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ArchivÖÄZ 2015ÖÄZ 13-14 - 15.07.2015

Rembrandt - Tizian - Bellotto: Die „Alten Meister“ in Wien


Ihr Reichtum an Werken ist ebenso legendär wie ihre Geschichte – das macht sie zu einer der renommiertesten Gemäldesammlungen der Welt: die „Gemäldegalerie Alte Meister“ in Dresden. Eine Zusammenschau ihrer Schätze – von Rembrandt und Tizian bis van Dyck – kann man zurzeit im Winterpalais des Belvedere in Wien bewundern. Von Marion Huber

Rembrandt Harmensz. van Rijn, Ganymed in den Fängen des Adlers, 1635
Pietro Antonio Graf Rotari, Mann mit Pelzmütze, den rechten Zeigefinger erhoben, undatiert


Die „Alten Meister“ haben ihren Platz gefunden in der Sempergalerie in Dresden: Raffael, Vermeer, van Dyck und nicht zuletzt natürlich Rembrandt, Tizian und Bellotto, die der aktuellen Ausstellung im Winterpalais im Wiener Belvedere ihren Namen geben. Ihr Ruf eilt der Gemäldegalerie Alte Meister weltweit voraus. Ihre herausragende Stellung rührt aber nicht nur vom Reichtum ihrer Werke her; sie zählt auch deshalb zu den renommiertesten Sammlungen der Welt, weil ihre Geschichte, die im 18. Jahrhundert ihren Anfang genommen hat, legendär ist.

Es waren seinerzeit der sächsische Kurfürst August II. (August der Starke) und sein Sohn August III., die in einem halben Jahrhundert gleichermaßen geschickt wie leidenschaftlich einen wahren Kunstschatz zusammengetragen haben. Ein Reichtum, der bis heute seinesgleichen sucht. Dass sie derart schnell gewachsen ist, verdankt die Sammlung diesen beiden Kunstmäzenen – den wohl bedeutendsten ihrer Zeit. Ein besonderer Gewinn war der Ankauf der 100 besten Werke aus der hervorragenden Sammlung des Herzogs Francesco III. von Modena im Jahr 1746 – dadurch konnte die Galerie auch Gemälde von Carracci, Guercino und Velázquez ihr eigen nennen, die jetzt auch im Belvedere zu sehen sind.

Als eines der Glanzstücke der Sammlungsepoche könnte 1754 der Erwerb von Raffaels „Sixtinischer Madonna“ gelten – einem der wohl berühmtesten Gemälde der italienischen Renaissance überhaupt. Wenngleich viele Menschen gar nicht das Gemälde in seiner ganzen Pracht kennen; die meisten kennen eher die beiden Puttenfiguren – Raffales Engel –, die vom unteren Bildrand auf ihre Ellenbogen gestützt ins Bild blicken. Einer von vielen Höhepunkten der Sammlung ist auch Jan Vermeers „Briefleserin am offenen Fenster“, ein Ölgemälde aus der Frühphase seines künstlerischen Schaffens, datiert mit 1657.

So versammelt die Galerie heute bedeutende Meisterwerke aus dem 15. bis 18. Jahrhundert; die Schwerpunkte liegen auf der italienischen Malerei, hier besonders aus der Hochrenaissance und dem Barock, sowie der holländischen und flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts.

In der aktuellen Ausstellung im Belvedere gehört die ganze Aufmerksamkeit den Werken der „alten Meister“ aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Umso treffender ist deshalb die Wahl des Winterpalais von Prinzen Eugen als Ausstellungsort – hat er doch zur selben Zeit wie August II. und August III. seine (Kunst-)Schätze aus vielen Ländern zusammengetragen. So reich, wie die Sammlung der Gemäldegalerie in Dresden ist, so umfassend und breit gefächert soll auch die Ausstellung im Belvedere sein. Ein getreues Abbild der Vielfalt ihrer Schätze soll dem Betrachter vermittelt werden. So werden neben den Aktivitäten am sächsischen Hof auch die Bedeutung der Dresdner Kunstakademie und unterschiedliche Genres gezeigt. Wahrhaft bedeutende Werke sind darunter: Tizians „Bildnis einer Dame in Weiß“ und Anthonis van Dycks „Der Heilige Hieronymus“ (1615/16) oder Rembrandts „Ganymed in den Fängen des Adlers“ (1635).

Kopf- und Charakterstudien

Auch Stillleben – vorwiegend von holländischen und flämischen Künstlern – und Porträts können bewundert werden. Besonders die Porträts sind speziell: Es handelt sich dabei um „Tronies“ (Niederländisch für Kopf/Gesicht/Gesichtsausdruck), die eine Art Kopf- und Charakterstudien von nicht näher identifizierbaren Personen sind. Zu einer eigenständigen Kunstform wurden die „Tronies“ vor allem im Umkreis von Rembrandt. Die Blüte dieser Porträtform in Holland bilden die Werke von Jan Lievens, dessen Stil zeitweise sehr unter dem Einfluss von Rembrandt stand, und Jacob Backer aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ab. Auch der italienische Künstler Pietro Graf Rotari, der neben Italien, Wien und Dresden auch in Sankt Petersburg als Hofmaler tätig war, hat sich im 18. Jahrhundert Kopfbildnissen – vor allem mit interessanten Gesichtszügen – gewidmet. Diese Bilder sind als Serie konzipiert, das Bildformat wiederholt sich; sie können bunt und wechselnd kombiniert werden. Am Hof in Sankt Petersburg porträtierte Pietro Graf Rotari niemand geringeren als Zarin Elisabeth wie auch ihren Nachfolger Peter III. und seine Ehefrau Katharina II. (Katharina die Große).

In Dresden, der Heimat der heutigen „Gemäldegalerie Alte Meister“, hat Rotari Königin Maria Josepha, die Ehefrau von August III. von Polen und Sachsen, gemalt - jenem Kunstmäzen, der seinerzeit Großes zum Reichtum der Sammlung beigetragen hat.

Fotos: © Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut




„Rembrandt – Tizian – Bellotto“
Geist und Glanz der Dresdner Gemäldegalerie
Bis 8. November 2015
Belvedere, Winterpalais
Himmelpfortgasse 8
1010 Wien
www.belvedere.at



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2015