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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 13/14 - 15.07.2014

Ärztetage Velden - Ellenbogenfraktur: meist eine OP-Indikation


Ellenbogenbrüche zählen zu den häufigsten Verletzungen im Kindesalter. Da das Längenwachstum im Ellenbogengelenk jedoch relativ früh abgeschlossen ist, ist in den meisten Fällen eine Operation indiziert, um Langzeitfolgen wie etwa Bewegungseinschränkungen oder Deformitäten zu vermeiden. Von Verena Isak


Am häufigsten kommen suprakondyläre Humerusfrakturen bei Kindern zwischen dreieinhalb und neun Jahren vor, das Hauptalter liegt zwischen vier und sieben Jahren. „Kinder können eine Hyperflexion beziehungsweise Hyperextension im Ellenbogengelenk über die Nulllinie ausführen. Durch die daraus resultierende andere Krafteinwirkung kommt es bei Stürzen schneller zu Frakturen“, erklärt Univ. Prof. Annelie Weinberg von der Medizinischen Universität Graz und Chefärztin der Chirurgischen Klinik III des Mathias-Spitals Rheine in Nordrhein-Westfalen. Zusätzlich finden im Alter zwischen vier und sieben Jahren durch das Wachstum bedingte physiologische Umbauprozesse statt, die ebenfalls eine Fraktur wahrscheinlicher machen. Bei den 17. Ärztetagen in Velden, die vom 24. bis zum 30. August 2014 stattfinden, hält die Expertin einen Vortrag über die Verletzungen des Ellenbogens im Kindesalter.

Ursachen für solche Frakturen sind Stürze auf den gestreckten Arm, was den Aussagen von Weinberg zufolge zunehmend beim Trampolinspringen passiert. Buben sind dabei – aufgrund ihrer höheren Risikobereitschaft – etwas häufiger betroffen als Mädchen.

Sofortige Wiederherstellung

Eine Operation ist in rund 60 bis 80 Prozent indiziert, wenn die Fehlstellung anders nicht mehr reponiert werden kann. „Das hängt vor allem vom Ausmaß der Verdrehung in der Frontalebene ab“, erklärt Weinberg. Das Besondere am Ellenbogen ist, dass das Längenwachstum bereits mit rund sieben Jahren abgeschlossen ist; danach ändert sich nur noch die Form. „Daher ist es zwingender, die anatomische Form sofort wiederherzustellen, da die Fehlstellung nicht mehr durch das Wachstum ausgeglichen werden kann“, begründet die Unfallchirurgin. Nur bei unlozierten beziehungsweise wenig dislozierten Frakturen ist eine Operation nicht unbedingt notwendig. In diesem Fall erfolgt die Behandlung konservativ durch eine geschlossene Reposition mit anschließender Ruhigstellung in einer Blount-Schlinge beziehungsweise mittels einer Oberarm-Gipsschiene.

In den ersten zwei bis drei Tagen nach der Operation kann es zu Schmerzen im Ellenbogengelenk kommen, die mit Ibuprofen-Saft therapiert werden. Danach sind die Kinder in den meisten Fällen schmerzfrei; nur sehr selten halten die Schmerzen langfristig an. Mitunter kann es zu einer Wetterfühligkeit kommen.

Die Prognose nach einer Ellenbogen-Operation ist gut. „Die Beweglichkeit des Ellenbogens sollte nach der Operation wieder 100 Prozent erreichen. Allerdings verliert sich zum Teil die Überstreckung im Gelenk frühzeitig“, sagt Weinberg. Normalerweise kann die Fähigkeit zur Hyperextension im Ellenbogengelenk bis ins jugendliche Alter anhalten.

Dennoch kann es zu vorübergehenden Komplikationen kommen. So können die Nerven im Zuge einer Fraktur im Ellenbogengelenk in Mitleidenschaft gezogen werden. „Spätestens sechs bis neun Monate nach der Operation ist eine Läsion der Nerven ausgeheilt“, sagt sie. Durch ein perineurales Hämatom tritt bei etwa fünf Prozent der suprakondylären Frakturen eine Läsion des N. medianus auf. Diese äußert sich in einer Schwurhand; ein Faustschluss ist somit nicht mehr möglich. Selten kann auch eine Läsion des Nervus radialis vorliegen, die sich in einer Fallhand bemerkbar macht. Postoperativ kann es zu einer vorübergehenden Parese des N. ulnaris und einer daraus resultierenden Krallenhandstellung des vierten und fünften Fingers kommen. „Hier kann es hilfreich sein, die Finger mit einer Schiene zu strecken, damit bei einer Rückkehr der Beweglichkeit die Finger nicht steif werden“, erklärt Weinberg.

Nur in ganz seltenen Fällen kommt es zu Langzeitfolgen, wie etwa einem Cubitus varus, also einer Deformität des Ellenbogens mit einer Abweichung der Armachse nach lateral. „Das ist eher ein kosmetisches Problem, nicht ein funktionelles“, meint die Expertin abschließend.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2014