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ArchivÖÄZ 3 - 10.02.2009

Bewertung von Metabolic Balance


Originalarbeit


Basierend auf Blutwerten wird „Metabolic Balance“ als ganzheitliches Stoffwechsel-Programm angepriesen und verspricht eine individuelle Ernährung. Da Metabolic balance jedoch auf keinem wissenschaftlich gesicherten Konzept basiert, kann diese Kostform nicht empfohlen werden.

Von Alexandra Kreissl und Kurt Widhalm*

Das Stoffwechselprogramm metabolic balance® stammt ursprünglich aus den USA und wurde laut Dr. med. Wolf Funfack in Zusammenarbeit mit Ärzten, Ernährungswissenschaftern und Informatikern entwickelt. Das Prinzip besteht mehr oder minder ausschließlich darin, den Insulinspiegel niedrig zu halten, indem einfache Kohlenhydrate vermieden und eine eiweißreichere Kost angestrebt wird. Die niedrige glykämische Last soll nach Funfack vor der „Insulin- oder Stoffwechselfalle“ schützen und dadurch soll ein gesunder Stoffwechsel erzielt werden. Für das Konzept gibt es weder wissenschaftliche Studien noch Berichte, die repräsentativ sind.


Der Ablauf wird untergliedert in:

  • Vortrag, Gespräch, Buch
  • Labor
  • Ernährungsplan
  • Ernährungsphasen


Die Grundlagen von metabolic balance®:

  • Täglich drei Mahlzeiten
  • Jede Mahlzeit mit Eiweiß beginnen
  • Fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten
  • Die letzte Mahlzeit vor 21 Uhr
  • Täglich mindestens zwei Liter Wasser trinken


Das metabolic balance®-Konzept ist ein Vier-Phasen-Programm:

  • Vorbereitungsphase
  • Strenge Umstellungsphase
  • Gelockerte Umstellungsphase
  • Erhaltungsphase



Wissenschaftliche Bewertung:


1) In der Vorbereitungsphase kommt es zur Erstellung eines „individuellen Ernährungsplanes“ mit Hilfe eines Computerprogramms.


Laut Autoren wird nach einem Beratungsgespräch, zur Ermittlung der Anamnese, Blut abgenommen. Basierend auf den Blutwerten wird laut Konzept eine „individuelle Lebensmittel-Liste“ mit Hilfe des Metabolic-Balance-Computerprogrammes erstellt. Die Phase soll zwei Tage andauern, in der sich der Körper angeblich auf die Ernährungsumstellung vorbereitet.

Die Blutuntersuchung muss in den meisten Fällen privat bezahlt werden und ist in der Beratung nicht inkludiert. Falls sie doch inkludiert ist, ist man an einen Arzt gebunden, der empfohlen wird. Es scheint, als ob alle Daten, auch wenn Patienten aus Österreich kommen, zur metabolic balance® GmbH nach Deutschland zur Auswertung geschickt werden. Bei abweichenden Blutwerten wird darauf hingewiesen, die Ernährungsumstellung mit dem betreuenden Arzt oder der Diätologin zu besprechen. Da stellt sich die Frage, wo man geschultes Personal ansprechen kann, wenn die Auswertung der Daten nicht im eigenen Land vorgenommen wird, und des Weiteren keine Fachkräfte in dieser Branche zu finden sind. Die Behauptung, dass medizinisches Fachpersonal im Team vertreten ist, konnte beim Recherchieren nicht bestätigt werden. Weder diplomierte Ernährungswissenschafter oder Diätologen sind vertreten. Die Metabolic-Balance-Berater sind - wenn sie überhaupt diplomiert sind - Fitnessökonomen oder Sportwissenschafter. Der Großteil des Fachpersonals sind ausgebildete Ernährungstrainer und zertifizierte „Metabolic-Balance-Coaches“. Abgesehen davon wird der Ernährungsplan durch den Metabolic-Computer erstellt, und Vorlieben, Abneigungen oder Unverträglichkeiten für bestimmte Lebensmittel können kaum beachtet oder berücksichtigt werden. Wie es zu einer Erstellung eines Planes unter Berücksichtigung der individuellen Ernährungssituation kommen kann, wenn man den Klienten nicht persönlich kennt, ist völlig unklar.


