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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 20 - 25.10.2014

Medizin-Nobelpreis 2014 für Gehirnforscher


Der US-amerikanische Neurowissenschafter John O‘Keefe sowie das norwegische Forscher-Ehepaar May-Britt und Edvard I. Moser sind die Preisträger des diesjährigen Nobelpreises für Medizin.

Die Nobelpreisträger haben mit ihren Entdeckungen rund um den Orientierungssinn „ein Problem gelöst, das Philosophen und Wissenschafter über Jahrhunderte hinweg beschäftigt hat: Wie macht sich das Gehirn einen Plan von dem uns umgebenden Raum und wie navigieren wir unseren Weg durch eine komplexe Umwelt“, so begründet das Nobelpreis-Komitee am Karolinska- Institut die Entscheidung. Die Verhaltenspsychologie des 20. Jahrhunderts hätte gezeigt, wie man räumliche Lernprozesse experimentell an Tieren untersuchen könnte. Die diesjährigen Nobelpreisträger haben die entsprechenden Gehirnstrukturen und dafür verantwortliche Zellen identifiziert.

Zunächst war es O‘Keefe, der 1971 durch elektrophysiologische Messungen bei Ratten erkannt hat, dass im Hippocampus der Tiere einzelne Neuronen mehr oder weniger aktiviert waren, wenn sie sich in Versuchsräumen an bestimmten Orten aufhielten. Diese „Place Cells“ („Platz-Zellen“) repräsentierten somit einen kompletten Plan der Umgebung. Dieselben Mechanismen laufen auch im menschlichen Hippocampus ab. May-Britt und Edvard Moser, die unter anderem bei O‘Keefe in London tätig waren, knüpften an diese Forschungen an. Sie entdeckten 2005 im entorhinalen Cortex, der mit dem Hippocampus verknüpft ist, die „Grid Cells“ („Koordinaten-Zellen“), die als Koordinatensystem für die „Place Cells“ fungieren. Erst durch dieses hexagonale Rahmensystem ist eine Navigation im Raum möglich.

Nobelpreisträger John O‘Keefe wurde 1939 in New York geboren und ist Professor für Kognitive Neurowissenschaft und Direktor des Sainsbury Wellcome Centre for Neural Circuits and Behaviour am University College in London. Die norwegischen Wissenschafter May-Britt Moser - 1963 in Fosnavag geboren - und Edvard I. Moser - 1962 in Alesund geboren - waren unter anderem bei O‘Keefe in London tätig, gingen aber 1996 an die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens in Trondheim zurück.

Der mit acht Millionen schwedischen Kronen (rund 870.000 Euro) dotierte Nobelpreis für Medizin wird jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, verliehen.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 20 / 25.10.2014