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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 5 - 10.03.2014

neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (10.03.2014)


Metastasen haben Kontrollmechanismus

Einen bisher unbekannten Kontrollmechanismus für Metastasen haben Wissenschafter des Instituts für Molekulare Biotechologie (IMBA) in Wien zusammen mit Kollegen in Deutschland und Australien entdeckt. Die Forscher haben einen Pfad identifiziert, über den das Protein Cbl-b die Funktion von natürlichen Killer-Zellen reguliert. Dazu die Erstautorin am Wiener IMBA, Magdalena Paolino: „Wenn wir Cbl-b in den Killerzellen abschalten, werden diese sozusagen scharf gestellt und reduzieren signifikant Metastasen von Brusttumoren und Melanomen.“ Die Forscher haben ein Molekül entwickelt, das die für das Protein Cbl-b verantwortlichen TAM-Rezeptoren blockiert, was in den genetischen Modellen zu einer deutlichen Reduktion der Metastasen geführt hat. Dieses Modell erklärt auch den anti-metastatischen Effekt von Warfarin: Er beruht auf der Inhibierung des neu entdeckten Cbl-b/TAM-Signalweges. Paolino weiter: „Dieses Ergebnis liefert einen Anstoß, die Behandlung von Metastasen mit Warfarin und anderen Vitamin K-Antagonisten erneut zu überdenken.“
APA/Nature


Dickdarmkrebs als „Stoffwechselkrankheit“

Bei Übergewichtigen könnte Dickdarmkrebs eine Art Stoffwechselerkrankung sein. Wissenschafter des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung und des Max-Delbrück-Zentrums für Molekulare Medizin in Berlin haben herausgefunden, dass HDL-Cholesterin, Adiponectin und der lösliche Leptinrezeptor besonders stark mit Übergewicht und Dickdarmkrebs assoziiert sind. Je niedriger die Spiegel der Biomarker im Blut, desto höher war das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Besonders der Taillenumfang spiele eine Rolle. Die Forscher zeigten in ihrer Analyse, dass Frauen mit einem durchschnittlichen Taillenumfang von 93 Zentimetern - im Vergleich zu Frauen mit einem Umfang von etwa 72 Zentimetern - ein um 67 Prozent höheres Krebsrisiko hatten. Männer mit einem Bauchumfang von etwa 105 Zentimeter hatten ein um 68 Prozent erhöhtes Risiko im Vergleich zu jenen mit einem Umfang von etwa 87 Zentimetern. Noch ist nicht klar, ob die Biomarker direkt das Darmkrebsrisiko beeinflussen; weitere Untersuchungen, ob eine Veränderung der Biomarker-Spiegel das Risiko verringert, sind notwendig.
APA/International Journal of Cancer


Endothelzellen steuern Leber-Regeneration

Entgegen bisherigen Annahmen verhalten sich Endothelzellen nicht nur passiv, sondern greifen aktiv in die Steuerung der Organfunktion ein. Deutsche Wissenschafter konnten das nachweisen, indem sie bei Mäusen zwei Drittel der Leber entfernten. Innerhalb weniger Tage wuchs sie wieder zur normalen Größe an. Angiopoietin-2 scheint eine zentrale Rolle bei der Regeneration zu spielen.
APA


Smartphone-App warnt vor Handy-Sucht

Eine von Forschern der Universität Bonn entwickelte App soll vor Handy-Suchtgefahr warnen. Mit der kostenlosen Android App „Menthal“ können Nutzer sehen, wie viel Zeit sie mit der Verwendung des Smartphones verbringen. Die anonymisierten Daten werden anschließend von einem Forscherteam ausgewertet. Den Angaben der Forscher zufolge handelt es sich um die erste diesbezügliche App.
APA


Discographie kann schaden

Eine Discographie kann Bandscheiben zusätzlich schädigen. Das haben Forscher des Zelllabors des Orthopädischen Spitals Speising in Wien festgestellt. „Dieses Infiltrieren mit Medikamenten kann die Bandscheibe zusätzlich schädigen“, so die Leiterin des Zelllabors, Claudia Eder. Als Konsequenz daraus wird die Discographie in Speising nur noch ganz selten angewendet.
APA