2) Die strenge Umstellungsphase und die Beschränkung der Nahrungszufuhr auf drei Mahlzeiten pro Tag sind aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar.


Diese Phase dauert laut metabolic balance® GmbH mindestens 14 Tage, bis sich der Stoffwechsel neu eingestellt hat und das Computerprogramm gibt vor, was der persönliche Ernährungsplan ist. Drei Mahlzeiten pro Tag werden vorgegeben, dessen Nahrungsmengen angeblich exakt gewogen werden. Dazwischen sollen jeweils Pausen von fünf Stunden eingehalten werden. Die vorgeschriebenen Nahrungsmittel und Mengenangaben müssen strikt eingehalten werden und sind nur mit konsequenter Selbstdisziplin zu bewältigen. Die strenge Umstellungsphase dauert laut Erfahrungsberichten durchschnittlich länger und ist davon abhängig, wann das „definierte Wunschgewicht“ erreicht ist.

Einerseits wird im Stoffwechselprogramm beworben, dass, ohne zu fasten oder zu hungern, „das Gewicht reguliert wird“, wobei die strenge Umstellungsphase des Konzeptes einen anderen Eindruck hinterlässt. Was unter „Gewichtsregulation“ oder „definiertes Wunschgewicht“ zu verstehen ist, wird in diesem Zusammenhang auch nicht geklärt. Es wird stets betont, dass nur Lebensmittel konsumiert werden, die der Körper zu 100 Prozent verträgt. Dabei soll das Computerprogramm die Antwort darauf sein, innerhalb kürzester Zeit die optimale Ernährung zu erstellen? Die Frage, ob drei Mahlzeiten ausreichen, um eine ausgewogene Ernährung zu schaffen und eine Balance im menschlichen Metabolismus zu finden, ist aus ernährungsmedizinischer Sicht fraglich. Denn es wird empfohlen, fünfmal täglich Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Denn dadurch kommt es zur Optimierung der Leistungskurven im Tagesverlauf und die gesundheitsfördernde Wirkung von sekundären Pflanzenstoffen wird mit eingeschlossen. Aber auch weit verbreitete Essgewohnheiten wie eine „Kaffeepause“ sollten nicht unterbunden werden.


3) Die so genannte „gelockerte Umstellungsphase“, die in Wirklichkeit nur einen Jojo-Effekt zur Folge hat.


In dieser Phase ist nach dem Metabolic Balance Konzept erlaubt, Lebensmittel zu sich zu nehmen, die vorher verboten waren. Dabei soll man Gewichtsveränderungen und das eigene „Wohlbefinden“  beachten.

Wenn Kohlenhydrate vom gewohnten Speiseplan limitiert werden, kann es zu Beginn dieser Kostform sicherlich zu einer initialen Gewichtsreduktion führen, aber ob sich eine längerfristige Gewichtsstabilisierung einstellt, ist sehr fraglich. Der Übergang von Phase 2 zu Phase 3 führt früher oder später zum „Jojo-Effekt“.


4) Weitere Aussagen, die nicht wissenschaftlich belegbar sind:


Metabolic Balance verspricht nach der Ernährungsumstellung „Gesundheit und Vitalität“ durch:

  • Gezielte Förderung eines gesunden Ernährungsbewusstseins
  • Schonende Gewichtsregulierung
  • Entlastung des Herz-Kreislaufsystems und des Haltungsapparates
  • Unterstützung eines ausgeglichenen Zucker- und Fettstoffwechsels
  • Sanfte Unterstützung der Tätigkeit von Leber, Galle, Niere und Blase
  • Förderung einer geregelten Verdauung
  • Unterstützung eines ausgeglichenen Hormonhaushaltes
  • Unterstützung einer gesunden Haut
  • Steigerung der allgemeinen Leistungsfähigkeit und Vitalität 
  • Förderung eines gesunden Nachtschlafes

