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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 7 - 10.04.2014

Interview - Erwin Rasinger


Auf gleicher Augenhöhe: „ausgeschlossen“

Im Zuge der Primary Health Care ist auch geplant, dass künftig Arzt, Krankenschwester und Ordinationshilfe auf gleicher Augenhöhe zusammenarbeiten. Wieso das für den Gesundheitssprecher der ÖVP, Erwin Rasinger, ausgeschlossen ist, erklärt er im Gespräch mit Agnes M. Mühlgassner.


ÖÄZ: Wird im Rahmen des Primary Health Care-Modells der Hausarzt tatsächlich aufgewertet?
Rasinger: Wir haben im Regierungsprogramm mit der SPÖ zusammen die Aufwertung des Hausarztes festgeschrieben, um vor allem die Versorgung für den ländlichen Bereich sicherzustellen und auch die Hausapotheken-Problematik zu lösen. Jetzt beschäftigt Stöger uns mit einem vagen Modell, das laut Plan im Jahr 2016 gerade einmal ein Prozent der Bevölkerung versorgen soll. Das ist mit Sicherheit keine Aufwertung der Hausärzte und eine falsche Prioritätensetzung. Und was ist mit den anderen 99 Prozent? Die Kolleginnen und Kollegen fühlen sich schon allein durch die ganze Art, wie diese Diskussion geführt wird, abgewertet: Es gibt wenig Anerkennung von der Politik für die Tätigkeit und die ärztlichen Honorare sind auch nicht überragend. Anstatt dauernd nach Skandinavien und Großbritannien zu schauen, ist es viel wichtiger, sich an der Schweiz zu orientieren: Dort gibt es im Mai eine Volksabstimmung zum Thema Hausarzt und der Hausarzt soll in der Verfassung verankert werden. Oder in Baden-Württemberg gibt es schon seit Jahren ein erfolgreiches Hausarztmodell in Zusammenarbeit mit der zuständigen Krankenkasse. Alle Kassen in Deutschland müssen Hausarzt-Modelle anbieten. Wir müssen also in Österreich nicht das Rad neu erfinden.

Durch die multiprofessionellen Teams soll die Zusammenarbeit der einzelnen Gesundheitsberufe künftig verstärkt werden – wie sehen Sie das?
Die Ärzte arbeiten schon jetzt mit anderen Professionen zusammen. Unser Problem ist, dass viele Logopädinnen, Physiotherapeuten, Diätassistentinnen und auch andere keinen Kassenvertrag haben. Ich betreue beispielsweise einen Apalliker, für den extrem viele Bewilligungen einzuholen sind. Wo bleibt da der Case Manager der Kasse, der hilft? Die Verfügbarkeit des Hausarztes, die ja jetzt häufig als Argument für diese Teams eingebracht wird, ist meiner Meinung nach oft nicht das Problem und in Großbritannien und Schweden überhaupt nicht gewährleistet. Und eines ist schon klar: Ohne Hausärzte könnte das österreichische Gesundheitswesen zusperren. Dafür sollten wir sehr, sehr dankbar sein.

Kann dieses Modell funktionieren?
Die bisherige Planung ist, dass der Arzt, die Ordinationshilfe und die Krankenschwester als Kernteam auf gleicher Augenhöhe zusammenarbeiten sollen und sich untereinander ausmachen sollen, wer was tut. Für mich ist das ausgeschlossen. Im medizinischen Bereich ist der Arzt letztverantwortlich und haftet auch für das Ergebnis. Die kollegiale Führung hat ja schon im Spitalsbereich keine rasend guten Ergebnisse gezeigt. Pflegerinnen sollen nicht MiniÄrztinnen spielen müssen, dafür sind sie nicht ausgebildet und Ordinations-Assistentinnen schon gar nicht. Wenn man diese Strukturen nun auch auf die Ordinationen übertragen will, wird das ein teurer Spaß. Außerdem soll jedes dieser Zentren einen Verwalter haben. Damit ist dann die Freiberuflichkeit des Arztes aufgehoben. Für die ÖVP ist das aber ein absolutes ‚No go‘. Die Freiberuflichkeit des Arztes ist unabdingbar, ebenso die freie Arztwahl, ebenso die freie Therapiewahl.

Was ist zu tun?
Viel wichtiger ist es, endlich in die Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen zu investieren, die geförderte Lehrpraxis österreichweit umzusetzen, die Bürokratie abzubauen Stichwort Chefarztpflicht, die Erweiterung des Leistungsspektrums und auch neue, flexible Formen der Zusammenarbeit zuzulassen wie etwa Gruppenpraxen, Teilung von Kassenverträgen, Übergabe-Praxen und zuletzt sollte Stöger endlich die Absicherung der Hausapotheken am Land als dringenden Bürgerwunsch ernst nehmen.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 7 / 10.04.2014

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