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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 18 - 25.09.2014

Interview - Univ. Prof. Herbert Watzke


Thromboembolie neu behandeln

Der Einsatz von direkten oralen Antikoagulantien ist eines der zentralen Themen bei der 45. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin Ende September in Salzburg. Tagungspräsident Univ. Prof. Herbert Watzke, Leiter der Palliativstation an der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin I, informiert darüber im Gespräch mit Verena Ulrich.


ÖÄZ: Was sind die zukunftsweisenden Themen der Tagung?
Watzke: Eines der aktuellsten Themen, das ganz neue Behandlungswege aufzeigt, ist der Einsatz von direkten oralen Antikoagulantien zur Behandlung beziehungsweise Sekundärprophylaxe von Vorhofflimmern und venösen Thromboembolien. Die Studien für diese neuen Medikamente, welche die Vitamin KAntagonisten wie das Macumar® ablösen sollen, sind nun abgeschlossen und die Medikamente werden demnächst auch in Österreich zur Behandlung eingesetzt. Bei der Tagung wird aufgezeigt, wie und für welche Patienten direkte orale Antikoagulantien eingesetzt werden können.

Welche Vorteile zur bisherigen Behandlung bringen direkte orale Antikoagulantien mit sich?
Die neuen direkten oralen Antikoagulantien können sowohl die Prophylaxe als auch die Therapie von Thromboembolien und Schlaganfällen erheblich vereinfachen. In den Studien konnten ein rascher Wirkungseintritt und eine Reduktion von Nebenwirkungen nachgewiesen werden. Die bisher verwendeten Vitamin K-Antagonisten zeigen starke intraindividuelle Schwankungen, zahlreiche Wechselwirkungen mit Medikamenten und Nahrungsmitteln sowie eine starke Blutungsneigung. Folglich sind bei der Einnahme von Vitamin K-Antagonisten häufige Dosisanpassungen sowie regelmäßiges Gerinnungsmonitoring erforderlich, was in Zukunft durch den Einsatz von direkten oralen Antikoagulantien wegfallen wird.

Gibt es weitere neue Behandlungsverfahren, die im Rahmen der Tagung beleuchtet werden?
Relativ neu ist auch die sogenannte renale Denervierung zur Behandlung von Patienten mit Bluthochdruck. Bei dem Verfahren werden alle efferenten und afferenten Nervenbahnen zwischen Niere und Gehirn minimal-invasiv durchtrennt und damit unterbrochen. In einer Tagungssitzung wird besprochen, wie das Verfahren angewandt wird, für welche Patienten es geeignet ist und welche Ergebnisse erzielt werden können.

Werden neben den aktuellen, klinisch relevanten Themen auch Themen aus der Forschung, die einen Blick in die Zukunft der inneren Medizin gewähren, behandelt?
Den Wünschen vieler Internistinnen und Internisten Folge leistend haben wir den Fortbildungscharakter des Kongresses weiter gestärkt und die Themen sehr praxisorientiert angelegt. Dennoch werden selbstverständlich auch Themen aus der ‚Front Research‘ aufgegriffen. Beispielsweise veranstaltet die Österreichische Gesellschaft der Humangenetiker, die auch unserer Fachgesellschaft assoziiert ist, eine interessante Sitzung zu DNA-Analysen. Es wird besprochen, wie das sogenannte ‚Next Generation Sequencing‘ auch die Diagnostik in der Inneren Medizin verändern wird. Ergebnisse berichten bereits vom erfolgreichen Einsatz dieser Technik bei familiären Krebserkrankungen und bei Kardiomyopathien.

Ist diese Tagung nur für Internisten relevant oder richtet sie sich auch an Allgemeinmediziner?
Allgemeinmediziner behandeln vielfach Patienten mit internistischen Krankheiten und daher will sich unsere Gesellschaft bewusst für Ärzte aus dem niedergelassenen Bereich öffnen. Besonders empfehlenswert und heuer neu im Programm ist eine eigene ‚Fortbildungsschiene‘, in der ein praxisorientierter Überblick über insgesamt elf Themen der Inneren Medizin geboten wird. Themen wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen, arterielle Hypertonie, Schmerztherapie oder Virus-Hepatitis werden ausführlich und praxisrelevant behandelt. Dieser Programmteil erstreckt sich über zwei Tage und ist so wie die ebenfalls erstmals angebotenen Hands-on-Kurse getrennt zu buchen. Ebenfalls sehr interessant für Allgemeinmediziner sind die sogenannten Tandem-Sitzungen, in denen zwei Gesellschaften ein fachübergreifendes und praxisrelevantes internistisches Thema gemeinsam aufarbeiten. Hierbei sind beispielsweise ein Diabetologe mit einem Angiologen oder ein Geriater mit einem Palliativmediziner zusammengespannt, die gemeinsam Themen aus verschiedenen Fach-Blickwinkeln betrachten.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 18 / 25.09.2014