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ArchivÖÄZ 2015ÖÄZ 17 - 10.09.2015

Standpunkt - Vize-Präs. Karl Forstner


Muss man sich Sorgen machen?


© Ärztekammer für Salzburg

Keine Spur von Urlaubsruhe, nicht einmal auf das mediale Sommerloch ist Verlass. Kaum waren zukünftige Registrierkassenpflicht, Ausweiskontrollen und Mystery Shopping in ärztlichen Ordinationen im Parlament beschlossen, wurden wir in Kenntnis gesetzt, dass ein „PHC-Gesetz“ in seinen letzten Zügen der Vorbereitung und somit unmittelbar vor der Tür stehe.

Die vor kurzem noch vermeintlich sanierten Krankenkassen prognostizieren erhebliche Verluste. Sie haben neben der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit der Medikamentenpreisentwicklung eine Hauptursache, und mit der Pharmaindustrie auch einen Schuldigen identifiziert. Diese verteidigt unter Hinweis auf Innovation ihre Preisgestaltung und empfiehlt in bestechender Originalität das Sparen in anderen Bereichen. Und weil es um Sparen und Originalität geht, durfte natürlich Hauptverbandschef McDonald nicht fehlen. Sein ansatzloser Hüftschuss gegen die „Kur“ verdient zumindest schießtechnisch Respekt. Nachdenken kann man ja später. Dann aber auch eine Meldung aus der Standesvertretung. Weil niedergelassene Ärzte mit all diesen Entwicklungen nicht zufrieden seien, drohten sie mit Maßnahmen bis hin zum Streik.

Dies ist eine Auswahl der medialen Sommer- und Urlaubsbeobachtung. Viele Themen ohne mediale Aufmerksamkeit bleiben hier unberücksichtigt. Aber auch diese Auswahl reicht für massives Unbehagen. Ich will die inhaltlichen Aspekte der angesprochenen Punkte hier sicher nicht aufgreifen, aber der Stil der Auseinandersetzung kann nicht hingenommen werden und kann nicht dauerhaft bleiben. Ja, diese unsere Gesellschaft steht vor neuen Herausforderungen, sie verändert sich fundamental, und manchmal beängstigend in Geschwindigkeit und Richtung. Das Gesundheitssystem wird sich dem nicht entziehen können. Dies wird auch von Ärztinnen und Ärzten Flexibilität bei den beruflichen Rahmenbedingungen, Änderungen in den Strukturen und gewohnten Arbeitsabläufen fordern und unverzichtbar machen. Grundsätzlich sollte ja ein Berufsstand, der mit einer fast einzigartigen Wissensdynamik konfrontiert ist und mit dieser auch umgehen muss, mit Veränderungen zurechtkommen.

Diesen notwendigen Anpassungen, diesem Umbau kann und wird sich eine Ärzteschaft nicht verschließen. Aber sie wird dialogfähige Partner brauchen. Partner, die nicht in den Widersprüchen unlogischer Finanzströme, in der Polyphonie von Zuständigkeiten und in dogmatischen Einmauerungen gefangen sind. Wir brauchen Partner, die für diese Gesellschaft verbindliche Ziele definieren, die auch ökonomisch nachhaltig bedeckt sind. Dieser gesellschaftliche Auftrag muss nicht zwingend mit ärztlichen Positionen idealtypisch übereinstimmen. Er ist aber Grundvoraussetzung für einen redlichen Diskurs mit der Ärzteschaft. Wenn wir in dieser Republik dazu nicht schleunigst fähig sind, dann sollte man sich ernsthaft Sorgen machen.


Farl Forstner
Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 17 / 10.09.2015