Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2015ÖÄZ 9 - 10.05.2015

Standpunkt - Vize-Präs. Karl Forstner


„Glanzleistung“

© AEK für Salzburg

Man macht sich zurecht Sorgen um unser Gesundheitssystem. Dabei will ich hier gar nicht von der Substanz der vielen „offenen Baustellen“ reden, auch nicht von den divergierenden Auffassungen von Standesvertretung und den sogenannten gesundheitspolitischen Eliten sondern von den „handwerklichen“ Defiziten der Herangehensweise.

So werden etwa seit Jahren die Ärztezahlen in Österreich insbesondere in ihrer prognostischen Projektion wahlweise für den Beweis von Überversorgung oder als Argument für den drohenden Mangel und somit als Rechtfertigung für die Quotenregelung an den medizinischen Universitäten angeführt. Wie man hier mit dem Oszillieren zwischen diametralen Positionen Kompetenz und Handlungsfähigkeit zeigen will, bleibt wohl allen, der Ärzteschaft, der Bevölkerung und auch den Partnern in den EU-Gremien verborgen.

Nunmehr sind wir allerdings Zeugen einer neuen Glanzleistung. Die längst überfällige und seit Jahren in Verhandlungen stehende Ausbildungsreform mit inhaltlichen, der Entwicklung der Medizin angepassten Veränderungen, Verbesserungen der Qualitätssicherung und Neustrukturierung der Sonderfächer nach internationalen Standards sollte demnächst starten. Aber leider – zu früh gefreut. Denn die Gesundheitsreferenten einiger Bundesländer haben Ende April dieses Jahres – zusätzliche Kosten werden befürchtet – den sogenannten Konsultationsmechanismus ausgelöst. Das heißt im Klartext: die Reform wird wenige Wochen vor dem schon lange geplanten Start auf die lange Bank geschoben. Nachvollziehbar ist das nicht.

Denn zunächst erweist sich die Argumentation, wonach die Kosten steigen, bei sachlicher Analyse als falsch. Hier werden etwa Mehrkosten als Folge von Maßnahmen der neuen Ausbildungssystematik angeführt, die bereits in der bestehenden Ausbildungsordnung verankert sind, allerdings nur in sehr beschränktem Ausmaß befolgt werden.

Viel enttäuschender und folgenreicher ist allerdings ganz generell die Vorgehensweise. Die nunmehr kritisierten Punkte wurden ja nicht unter Ausschluss der Länder beschlossen, sondern in jahrelangen Verhandlungen vereinbart, ja teilweise sogar auf expliziten Wunsch der Bundesländer implementiert.

Argumentative Konsistenz, also in sich widerspruchsfreie Verhandlungspositionen, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit sind Grundbedingungen, um bei Verhandlungen ernst genommen zu werden. Der Dialog mit Partnern fällt schwer – fehlen diese Voraussetzungen offensichtlich gänzlich.


Karl Forstner
1. Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 9 / 10.05.2015