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ArchivÖÄZ 2015ÖÄZ 15-16 - 15.08.2015

kurz & informativ: Politische Kurzmeldungen (15.08.2015)


Medizinstudium: mehr als 11.000 Interessenten

Beim diesjährigen Medizin-Aufnahmetest haben sich 11.408 Interessenten um einen der insgesamt 1.560 Studienplätze beworben. Der Test fand gleichzeitig an den Standorten Wien, Graz, Innsbruck und Linz statt. In Wien gab es 5.657 Teilnehmer; in Innsbruck 2.753 und in Graz haben 2.523 Bewerber den bundesweit einheitlichen Test absolviert. Für die Studienplätze an der Medizinischen Fakultät Linz haben 475 Interessierte am Aufnahmetest teilgenommen. Heuer wurde der Test um eine Stunde verkürzt; neu ist der Testteil „Soziales Entscheiden“. An der MedUni Wien sind 740, in Innsbruck 400, in Graz 360 und in Linz 60 Studienplätze zu vergeben. 75 Prozent der Plätze sind für Studenten mit österreichischen Maturazeugnis, 20 Prozent für Studenten aus anderen EU-Ländern und fünf Prozent für Drittstaaten-Angehörige vorgesehen.


Vorarlberger GKK: massive Verluste erwartet

Die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) rechnet 2015 und 2016 durch „die exorbitante Steigerung“ der Heilmittelaufwendungen mit deutlichen Abgängen, wie deren Direktor Christoph Metzler mitteilte. 2014 hat die VGKK noch einen Überschuss von 1,4 Millionen Euro erzielt, die zur Gänze in die Leistungssicherungsrücklage (derzeit 35,3 Millionen Euro) fließen. Die Heilmittelaufwendungen beliefen sich 2014 auf insgesamt 99,4 Millionen Euro (420,25 Euro pro Kopf); um 5,3 Prozent mehr als 2013. Für 2015 wird ein Zuwachs von 8,3 Prozent erwartet. Die hohe Steigerung der Kosten führte Metzler auf „hochwirksame Medikamente“ zurück, die 2014 erstmals in Österreich zugelassen wurden. Anstatt der veranschlagten 4,9 Millionen Euro rechnet die VGKK deshalb für 2015 mit einem Abgang von rund 6,3 Millionen Euro.


EU: Konservierungsstoffe in Kosmetika eingeschränkt

Die EU schränkt den Einsatz von Konservierungsstoffen in Kosmetikprodukten ein. Schon seit Mitte April dieses Jahres dürfen Propylparaben und Butylparaben gar nicht oder nur in geringen Konzentrationen in Kosmetika enthalten sein. Jetzt wurde das Verbot auf zwei weitere Stoffe – Methylchloroisothiazolinon und Methylisothiazolinon (MCI/MI) – erweitert. Ziel ist es, das Risiko von Hautallergien zu minimieren.


Spanien: 16 Tonnen Haschisch-Schmuggel entdeckt

Die spanische Polizei hat auf einem Frachter fast 16 Tonnen Haschisch sichergestellt. Das unter der Flagge der Demokratischen Republik Kongo fahrende Schiff hatte die Drogen in einem doppelten Boden unter 1.500 Tonnen Salz geladen. Den Aussagen der Polizei zufolge zeige dies, dass immer häufiger Haschisch über Staaten der östlichen Mittelmeerregion nach Europa geschmuggelt werde. Die spanische Polizei hatte gemeinsam mit Fahndern in Frankreich und Italien sowie Europol ermittelt.


