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ArchivÖÄZ 2015ÖÄZ 7 - 10.04.2015

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (10.04.2015)


YAP-Gen: Defekt verursacht schlaffes Gewebe

Ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung hat herausgefunden, dass bei Medaka-Fischembryos das defekte YAP-Gen die Ursache dafür ist, dass das Gewebe der Schwerkraft nachgibt, abflacht und deformiert. Den gleichen Effekt sahen die Forscher des Institute of Science and Technology in Klosterneuburg bei Wien auch bei im Labor kultivierten menschlichen Stammzellen, die einen runden Zellverband bilden. Auch sie wurden durch äußere Krafteinwirkungen abgeflacht. Eine von der YAP-Funktion abhängige Gewebespannung könne bei der Selbstorganisation von verschiedenen Geweben wichtig sein, was etwa beim Herstellen von komplexen Organen aus Stammzellen zu berücksichtigen wäre, erklärten die Wissenschafter.
APA/Nature


Korbzellen steuern neuronale Lernprozesse


Ein Team um Pico Caroni vom Friedrich Miescher Institut (FMI) in Basel hat bei Mäusen zwei verschiedene Untertypen von Korbzellen entdeckt, die bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle spielen. Der eine Typ Korbzellen entsteht den Wissenschaftern zufolge erst spät in der Gehirnentwicklung und wird durch anderen Hirnzellen ausgebremst, wenn möglichst viel und breit Information gesammelt werden muss. Der andere Typ entsteht früh in der Embryonalentwicklung und wird dann angeregt, wenn etwas Gelerntes verfeinert und gefestigt werden muss. Dies entspricht exakt der Lernstrategie, die sich Informatiker auf theoretischer Basis für lernende Maschinen ausgedacht haben: Erst flexibel alle Möglichkeiten ausprobieren, und dann, wenn der Fehler klein genug ist, nur noch kleine Änderungen zulassen.
APA/Neuron


Längeres Stillen steigert Intelligenz

Längeres Stillen erhöht die Intelligenz mindestens bis zum 30. Lebensjahr, wie Forscher der brasilianischen Universität Pelotas herausgefunden haben. Untersucht wurde die Entwicklung von 3.500 Neugeborenen, die bis zu zwölf Monate gestillt wurden, über 30 Jahre hindurch. Demnach wiesen diese Personen durchschnittlich um vier IQ-Punkte mehr auf und auch 0,9 Jahre mehr an Schulbildung.
APA/The Lancet


Depressive Jugendliche schneller internetsüchtig


Besonders gefährdet, eine Internet-Sucht zu entwickeln, sind Jugendliche mit Depressionen. Experten zufolge suchen sie dabei die oftmals im realen Leben fehlende Bestätigung und Selbstwertsteigerung im Netz. Auch soziale Netzwerke hätten „ähnlich suchterzeugenden Charakter“. Ganz generell sei der exzessive Medienkonsum das adoleszente Risikoverhalten des 21. Jahrhunderts.
APA


Weltweit erste erfolgreiche Penis-Transplantation

Südafrikanische Ärzte haben nach eigenen Angaben die erste erfolgreiche Penis-Transplantation der Welt vorgenommen. Ein 21-Jähriger erhielt Mitte Dezember 2014 in einer neunstündigen Operation am Tygerberg-Krankenhaus in Kapstadt den Penis eines verstorbenen Spenders. Den Angaben der Ärzte zufolge ist der Patient wohlauf und das Organ voll funktionsfähig.
APA


Ebola-Impfstoffe: erste Tests erfolgreich

Zwei Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit haben bei ersten Tests, die Anfang Feber dieses Jahres in der liberianischen Hauptstadt Monrovia begonnen haben, positive Ergebnisse gezeigt, erklärten die USamerikanischen National Health Institutes. Insgesamt wurden 600 Menschen geimpft; ein Impfstoff stammt von einem britischen Konzern, der andere von der kanadischen Gesundheitsbehörde.
APA


