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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 23/24 - 15.12.2014

Belvedere: Monet - wie er noch nie zu sehen war ...


Claude Monet hat inspiriert, hat Spuren hinterlassen - auch in der Landschaftsmalerei österreichischer Künstler. In einer Sonderschau im Unteren Belvedere in Wien werden nicht nur einige seiner Werke erstmals gezeigt, sondern auch sein Einfluss auf Gustav Klimt, Herbert Boeckl und Max Weiler.
Von Marion Huber


Claude Monet, der große Impressionist, wie er noch nie in Österreich zu sehen war: in Zusammenspiel mit der österreichischen Malerei, die selten so deutlich wurde. In einer Sonderschau mit Leihgaben aus aller Welt zeigt das Belvedere in Wien rund 30 Schlüsselwerke von Monet - viele werden zum ersten Mal in Österreich ausgestellt. Nicht nur das ist besonders daran: Seine Gemälde werden Werken von österreichischen Künstlern - Zeitgenossen wie Nachfolgern von Monet - gegenübergestellt. Unter ihnen niemand Geringerer als Gustav Klimt, Herbert Boeckl oder Emil Jakob Schindler. In ihrem Werk wird sichtbar: Monet hat inspiriert, hat Spuren hinterlassen - auch in der österreichischen Landschaftsmalerei und Fotographie. An seiner Motivik und Pinselführung haben sich zeitgenössische Künstler orientiert.

Werke im Dialog

So treten im Belvedere ausgewählte Werke von Monet - darunter auch weltberühmte Gemälde wie die Kathedrale von Rouen, die Londoner Waterloo Bridge in verschiedenen Versionen und die späten Seerosenbilder - in Dialog mit jenen von österreichischen Künstlern. In ihren eigenen Arbeiten spiegeln sie die Inspiration von Monet und seinen Gemälden wider. Sein Einfluss auf die österreichische Künstlerszene beginnt schon früh, unmittelbar mit seinen ersten Ausstellungen - und soll viele Jahrzehnte andauern. Nicht nur sein Pinselduktus, die Motive und Themen seiner Werke sind Vorbild; auch seine Bildkompositionen, seine konzeptionellen Ansätze und die Idee der Serie werden von anderen Künstlern übernommen. Die Getreideschober-Serie, jene der Pappelallee und der Kathedrale von Rouen sowie die Serie von mehr als 100 London-Bildern, die während mehrerer Reisen entstanden sind, vervollständigen das vielfältige Werk von Monet.

Die Sonderschau zeigt auch eindrucksvoll, wie dieser Gedanke der Serie in die österreichische Kunst aufgenommen wurde: Fünf Versionen der Waterloo Bridge von Monet werden vier großformatigen Gemälden der Vier Wände von Max Weiler und vier Ausführungen des Erzbergs von Herbert Boeckl gegenübergestellt.

Die umfangreichste Serie, die Monet schuf, widmet sich einem Thema, das den Impressionisten 30 Jahre seines Lebens und Schaffens beschäftigte - sein Garten in Giverny und die Seerosen. In diesen Werken gibt er die Landschaftskompositionen auf und stellt Teilansichten in den Vordergrund. Viele Farbnuancen, wechselnde Farbtöne innerhalb eines Bildes, Tupfen und Striche ergeben ein flimmerndes Mosaik aus Farben. Zwei Variationen davon werden in der Belvedere-Schau zu sehen sein. Gemeinsam mit seinen Wasserdarstellungen sind es die Seerosenbilder, die große Wirkung auf die Atterseelandschaften von Gustav Klimt hatten. Während sich Monet auf den Augenblick einer vergänglichen Lichtwirkung konzentriert, will Klimt in seinen Landschaften die Stimmung zeitlos und ausgeglichen einfangen.

Vom Realismus zum Impressionismus

In seinem frühen Schaffen noch dem Realismus zugewandt, entwickelt sich Monet zu einem bedeutenden Impressionisten; seine Werke sind mit tonangebend für diese Stilepoche. Bewusst beschränkt er sich auf das reine Sehen: Was er in der Natur beobachtet, ist oft nur Ausgangspunkt für immer freier werdende Kompositionen. Seine Konzentration auf den reinen Farbwert und sein schwungvoller, impulsiver Pinselduktus - sie sind es, die zur Entstehung der abstrakten, gegenstandsfreien Kunst beitragen.

Die damalige Lebenswelt ist von einschneidenden Veränderungen geprägt: technische Errungenschaften wie Dampfmaschine, Eisenbahn und industrielle Fertigung beschleunigen das Leben. Was die Fotografie nicht vermag - nämlich diese Bewegung zu erfassen und die Erscheinungen des Atmosphärischen wiederzugeben -, das gelingt durch die neue Kunst. Sie kann die flüchtigen Erscheinungen des Wetters, die Stimmungen auf der Wasseroberfläche, Nebel und Rauch, den Wechsel von Licht und Farbe zum Ausdruck bringen. Eine Ästhetik des Spontanen, der flüchtig hingeworfenen Darstellung entsteht.

Man schreibt das Jahr 1874, als Monet und seine Künstlervereinigung „Société anonyme coopérative des artistes peintres, sculpteurs, graveurs“, der u.a. Camille Pissaro angehörte, ihre Werke zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentieren. Monet stellt sein Gemälde „Impression, Sonnenaufgang“ aus, das der Gruppe den Namen „Impressionisten“ einbringt - damals nicht mehr als ein Spottname. Dann um 1889, als in einer Pariser Galerie 145 Gemälde von Monet zusammen mit Skulpturen von Auguste Rodin ausgestellt werden, gewinnt Monet an Popularität. Und der Begriff „Impressionismus“ wird vom Spottnamen zu einem anerkannten Kunststil. Lebt auch Monet lange Zeit seines Schaffens am Existenzminimum, gelingt ihm später dennoch das, was vielen anderen Künstlern verwehrt bleibt: Er wird bereits zu Lebzeiten eine Legende.

Impressionismus in Österreich

In Österreich sind erste impressionistische Tendenzen um 1890 zu beobachten. Die österreichischen Künstler sehen sich denselben Phänomenen gegenüber: eine Zeit, die sich rasant wandelt und die Herausforderung, dieses Treiben, das schnelle Leben entsprechend abzubilden. Allerdings sehen sie sich mit einem weitaus konservativeren kulturellen Klima konfrontiert. Es sind dann vor allem jüngere Künstler, die typisch impressionistische Themen und Motive aufgreifen und ins Bild setzen. Die Farbpalette wird heller, ungemischte Farben beliebter und die erdige Tonalität der Stimmungsmaler wird zurückgelassen. Auch der impressionistische Grundgedanke, den Gegenstand als Lichtereignis wahrzunehmen, wird in der österreichischen Kunst immer mehr gelebt. Die jüngeren Künstler verlieren ihre Berührungsängste mit dem Impressionismus; ganz klar und offensichtlich wird sein nEinfluss ab der Jahrhundertwende. Was dabei unaufhörlich als Vorbild dient: das Werk von Claude Monet.


Was, Wann, Wo:

„Im Lichte Monets“
Österreichische Künstler und das Werk des großen Impressionisten

Bis 8. Februar 2015

Unteres Belvedere, Orangerie

Rennweg 6, 1030 Wien

www.belvedere.at




© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2014