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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 20 - 25.10.2014

Neu: App und Therapieleitfaden bei Urtikaria


Um auf die chronische Urtikaria aufmerksam zu machen, an der immerhin ein Prozent aller Europäer leiden, wurde der 1. Welt-Urtikaria-Tag (1. Oktober) ins Leben gerufen. In Kooperation mit der Österreichischen Lungenunion wurde eine Urtikaria-App, die sowohl für Android als auch für iPhone gratis zum Download zur Verfügung steht, entwickelt und kürzlich bei einem Pressegespräch in Wien präsentiert. Dabei stellt das integrierte Urtikaria-Tagebuch ein Instrument dar, mit dem durch das gleichzeitige Festhalten von Symptomen und Lebensstil mögliche Auslöser für einen Urtikaria- Schub gefunden werden können. Laut Univ. Prof. Georg Stingl, Leiter der Abteilung für Immundermatologie und Infektiöse Hautkrankheiten an der Universitätsklinik für Dermatologie am AKH Wien, ist jeder Vierte zumindest einmal im Leben von Urtikaria betroffen. Meist handle es sich dabei um eine akute Urtikaria, die „in maximal sechs Wochen“ wieder abheilt und einfach zu behandeln sei. Bestehen die Beschwerden länger als sechs Wochen, handelt es sich um chronische Urtikaria. „Die verzweifelte Situation des Patienten stammt zu einem Teil aus einer Fehleinschätzung, da die falsche Annahme besteht, dass Urtikaria primär etwas mit Allergie zu tun habe. So lassen sich die Betroffenen oft endlos allergisch testen. In Wirklichkeit ist die akute Urtikaria manchmal allergisch, die chronische Urtikaria so gut wie nie allergisch bedingt“, räumt der Dermatologe auf. Stingl präsentierte den neuen Therapieleitfaden für die Behandlung der chronisch spontanen Urtikaria; dieser wurde im August publiziert. Und er betonte den Nutzen eines seit März 2014 zugelassenen Medikaments: „Mit Omalizumab steht seit kurzem ein hoch wirksames und gut verträgliches Medikament zur Verfügung.“ Der Experte sieht darin einen großen praktischen Fortschritt: „Früher wussten wir nicht, was Ursache der Urtikaria ist, und hatten keine wirksamen Medikamente. Heute kennen wir die Ursachen meistens noch immer nicht, können aber unseren Patienten helfen, ihre Beschwerden lindern und ihr Alltagsleben erleichtern.“
DR



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 20 / 25.10.2014