch für alle anderen Bereiche des Lebens gelten: Wenn man etwas vereinbart, muss man sich daran halten – für uns Ärzte eine Selbstverständlichkeit.
Aber Versprechen ist nicht gleich Versprechen – wie wir es zur Zeit wieder einmal erleben müssen. Denn schon vor zwei Jahren hat man versucht, uns auszutricksen. Auch damals hat die Politik versucht, etwas, was paktiert war, nicht einzuhalten. Die Vertreter aus Politik und Wirtschaft bescheren uns derzeit ein sehr unerfreuliches Déjàvu-Erlebnis bei ihrem Ansinnen, die Ärzte-GmbHs zu verhindern.
Woher nehmen eigentlich die Angehörigen einer anderen Berufsgruppe das Recht, sich in ureigenste ärztliche Angelegenheiten einzumischen? Wir Ärzte tun dies ja auch nicht – weder bei Architekten, Juristen oder Steuerberatern. Aber die Vertreter der Wirtschaftskammer fühlen sich bemüßigt, hier permanent Meinungen und Positionen nach außen hin zu melden, die – milde gesagt – niemanden interessieren; uns Ärzte jedenfalls sicher nicht.
Seit 14 Jahren wollen wir, dass die gesetzlichen Grundlagen für den Zusammenschluss und die Zusammenarbeit von Ärzten geschaffen werden – und man vertröstet uns von Jahr zu Jahr. Seit mehr als zehn Jahren gibt es schon entsprechende Entwürfe von Juristen der Österreichischen Ärztekammer, die man ungeschaut als Gesetz übernehmen hätte können. Was passiert? In letzter Minute gibt es betriebsame Hektik im Gesundheitsministerium; man sei mit der Legistik noch nicht so weit, heißt es von höchster Stelle. Was für mich allerdings nur schwer nachvollziehbar ist: Denn die Einführung der Ärzte-GmbHs war zwangsläufig immer an die Umsetzung des Kassensanierungspakets gebunden. Kommen die Ärzte-GmbHs nicht, sehen wir keinen Anlass, uns an alle sonstigen Vereinbarungen, die im Rahmen dieses Kassenpakets getroffen wurden, zu halten.
So wie diese Vereinbarung paktiert wurde – also mit den Ärzte-GmbHs – so soll es auch kommen. Darauf muss man einfach vertrauen können.
In typisch österreichischer Manier larviert man von einer halbherzigen Lösung zur nächsten; bis sich niemand mehr daran erinnert und das Provisorium gelebte Realität ist – ich denke an die mehr als lasche Haltung des Gesundheitsministers zum sogenannten Nichtraucherschutz.
Ich vermisse das Fehlen der Geradlinigkeit in der Politik und bei ihren Vertretern. Ein Handschlag gilt nicht mehr, ein Wort wird nicht gehalten, so, als ob es nie gegeben worden wäre oder als ob es nie gegolten hätte.
Bei uns Ärzten gilt das Wort noch: Wenn wir etwas versprochen haben, stehen wir auch dazu.
Ein gesegnetes Weihnachtsfest, eine erholsame Zeit sowie einen guten Start ins Neue Jahr wünscht Ihnen
Ihr Walter Dorner
Präsident der Österreichischen Ärztekammer
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2009




