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ArchivÖÄZ 2015ÖÄZ 13-14 - 15.07.2015

Standpunkt - Vize-Präs. Johannes Steinhart


Der Wunderwuzzi-Arzt


© Zeitler


Immerhin: Nach zwei Jahren war es auch den Verantwortlichen im Hauptverband klar, dass beim Einladungssystem für das Brustkrebsfrüherkennungs-Programm Optimierungsbedarf besteht. Die dramatischen Frequenzeinbrüche bei den Teilnehmerzahlen waren ein mehr als klarer Beweis dafür, welchen Stellenwert die Empfehlung des Hausarztes und Gynäkologen hat, der das Vertrauen der Patientinnen genießt.

Rund zwei Jahre sind wir mittlerweile auch mit dem Hauptverband in Gesprächen bezüglich dringend notwendiger Adaptierungen bei der Vorsorgeuntersuchung: Ein Call- und Recall-System, E-Learning sowie Pläne zur Evaluierung der Daten liegen zur Umsetzung bereit – doch es tut sich nichts. Mühsam ist in diesem Zusammenhang nur ein Hilfsausdruck, der beschreibt, wie zäh hier der Modernisierungsprozess voranschreitet. Dass sich das Honorar auf dem Stand von 1995 befindet, ist nahezu unglaublich – aber leider wahr.

Und doch gibt es Bewegung im System: Alle Kraft voraus für ein PHC-Gesetz – dieses Motto könnte man hinter den Anstrengungen, die hier von allen Seiten bei der Umsetzung unternommen werden, vermuten. Dabei gibt es bereits gute gesamtvertragliche Lösungen und gestartete Pilotprojekte. Wozu also ein Gesetz? Etwa um die Gesamtverträge auszuhebeln?

Etwas Anderes kann ich mir allerdings sehr gut vorstellen: einen adäquaten Finanzierungsschub im niedergelassenen Bereich. Geld für ein zeitgemäßes Honorierungssystem für niedergelassene Allgemeinmediziner und Fachärzte; Geld, um die schon jetzt vorhandenen und bestens funktionierenden virtuellen und tatsächlichen Netzwerke und Gruppenpraxen zu fördern und auszubauen. Geld, um endlich die Lehrpraxen auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. Und natürlich auch Maßnahmen, die den Ärztinnen und Ärzten wieder Gestaltungsmöglichkeiten in ihrem Beruf bieten und sie nicht noch weiter mit Bürokratie und Kontrollmaßnahmen behindern.

Aber nein, die Gesundheitsplaner in diesem Staat haben anderes vor: Gegen den Willen aller Beteiligten – Ärzte wie Patienten – sollen völlig neue Versorgungseinheiten aus dem Boden gestampft werden. Und das, obwohl die Menschen in Umfragen betonen, wie wichtig ihnen die persönliche, wohnortnahe Betreuung des Hausarztes ist. Selbst der Hauptverbandschef hat kürzlich beim 4. Tag der Allgemeinmedizin die Gesprächsmedizin als außerordentlich wichtig bezeichnet. Warum geschieht hier dann nichts?

Darauf zu hoffen, dass die Ärztinnen und Ärzte, wenn sie in PHCs tätig sind, die Wunderwuzzis der Nation sind, ist blauäugig. PHCs sind keine flächendeckende Lösung für systemimmanente Probleme. Die nachhaltige Stärkung unserer niedergelassenen Ärzte sehr wohl!


Johannes Steinhart
3. Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2015