Wien: Gesamtpaket für KAV-Ärzte

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Wiener Ärztekammer, die Stadt Wien, die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten sowie der Krankenanstaltenverbund KAV auf ein Gesamtpaket für die rund 3.200 Ärzte des KAV geeinigt. Die 48-Stunden-Wochenarbeitszeit gemäß der EU-Richtlinie soll durch „moderne und zeitgemäßere“ Arbeitszeitmodelle und eine interne Umschichtung der Dienste erreicht werden. Die Tagesarbeitszeit wird künftig von 7.00 Uhr bis 19.00 Uhr gehen. Durch die Zentrale Notaufnahme werden die Spitalsambulanzen außerdem in der Nacht entlastet. Den 25-Stunden-Dienst, der in manchen Abteilungen notwendig ist, wird es weiterhin geben. War ursprünglich auch die Reduktion von 382 Ärztestellen bis 2018 geplant, wird man jetzt nach dem Prinzip „Umschichtung vor Reduktion“ vorgehen. Außerdem erhalten Turnusärzte künftig fünf Tage Prüfungsurlaub, Fachärzte 6,5 Tage für Fortbildung. Um das Gesamtpaket zu finanzieren, kommen 47 Millionen Euro aus den Dienstumschichtungen sowie 19,9 Millionen Euro zusätzlich von der Stadt Wien. Die Grundgehälter werden angehoben, die Gehaltskurve deutlich abgeflacht. Sowohl der Präsident der Wiener Ärztekammer, Univ. Prof. Thomas Szekeres, als auch Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) zeigten sich mit dem erzielten Ergebnis zufrieden. „Jetzt hat auch das letzte Bundesland eine Lösung“, so Szekeres.


Rektorswahl an MedUni Wien: kein Aufsichtsverfahren

Das Wissenschaftsministerium wird kein aufsichtsbehördliches Verfahren gegen die Rektorswahl an der MedUni Wien einleiten. Nach bisherigen Erkenntnissen gäbe es „keinen Hinweis auf eine Verletzung von Gesetzen oder Verordnungen“, erklärte Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen. Kritik an der Ende Mai durchgeführten wahl gab es unter anderem, weil zehn statt wie in der Wahlordnung vorgesehen bis zu acht Kandidaten zum Hearing eingeladen worden waren. Die MedUni rechtfertigt dies mit Ex-Aequo-Platzierungen bei der Reihung. Auch die Kritik, dass die Wahl durch den Uni-Rat mehr als vier Wochen nach Vorliegen des Dreier-Vorschlags durch den Senat und damit verspätet erfolgt sei, weist das Wissenschaftsministerium zurück: der Dreiervorschlag des Senats sei erst verbindlich geworden, als der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen keinen Diskriminierungsverdacht geäußert habe. Damit sei die Rektorswahl fristgerecht erfolgt.


Mehr Länder erreichen Impfziele bei Kindern

Im Jahr 2014 haben doppelt so viele Länder eine 90-prozentige Durchimpfung von Kindern mit Routine-Impfstoffen erreicht als im Jahr 2000. In 129 Staaten erhielten beispielsweise mindestens neun von zehn Kindern die erforderlichen drei Dosen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP3), wie die WHO (Weltgesundheitsorganisation) mitteilte. In sechs Ländern – darunter der Südsudan, Tschad und Somalia – liegt die Durchimpfung gegen DTP unter 50 Prozent. Laut WHO wird jedes fünfte Kind nicht ausreichend gegen lebensbedrohliche Krankheiten immunisiert.


Ärzte-Automatikfaktor 2015

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hat den Ärzte-Automatikfaktor (Honorarautomatikvereinbarung) für das Jahr 2015 mit 1,0177 errechnet. Die Berechnungsgrundlagen beruhen auf der Juni-Auswertung aus der Versicherungsdatei des Hauptverbandes, wobei für 2013 99,4 Prozent und für 2014 insgesamt 99,5 Prozent der Beitragsgrundlagen erfasst wurden.


OMR Rudolf Leitgeb verstorben

Der ehemalige Präsident (1990 - 1994) der Ärztekammer Burgenland, der in dieser Zeit auch Finanzreferent der Österreichischen Ärztekammer war, OMR Rudolf Leitgeb ist am 22. Juli 2015 im 90. Lebensjahr verstorben.


