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ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 10 - 25.05.2016

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (25.05.2016)


Lyme-Borreliose: Ixodes-Kit zur Früherkennung

Im Rahmen des EU-Projekts „ID-Lyme“ sind Wissenschafter des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien an der Entwicklung eines neuen Tests zur Früherkennung der Lyme-Borreliose beteiligt. Die derzeitige Standard-Laboruntersuchung – Antikörpertests – ergibt frühestens drei bis vier Wochen nach der Infektion ein aussagekräftiges Ergebnis. Institutsleiter Univ. Prof. Hannes Stockinger: „Mit den aktuellen Tests wird oft auch eine reine Antikörper- Reaktion als Infektion interpretiert und mit Antibiotika behandelt, obwohl das gar nicht nötig wäre, da es sich bereits um eine lang zurückliegende oder ausgeheilte Infektion handelt.“ Ziel der Wissenschafter ist es, den weltweit ersten „Point-of- Care-Test“ mitzuentwickeln, mit dem eine aktuelle Infektion nachgewiesen werden könnte. „Ixodes-Kit“ – so der Name des Tests – soll im Herbst 2016 klinisch zum Einsatz kommen. MedUni Wien


Chronischer Schmerz: Astrozyten beteiligt

An der Entstehung von chronischen Schmerzen dürften nicht nur Nervenzellen, sondern auch Astrozyten beteiligt sein. Ein wesentlicher Mechanismus zur Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses findet an den Kontaktstellen von Nervenzellen im Rückenmark statt: die synaptische Langzeitpotenzierung. Lange Zeit hat man sich nur auf die Erforschung von Nervenzellen konzentriert; jedoch spielen auch die Astrozyten eine Rolle. Im Tierversuch konnte Assoc. Prof. Ruth Drdla-Schutting von der Abteilung für Neurophysiologie der MedUni Wien chronische Schmerzen durch die Blockade von Astrozyten teilweise rückgängig machen. Drdla-Schutting hat die Anwendung von Astrozyten-spezifischen DREADDs (Designer Receptors Exclusively Activated by Designer Drugs) etabliert. Dabei bedient man sich genetisch veränderter Rezeptoren, die als Sensoren auf der Oberfläche von Zellen sitzen und Signale in das Zellinnere weiterleiten. Diese Sensoren werden nicht durch körpereigene Substanzen sondern stattdessen gezielt durch Clozapine-N-Oxid aktiviert. Erste Untersuchungen, wie sich die Aktivierung von Astrozyten mithilfe von DREADDs auf das Schmerzgedächtnis auswirkt, sind derzeit am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien im Laufen.
APA


HIV: Antikörpergabe schützt vor Infektion

Im Tierversuch hat die einmalige Gabe von Antikörpern Makaken bis zu 23 Wochen lang vor einer Ansteckung mit HIV bewahrt. Das hat ein Team um Malcom Martin vom nationalen Institut für Allergie und Infektionskrankheiten in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) herausgefunden. Besonders wirksam waren dabei Antikörper, deren Halbwertszeit im Körper zuvor durch chemische Modifikationen verlängert wurde. Immunisierte Affen waren durchschnittlich 14,5 Wochen vor einer Ansteckung geschützt; Makaken ohne Antikörper-Therapie infizierten sich im Durchschnitt nach rund drei Wochen. Laut Martin könnte bei der passiven Immunisierung gegen HIV unter Umständen der Schutz durch eine Kombination der getesteten Antikörper sogar noch erhöht werden.
APA/Nature


Normale Lebenserwartung bei ausgeheilter Hepatitis C

Savino Bruno von der Humanitas Universität in Rozzana (Italien) und Co-Autoren haben 1.802 Patienten mit chronischer Hepatitis C und bereits vorhandener Leberzirrhose beobachtet. 795 der Betroffenen erhielten – meist rund ein Jahr lang – Interferon alpha. Bei 181 konnte die Infektion langfristig völlig unterdrückt werden. Bei den seit einigen Jahren erhältlichen neuen Arzneimitteln sind jedoch Heilungsraten von 95 Prozent innerhalb von drei Monaten möglich. Beim Vergleich der Überlebensraten mit der Allgemeinbevölkerung zeigte sich, dass nach zehn Jahren noch 90 Prozent der Patienten am Leben waren; nach 20 Jahren 63 Prozent. Das entspricht der Überlebensrate der Normalbevölkerung. APA/Journal of Hepatology


Dampf-Ablationstherapie bei Lungenemphysem

Im Zuge der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion wird unter einer kurzen Narkose gezielt Energie in Form von erhitztem Wasserdampf an emphysematöses Lungengewebe abgegeben. Die Auswirkungen dieser Therapie untersuchte eine Forschergruppe aus Heidelberg und Wien unter der Leitung von Univ. Doz. Arschang Valipour vom Otto-Wagner-Spital in Wien. 70 Patienten mit Atemnot trotz ausgeschöpfter medikamentöser Therapie und FEV1 unter 45 Prozent wurden im Rahmen der STEP-UP-Studie behandelt. Ergebnis: Es kommt zu einer deutlichen Verminderung des Lungenemphysems, zur Verbesserung der Lungenfunktion und zu einer gesteigerten Lebensqualität. Das sequentielle Verfahren – nach der ersten Therapie wird das Ansprechen bewertet und bei Bedarf weitere Behandlungen durchgeführt – ermögliche einen „sehr personalisierten Ansatz“, wie Valipour ausführt.
The Lancet Respiratory Medicine


Alistipes: Auslöser für Colonkarzinom

Ein Forscherteam um Univ. Prof. Herbert Tilg von der MedUni Innsbruck hat im Zuge der Sequenzierung der Mikrobiota herausgefunden, dass Alistipes-Bakterien Darmkrebs verursachen können. Die Wissenschafter konnten zeigen, dass Mäuse, denen krankheitsspezifisch Interleukin 10 und auch das Protein LCN2 fehlen, eine schwerwiegendere Entzündung und nach einer gewissen Zeit auch Tumore entwickeln. Nach der Gabe von Antibiotika zeigten sich bei den Tieren keine Tumore; auch war die Entzündung nur milde ausgeprägt.
APA


Nachtarbeit schädigt Herz

Krankenschwestern, die mehr als zehn Jahre auch nachts gearbeitet haben, weisen ein zwischen 15 und 18 Prozent erhöhtes Risiko auf, eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln im Vergleich zu jenen, die nicht nachts arbeiten. Das ergab eine Auswertung der Daten von 240.000 Krankenschwestern in den USA, die mindestens fünf Jahre unregelmäßig im Tag- beziehungsweise Nachtdienst eingesetzt waren. Die aktuelle Beobachtungsstudie wurde unter der Leitung von Eva Schernhammer von der Abteilung für Epidemiologie der MedUni Wien durchgeführt; Erst-Autorin ist Celine Vetter von der Harvard Universität in Boston. APA/JAMA



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.05.2016