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ArchivÖÄZ 2015ÖÄZ 18 - 25.09.2015

CIRSmedical - Fall des Monats: Eisensubstitution


Über das Auftreten von Nebenwirkungen bei einer intravenösen Eisentherapie in einer Ordination berichtet eine Allgemeinmedizinerin.


Fallbeschreibung: Eine Allgemeinmedizinerin berichtet über die Nebenwirkungen einer intravenösen Eisentherapie beim Routinebetrieb in ihrer Ordination. Die Ärztin erklärt der aufgeregten Patientin, sich zu melden, wenn etwas sein sollte. Fünf Minuten später kommt eine andere Patientin und holt die Ärztin zur Patientin, die die Eiseninfusion erhält. Diese atmet schwer, ist fast bewusstlos. Die Infusion wurde sofort abgestellt und der Notarzt verständigt. Die Patientin erholte sich sehr rasch, der Notarzt wurde storniert und die Patientin konnte allein nach Hause gehen.



Fachkommentar der CIRSmedical-Experten

Lösungsvorschlag bzw. Fallanalyse: Infusions-assoziierte Nebenwirkungen sind abhängig von der medikamentösen Infusionslösung und haben unterschiedliche Schweregrade. Eiseninfusionen waren früher gefürchtet bezüglich des Auftretens von Anaphylaxien, welche sich vor allem auf Dextran-haltige Präparate beschränken. Eine Testdosis wird daher für Eisendextran empfohlen. Modernere intravenöse Eisenpräparate haben deutlich weniger Risiko für allergische Reaktionen. Viel häufiger ist die sogenannte „Freie-Eisen-Reaktion” bei Eisensaccharat, die mit Blutdruckabfall, Tachykardie, Luftnot und Schwellung der Beine und eventuell Arme einhergehen kann. Dies ist eine dosisabhängige Nebenwirkung, die häufig am Ende der Infusion auftritt. Andere wichtige Nebenwirkungen betreffen paravenöse Infusion, die bei konzentrierter Gabe zu lokalen Gewebsnekrosen führen kann. Die beschriebene Nebenwirkung ist am ehesten eine milde „Freie-Eisen-Reaktion”. Das sofortige Beenden der Infusion und Beobachten der Vitalzeichen ist die wichtigste Maßnahme. Die Gabe von freier Flüssigkeit ist abzuraten, da dadurch eventuell ein Hirnödem und assoziierte neurologische Symptome ausgelöst werden können. Entsprechende Überwachung durch medizinisches Personal beziehungsweise ein Notalarmknopf bei der Infusionsstation helfen, diese Reaktion frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

Rechtliche Gegebenheiten: Die EMA und die Nationalen Gesundheitsbehörden haben im Herbst 2013/Frühjahr 2014 einen Warnbrief zur Verabreichung von intravenösen Eiseninfusionen veröffentlicht, in dem eine Reihe von Maßnahmen empfohlen werden, damit lebensbedrohliche Komplikationen vermieden werden. Diese Maßnahmen beinhalten die Anwesenheit von geschultem medizinischem Personal zur Behandlung von anaphylaktischen Reaktionen, die Möglichkeit zur Herz-Lungen-Reanimation, das Überwachen während der Infusion bezüglich Auftreten von Überempfindlichkeitsreaktionen und das sofortige Unterbrechen der Infusion, sowie das Überwachen bezüglich unerwünschter Ereignisse 30 Minuten nach Beendigung der Infusion.

Neue Erkenntnisse: Unterschiedliche Eisenkomplexe haben ein unterschiedliches Nebenwirkungsspektrum. Anwender sollten Patienten über die individuellen Risikosituationen aufklären und anamnestisch allergische Reaktionen erheben.

Gefahren- /Wiederholungspotential: Häufige Fehler bei Eiseninfusionen sind zu hohe Medikamentenverdünnungen oder falsche Trägerlösungen. Die unterschiedlichen intravenösen Eisenprodukte verlangen unterschiedliche Verdünnungen beziehungsweise können zum Teil auch konzentriert verabreicht werden. Auch die Infusionszeit muss dem individuellen Produkt angepasst werden. Die Angaben der Hersteller sind diesbezüglich zu beachten.

Weiterführende Literatur/Ausbildungsempfehlungen: Bircher, A. J. & Auerbach, M. Hypersensitivity from intravenous iron products. Immunology and allergy clinics of North America 34, 707- 723, x-xi, doi:10.1016/j.iac.2014.04.013 (2014). Auerbach, M. et al. On the safety of intravenous iron, evidence trumps conjecture. Haematologica 100, e214-215, doi:10.3324/haematol. 2014.121004 (2015)
ExpertIn für Innere Medizin (medizinisch-fachlicher Aspekt)



Fachkommentar der CIRSmedical-Experten
Grundsätzlich erfordern Eiseninfusionen eine strenge Indikationsstellung (diese sollte auch entsprechend dokumentiert sein) - sie sind Mittel der zweiten Wahl zur Behandlung eines Eisenmangels, wenn eine Therapie mit oralen Eisenpräparaten nicht erfolgreich oder nicht möglich ist (zum Beispiel bei entzündlichen Darmerkrankungen). Die Anwender müssen genau über die Risken des jeweiligen Präparates und deren korrekte Anwendung informiert sein (zum Beispiel betreffend Verdünnung). Während der gesamten Infusion muss eine Person anwesend sein, die Zeichen einer Unverträglichkeit erkennt, die Infusion in diesem Fall sofort unterbricht und gegebenenfalls Notfallmaßnahmen einleitet. Die Überwachung ist bis 30 Minuten nach Beendigung der Infusion sicherzustellen.
ExpertIn des BIQG



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 18 / 25.09.2015