Medizin-Fakultät Linz: Petra Apfalter Dekanin

Ab Herbst dieses Jahres wird die Leiterin des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Krankenhaus der Elisabethinen Linz, Univ. Prof. Petra Apfalter (47), Dekanin der medizinischen Fakultät. Mit insgesamt fünf Vize-Rektoren hat die Uni Linz das größte Rektorat der heimischen Universitäten: Andreas Janko wird Vizerektor für Lehre, Andreas Ney für Forschung; Barbara Romauer, die amtierende Vizerektorin für Finanzen, wurde für eine weitere Periode bestellt; Dorothea Greiling übernimmt das neu geschaffene Ressort Personal, IT und Gender.


MedUni Graz: „Arbeitsmedizin“ erstmals verpflichtend

Erstmals in Österreich wird an der Medizinischen Universität Graz die Arbeitsmedizin im Ausmaß von einer Semester-Wochenstunde verpflichtend im Humanmedizin-Curriculum gelehrt. „Hier wurden nun an der MedUni Graz erstmals Lernziele im Fach Arbeitsmedizin definiert und für die Pflichtlehre als hauptverantwortlich genannt“, erklärt der verantwortliche Modulkoordinator und Bundesfachgruppenobmann für Arbeitsmedizin der ÖÄK, Georg Wultsch. Alle großen Themen der Arbeitsmedizin werden systematisiert angesprochen und berücksichtigt. Schon seit drei Semestern läuft das spezielle Studienmodul „Arbeit - Gesundheit – Prävention“, das als Wahlpflichtfach frei wählbar ist. „Mit rund 20 Anmeldungen pro Semester ist die Resonanz groß“, so Wultsch dazu. Neben der Theorie wird dabei bei drei Betriebsbesuchen, Übungen, Projektbesuchen sowie Evaluierungen vor Ort der Praxisbezug hergestellt. Die Inhalte sind breit gefächert und reichen von grundlegenden Informationen zur Definition, Geschichte und Zukunft der Arbeitsmedizin über Arbeitspsychologie und psychische Belastungen bis hin zur Diagnostik und Prävention von unterschiedlichen Berufserkrankungen. Auch gesetzliche Bestimmungen des Arbeitnehmerschutzes und arbeitsmedizinische Befunde werden eingehend thematisiert. Die Studierenden sollen nach Abschluss des Moduls eigenständig Arbeitsplätze und die damit verbundenen Gefährdungen auf Grund der erworbenen Fähigkeiten beurteilen können, und die erhobenen Daten interpretieren und in Hinblick auf arbeitsmedizinische Relevanz bewerten können. Dazu der für Studium und Lehre verantwortliche Vizerektor der MedUni Graz, Univ. Prof. Hans-Peter Dimai: „Mit diesem zukunftsweisenden Schritt in der Ausbildung unserer zukünftigen Ärztinnen und Ärzte unterstreicht die Medizinische Universität Graz einmal mehr ihre führende Rolle als österreichische Gesundheitsuniversität“.


Graz: MedUni und KAGes verlängern Kooperationsvertrag


Nach intensiven Verhandlungen haben die Medizinische Universität Graz und die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft KAGes den seit fünf Jahren bestehenden Kooperationsvertrag zur gemeinsamen Verwaltung bis zum Jahr 2020 verlängert. Im Rahmen von „Optimierungen und Anpassungen innerhalb der Klinikorganisation“ werden einzelne Universitätskliniken und Abteilungen zusammengelegt. So etwa die Uniklinik für Psychologie und Psychotherapie mit der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin; die klinischen Abteilungen für Angiologie und Kardiologie zum „Herz-Gefäß-Zentrum“. Die In-Vitro-Fertilisation an der Uniklinik für Frauenheilkunde wird stillgelegt. In den zusammengelegten oder in die Klinik integrierten Bereichen sollen Krankenversorgung, Forschung und Lehre in vollem Umfang erhalten bleiben. 2010/2011 haben die MedUni Graz und die KAGes österreichweit erstmals einen Kooperationsvertrag geschlossen, der nicht nur den Geldfluss sondern auch Personal- und Infrastrukturfragen gemeinsam regelt.



