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ArchivÖÄZ 2015ÖÄZ 11 - 10.06.2015

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (10.06.2015)


Progesteron steigert Aufmerksamkeit

Je höher der Progesteron-Spiegel ist, desto größer ist die Aufmerksamkeit, desto kürzer die Reaktionszeit und desto geringer Fehler. Univ. Prof. Hubert Kerschbaum vom Zentrum für neurokognitive Forschung der Universität Salzburg und Univ. Prof. Wolfgang Klimesch – ebenfalls Uni Salzburg – haben das durch Untersuchungen von 20 jungen Frauen herausgefunden. Dazu wurden drei Mal während des Menstruationszyklus der Hormonstatus, das EEG sowie die Aufmerksamkeit gemessen. Es zeigte sich, dass die zyklischen Hormonschwankungen auch zyklische Schwankungen bei kognitiven Prozessen verursachen. Frauen mit einem generell hohen Progesteronspiegel erzielten bei den Aufmerksamkeits- und Reaktionstests laufend bessere Ergebnisse als Frauen mit einem generell niedrigen Spiegel. Ein Zusammenhang zwischen dem Östrogenspiegel und der Aufmerksamkeit wurde dagegen nicht gefunden.
APA/Brain Research


Genmanipulierte Hefe produziert Opiate

Die Wissenschafter suchten einen Weg, die Stoffe im Schlafmohn – die sogenannten Benzylisochinoline (BIAs) – von Mikroorganismen herstellen zu lassen. Zu diesen Stoffen zählen neben Opiaten wie Morphin oder Codein auch Antibiotika und Papaverin. Indem sie Hefe mit eingeschleusten Enzymen – etwa aus der Zuckerrübe – ausstatteten, haben US-amerikanische Forscher aus Glukose die Schlafmohn-Substanz Reticulin erzeugt. Sie ist der Vorläufer von vielen Opiaten und anderen Arzneien. Die weiteren Schritte – zu Morphin oder anderen Substanzen – sind den Angaben der Forscher zufolge eher Formsache. Laut John Dueber von der Universität von Kalifornien ist die biotechnologische Herstellung von Morphin oder anderen Substanzen nur noch eine Frage der Zeit.
APA/Nature Chemical Biology


Titanimplantat aus dem 3D-Drucker

Weltweit erstmals erhielt eine Patientin mit degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule an der Neurochirurgie des Klinikums Karlsruhe ein 3D-gedrucktes Titanimplantat. Das Produktionsverfahren erlaubt die Nachahmung der netzartigen Struktur des menschlichen Knochens; in das Implantat selbst sollen schließlich körpereigene Knochenzellen einwandern. In zwei bis drei Jahren soll die Technik so weit entwickelt sein, dass individuell angepasste Implantate zu einem adäquaten Preis produziert werden können.
APA


Schwachstelle des Ebola-Virus entdeckt

Wird das Protein Niemann-Pick C1 (NPC1) blockiert, kann sich das Ebola-Virus nicht in Wirtszellen ausbreiten. Das haben Wissenschafter um Kartik Chandran von der Yeshiva Universität in New York im Tierversuch herausgefunden. Die Suche nach einem wirksamen Impfstoff könnte sich nun darauf konzentrieren, das Protein auszuschalten.
APA/mBio


Adipositas begünstigt Krebsrisiko

5,4 Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen und 1,9 Prozent bei Männern hängen mit einem erhöhten BMI zusammen; das betrifft vor allem Tumore der Speiseröhre, des Darms, der Niere, des Pankreas sowie bei Frauen die Ovarien, den Uterus und postmenopausalen Brustkrebs. Dazu Univ. Prof. Alexandra Kautzky-Willer vom Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien: „Steigt der BMI nur um den Faktor 1, also zum Beispiel von 29 auf 30, steigt das Krebsrisiko zwischen drei und zehn Prozent bei den genannten Tumoren.“
APA/Lancet Oncology


Schmerz-unempfindlich durch mutiertes Gen

Der Transkriptionsfaktor PRDM12 ist der Grund für Schmerzunempfindlichkeit. Das hat ein internationales Forscherteam der MedUni Wien, der Universität München sowie der Universität Cambridge identifiziert. Die Forscher untersuchten die Angehörigen von elf Familien mit einer angeborenen Schmerzunempfindlichkeit. Eine Zahl, die „schon recht viel ist“, weil die autosomal rezessiv vererbte Erkrankung sehr selten ist, wie Mitautorin Univ. Prof. Michaela Auer-Grumbach von der Orthopädischen Universitätsklinik der MedUni Wien erklärt. Die Betroffenen wiesen fast ein Dutzend verschiedener Mutationen im Gen für PRDM12 auf, die das Gen großteils funktionslos machen. Durch Untersuchungen an Froschlarven stellte sich heraus, dass es durch den Ausfall von PRDM12 offenbar zu einer Fehlsteuerung von noch unbekannten Zielgenen kommt, die für die Entwicklung des Nervensystems und eine funktionierende Schmerzwahrnehmung notwendig sind.
APA/Nature Genetics


Schwacher Händedruck zeigt erhöhtes Herzinfarkt-Risiko

Menschen mit einem schwachen Händedruck haben ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen und einen frühen Tod. Das haben kanadische Wissenschafter in einer groß angelegten Studie mit fast 140.000 Patienten zwischen 35 und 70 Jahren in 17 Ländern herausgefunden. Die Gesundheit der Patienten wurde über vier Jahre lang beobachtet; unter anderem wurde die Festigkeit des Händedrucks mit einem Gerät gemessen. Mitjeweils fünf Kilogramm geringerer Greifkraft stieg das Sterberisiko um 16 Prozent; das Risiko für einen Myokardinfarkt um sieben Prozent, jenes für einen Insult um neun Prozent. Demnach sei der Händedruck ein verlässlicheres Mittel, das Risiko für einen frühen Tod zu erkennen, als das Blutdruckmessen. Faktoren wie Tabakoder Alkoholkonsum, Bildungsniveau und Beschäftigung hatten auf die Ergebnisse keinen Einfluss. Unklar ist, wie die Muskelkraft im Arm und das Risiko für Herz-Kreislauferkankungen zusammenhängen.
APA/The Lancet


Europa: Belastung durch Ragweed steigt

Die Belastung durch Ragweed-Pollen wird im Jahr 2050 während der Blühphase in Europa viermal höher sein als derzeit. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam unter Beteiligung der MedUni Wien und Universität Wien nach Modellrechnungen, die im Rahmen des von der EU geförderten ATOPICA-Projekt (Atopic diseases in changing climate, land use and air quality) durchgeführt wurden. Die Bandbreite liegt laut den Autoren um Lynda Hamaoui-Laguel vom staatlichen französischen Klima- und Umweltforschungsinstitut zwischen dem Doppelten und dem Zwölffachen. Die weitere Verbreitung – etwa durch Verschleppung – wird vor allem in jenen Regionen Europas vermehrt erfolgen, in denen Ragweed bisher kaum verbreitet war – wie etwa in Großbritannien und in kälteren Regionen Österreichs. Laut den Forschern dürften damit auch Ragweed-Allergien zunehmen. Um dies zu verhindern, seien künftig regional koordinierte Ausrottungsprogramme erforderlich.
APA/Nature Climate Change



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 11 / 10.06.2015