Das Konzept soll laut Metabolic Balance® GmbH für alle geeignet sein, die ihr Gewicht „dauerhaft regulieren“ wollen. Aber auch bei ernährungsassoziierten Erkrankungen wie Adipositas, Metabolischem Syndrom, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Hypertonie soll die Metabolic-Balance-Diät angeblich helfen. Auch Rheuma, chronische Migräne und Allergien können bekämpft werden. Das Programm ist allerdings nach Angaben der Autoren für folgende Personengruppen nicht geeignet: Schwangere, Stillende, Personen mit Depression, Niereninsuffizienz, Dialyse-Patienten und Personen, die aus unterschiedlichen Gründen kein tierisches Eiweiß zu sich nehmen.


5) Grundlagen, die keine ausreichende Basis aufweisen.


Es sind nützliche Aspekte in den Grundlagen enthalten, wie beispielsweise nicht zu spätes Essen und ausreichend Wasser zu trinken. Doch wird hier die Bewegung, die aus ernährungsmedizinischer Sicht unabdinglich ist und die Basis darstellen sollte, nicht mit einem Wort erwähnt und nicht inkludiert. In der Erhaltungsphase soll Bewegung zusätzlich gemacht werden, aber explizit wird „Physical Acitivity“ nicht als Grundpfeiler in den Grundlagen integriert.


6) Angebote, die nur wirtschaftlichen Nutzen haben.

Die Beratungskosten weisen nach Region und Land einen großen Unterschied auf. Die einzige gemeinsame Komponente ist, die Vertreibung des dazugehörigen und gleichnamigen Kochbuches.
Es wird die Möglichkeit geboten, Metabolic-Lizenznehmer zu werden, um ein flächendeckendes Netzwerk in diversen Fitness-Studios zu erlangen, wobei in einem Atemzug auch wieder ein viertätiges Intensiv-Seminar angeboten wird, dass besucht werden soll, da der Selbstversuch unabdinglich sei. Die Ausbildung des daraus resultierenden „Fachpersonals“ ist mehr als fragwürdig, doch solange der Umsatz stimmt, wird es sicherlich weiterbetrieben werden.


Kritische Betrachtung


Die Metabolic-Balance-Diät wird nicht, wie versprochen, individuell und personenbezogen an den Patienten angepasst, sondern neue und gesündere Lebensmittel werden vorgeschrieben, und durch zusätzlich empfohlene Bewegung kommt es zu einer Restriktion, die aber für den Konsumenten mit hohen Kosten verbunden ist. Trotz alledem scheint das „Körper-Seele-Geist-Konzept“ bei Konsumenten Anklang zu finden, da das Thema sowohl in den Medien durch Bücher, Vorträge und Kochkurse, boomt.


Zusammenfassende Bewertung


Metabolic Balance enthält kein wissenschaftlich abgesichertes Konzept und baut auf Grundlagen auf, die den ernährungsmedizinischen Empfehlungen weitgehend widersprechen. Die Zielsetzungen sind durchaus relevant, aber es gibt keinen einzigen Beweis, die in der Art und Weise zur Ernährungsumstellung erreicht werden. Solange keine ausreichende Evidenz für das Vier-Phasen-Programm der Metabolic Balance vorliegt, kann diese Kostform nicht empfohlen werden.

  

 Art der Betreuung 

4

5

6

7

8

 Einzelbetreuung 

485 €

460 € 

360 € 

600 € 

360 €

 Gruppenbetreuung

440 €

410 €

300 €

465 €

300 €

 Fernbetreuung  

300 €

 398 €

 [Zahlen 2-6 beziehen sich auf die Quellen]

 

Literatur bei den Verfassern

*) Mag. Alexandra Kreissl, Univ. Prof. Dr. Kurt Widhalm; beide: Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde/Abt. für Ernährungsmedizin/AKH Wien, Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien; E-Mail: alexandra.kreissl@meduniwien.ac.at



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2009