Längerer Schmerz: emotionaler Prozess

Schmerz hat schon nach Minuten Auswirkungen auf emotionale Bereiche des Gehirns und ist messbar, wie Neurologen um Markus Ploner vom Klinikum der Technischen Universität München rechts der Isar herausgefunden haben. Im Rahmen der Studie wurden 41 Probanden Hitzereizen an der Hand ausgesetzt, die über zehn Minuten in ihrer Stärke variierten. Auf einer Skala bewerteten die Probanden ständig die Schmerzstärke. Schon über wenige Minuten veränderte sich laut den Forschern die subjektive Schmerzwahrnehmung der Teilnehmer: So spürten sie zum Beispiel Änderungen des Schmerzes, wenn der objektive Reiz unverändert blieb. Ploner dazu: „Der Schmerz hat über die zehn Minuten nur noch ganz wenig zu tun mit dem, was objektiv passiert.“ Dieses erste Experiment mit minutenlangen Reizen – zuvor wurden Reize nur über Sekunden untersucht – zeigt, dass ein Schmerz, der länger andauert, sich offensichtlich von einem reinen Wahrnehmungsprozess zu einem mehr emotionalen Prozess wandelt. Diese Erkenntnisse könnten neue Ansätze für die Diagnose und Behandlung von chronischen Schmerzen darstellen.
APA/Cerebral Cortex



Herzkatheter: Zugang beeinflusst Mortalität

Wird ein Herzkatheter über das Handgelenk anstatt über die Leiste eingeführt, kommt es zu weniger Blutungen und Todesfällen. Dies konnte ein Team an der Universität Bern mit Beteiligung von Peter Jüni im Rahmen einer internationalen Studie nachweisen. Die Studie basiert auf Daten von rund 8.400 Patienten mit einem akuten Myokardinfarkt oder einem hohen Risiko dafür. Nach 30 Tagen wurden bei jener Hälfte der Patienten, bei denen das Handgelenk als Zugangsort für den Herzkatheter gewählt wurde, 66 Todesfälle beobachtet - ein Viertel weniger als bei den Patienten mit Leiste als Zugangsort, wo es zu 91 Todesfällen kam. Dieser Rückgang bei der Mortalität ist laut dem Erstautor der Studie, Marco Valgimigli von der Universität Rotterdam, darauf zurückzuführen, dass beim Zugang über das Handgelenk lediglich 16, bei jenem über die Leiste 43 Blutungen registriert wurden. Die Forscher gehen davon aus, dass mit einer vollständigen Umstellung des Zugangs von der Leiste auf das Handgelenk allein in der Schweiz jährlich mehrere hundert Todesfälle vermieden werden können.
APA/The Lancet


Erziehung fördert narzisstische Persönlichkeitsstörungen

Wissenschafter um Eddie Brummelman von der Universität Amsterdam untersuchten die Ursache von Narzissmus und fanden sie in der Erziehung durch die Eltern. Der Studie zufolge fördern Mütter und Väter, die ihre Kinder überhöhen und ihnen dadurch vermitteln, sie seien besser als andere, die Entwicklung von narzisstischen Persönlichkeitsstörungen. Die Psychologen und Erziehungswissenschafter befragten insgesamt 565 niederländische Kinder zwischen sieben und elf Jahren sowie deren Eltern über zwei Jahre hindurch alle sechs Monate. Jene Heranwachsenden, deren Eltern ihnen vermittelt hatten, „besonderer als andere Kinder“ zu sein oder „im Leben etwas Außergewöhnliches zu verdienen“, wiesen später narzisstische Züge auf. Sie besaßen wenig Einfühlungsvermögen und reagierten überempfindlich auf Kritik. Dies sei sowohl für sie selbst als auch für die Gesellschaft, in der sie leben, problematisch, warnen die Forscher.
APA/PNAS



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 7 / 10.04.2015