Selbstverdauung schützt Krebszellen

Durch Autophagie schützen sich Krebszellen - etwa gegen Chemotherapeutika. Wiener Forscher haben das Gen Atg5 identifiziert, das diese Abläufe beim Bronchuskarzinom steuert. Im Tiermodell zeigte sich, dass die Blockade des Gens auch die Autophagie blockiert; die Tiere überlebten länger. Ziel ist es nun, Substanzen, die die Autophagie blockieren, zu finden.
APA/Nature Communications


Postnatale Depression: Twitter und Facebook als Vorhersage-Modelle

US-amerikanischen Forschern ist es gelungen, durch Angaben in sozialen Netzwerken postnatale Depressionen vorherzusagen. Mit einer Trefferquote von 70 Prozent konnten sie auf Basis der Aktivitäten auf Twitter und Facebook drei Monate vor der Geburt feststellen, welche Frau eine postnatale Depression entwickeln wird. Untersucht wurde dafür, was, wie oft und mit wie vielen Menschen die Betroffenen in sozialen Netzwerken kommunizierten. Das Team um Eric Horvitz, dem Direktor des Forschungslabors von Microsoft, hat dazu öffentlich zugängliche Daten aus dem Kurznachrichtendienst Twitter von knapp 3.000 Müttern analysiert. In einer zweiten Studie untersuchten die Mitarbeiter des Forschungslabors die Facebook-Daten von einer weiteren Gruppe von Frauen. Bei diesen konnte die Vorhersage überprüft werden, weil sie angegeben hatten, ob eine postnatale Depression diagnostiziert worden war. Auf Basis der Studienergebnisse könne möglicherweise eine App entwickelt werden, um Betroffenen zu helfen, so die Forscher.
APA


Chlorakne: Ursache identifiziert

Das Protein Nrf2 könnte die Ursache für die Entstehung der Chlorakne sein. Schweizer Forscher haben zufällig einen Zusammenhang der Hautveränderung mit diesem Transkriptionsfaktor entdeckt: Bei moderater Aktivierung schützt Nrf2 die Haut vor UV-Schäden; bei Überaktivierung wird die Haut schuppig und zeigt Defekte. Für die Studie haben Forscher der ETH Zürich ein Tiermodell verwendet, in dem die Hautzellen genetisch veränderter Mäuse dauerhaft Nrf2 aktivieren. Die Mäuse entwickelten ähnliche Hautveränderungen wie Dioxin-Opfer; außerdem vergrößerten sich die Talgdrüsen, es kam zu Haarverlust und zur Bildung von Zysten. In einer weiteren Analyse konnten die Wissenschafter feststellen, dass Nrf2 auch im Gewebe von Patienten mit Chlorakne aktiviert ist. Ein Ziel für die Therapie von Chlorakne ist Nrf2 aber nicht: Weil es ein Entgiftungsfaktor ist, wäre eine Blockade bei einer Dioxinvergiftung wohl fatal, so die Forscher.
APA/EMBO Molecular


Mammakarzinom durch Mobiltelefon?


Ein längerer Kontakt zwischen Mobiltelefon und Brust könnte Mammakarzinome verursachen. Vier junge Frauen im Alter von 21 bis 39 Jahren hätten US-amerikanischen Wissenschaftern zufolge multifokalen invasiven Brustkrebs entwickelt. Die Betroffenen trugen regelmäßig für bis zu zehn Stunden am Tag ihre Mobiltelefone in ihrem BH mit direktem Kontakt zur Brust. Genau an dieser Kontaktstelle entwickelten sich bei den Frauen mehrere Tumorherde. Keine der Frauen wies eine familiäre Vorbelastung auf; BRCA1 und BRCA2 waren negativ und es gab auch keine anderen bekannten Brustkrebs-Risiken. Laut den Autoren weise die Studie darauf hin, dass es an Daten zur Sicherheit im Hinblick auf einen längeren direkten Hautkontakt mit Mobiltelefonen fehlt.
Case Reports in Medicine



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.03.2014