ÖÄK verleiht Ehrenzeichen an:

Frank Ulrich Montgomery,
Präsident der deutschen Bundesärztekammer, erhielt Anfang Juli im Rahmen der 61. Konsultativtagung deutschsprachiger Ärzteorganisationen in der Steiermark das Goldene Ehrenzeichen der Österreichischen Ärztekammer aus den Händen von Präsident Artur Wechselberger. Wie der ÖÄK-Präsident in seiner Laudatio ausführte, sei Montgomery ein großer Europäer, dessen Einsatz gegen eine Verschlechterung der europäischen Arbeitszeitrichtlinie auch den österreichischen Ärztinnen und Ärzten zugutekomme. Montgomerys als Chef der Spitalsärztegewerkschaft Marburger Bund 2006 geführter Kampf um angemessene Arbeitsbedingungen habe darüber hinaus eine vergleichbare Entwicklung in der Alpenrepublik vorgezeichnet. Im Weiteren habe sich der Spitzenrepräsentant von über 400.000 deutschen Ärztinnen und Ärzten in besonderer Weise gegen die Normierung (CEN) eingesetzt, womit er die Interessen und Intentionen der österreichischen Ärzteschaft nachhaltig unterstützte. Wechselberger sieht im deutschen Ärztepräsidenten auch ein Bollwerk für den Erhalt der nationalstaatlichen Kompetenzen im Gesundheitswesen gegenüber den zentralistischen Absichten Brüssels. Schließlich pflege der Hamburger Radiologe mit englischen Wurzeln sehr aktiv den Dialog und den Erfahrungsaustausch mit Österreich, eine Initiative, die in Anbetracht der grenzüberschreitenden, gemeinsamen Probleme und politischen Absichten gar nicht hoch genug einzuschätzen sei.

Gabriele Kogelbauer
Das Goldene Ehrenzeichen der ÖÄK erhielten Gabriele Kogelbauer und Dietmar Bayer, das Silberne Ehrenzeichen Erwin Zanier von ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger im Rahmen einer Feierstunde. In seiner Laudatio würdigte Artur Wechselberger Gabriele Kogelbauer als diejenige, die als erste „versuchen musste“, die Kurienkammer zu leben – als Kurienobfrau angestellte Ärzte in Wien und auch auf Bundesebene von 1999 bis 2003. Besonders hob er ihren Einsatz, die Kurienkammer in den Bundesländern zu fördern, hervor. Auch sei Kogelbauer – sie ist Fachärztin für Gastroenterologie – immer dafür gestanden, die Interessenspolitik frei zu gestalten.

Dietmar Bayer
Dietmar Bayer war von 2003 bis 2007 Präsident der Ärztekammer Steiermark und ÖÄK-Vizepräsident. Bayer sei ein Kollege mit Visionen, Vorausschau und mit Ausdauer und Durchhaltevermögen, erklärte Wechselberger. Bayer – er ist Facharzt für Psychiatrie – war ganz zu Beginn seiner standespolitischen Aktivität Turnusärztevertreter in der Steiermark; er erwarb sich speziell als Experte in EDV-Fragen Verdienste und leistete entscheidende Vorarbeiten für ein gerichtetes Befundaustauschsystem im ärztlichen Bereich.

Erwin Zanier
Seit 1982 ist Erwin Zanier als niedergelassener Allgemeinmediziner in Kufstein tätig. Er hat wesentlich zur Etablierung der Sportmedizin in Österreich beigetragen – so leitet er etwa seit 1986 Sportärztereferat der Ärztekammer Tirol. Er, Zanier, habe bei seiner Tätigkeit das, was Sportärzte brauchten, mit dem wissenschaftlichen Input verbunden, betonte Wechselberger. In der ÖÄK ist Zanier darüber hinaus über viele Jahre hinweg als Rechnungsprüfer und auch als Referent für Wohlfahrtsfondsangelegenheiten tätig.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2015