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ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 11 - 10.06.2016

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (10.06.2016)


Milchprodukte haben zu hohen Zuckergehalt

Frucht- und Dessertjoghurts sowie Milchgetränke haben einen zu hohen Zuckergehalt. Das zeigt eine Untersuchung des Salzburger Vereins SIPCAN von mehr als 1.200 Milchprodukten. 250 Milliliter Milchgetränk enthalten durchschnittlich acht Stück Würfelzucker, 250 Gramm Fruchtjoghurt sogar neun Stück. „Kinder wie Erwachsene decken mit dieser Zuckermenge mehr als 50 Prozent der von der WHO empfohlenen täglichen Höchstmenge ab“, so SIPCAN-Vorstand Univ. Prof. Friedrich Hoppichler vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Salzburg. Seine Empfehlung: Ein Milchprodukt sollte maximal zwölf Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten. Der Grenzwert setzt sich aus dem natürlichen Zuckergehalt der Milch (4,6 Gramm pro 100 ml) und einer von einer WHO-Empfehlung abgeleiteten Zuckerhöchstmenge ab. Der durchschnittliche Zuckergehalt von Joghurt liegt bei 13,60 Gramm (pro 100 Gramm), bei Trinkjoghurts oder Milchgetränken bei 11,07 Gramm. Tipp: Unter www.sipcan.at findet sich eine Liste, in der alle untersuchten Produkte nach ihrem Zuckergehalt sortiert sind.
APA


Faltenfrei durch Silikonschicht

Mit einer elastischen, luftdurchlässigen Schicht aus Silikon- Polymeren soll die Haut auch im Alter – zumindest für eine gewisse Zeit – ohne Falten sein. Ein entsprechendes Produkt haben US-amerikanische Forscher um Betty Yu und Robert Langer vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge entwickelt. Das Silikon wird flüssig auf die Haut aufgetragen und kann bis zu einem Tag auf der Haut bleiben. Bislang wurde das Produkt nur bei wenigen Probanden in Proof-of-Concept-Tests angewandt; über mögliche Nebenwirkungen und die langfristige Verwendbarkeit sagt dies nichts aus. Auch wann das Produkt auf den Markt kommen könnte, ist nicht bekannt.
APA/Nature Materials


Resistenzen: zehn Millionen Tote jährlich?

Künftig könnten zehn Millionen Menschen jährlich an Infektionen mit Antibiotika-resistenten Bakterien sterben. Das hat ein britisches Forscherteam um den Ökonomen Jim O’Neill in einer Analyse von vorhandenen Daten im Auftrag der britischen Regierung festgestellt. Schon heute gibt es weltweit jährlich 700.000 Todesfälle durch eine solche Infektion; bis 2050 könnte sich die Zahl mehr als verzehnfachen. Die Forscher fordern u.a. den Gebrauch von Antibiotika in der Landwirtschaft weltweit einzuschränken und Resistenzen stärker zu überwachen. Auch sei ein weltweiter Fonds zur Entwicklung neuer Antibiotika und ein globaler Bund im Kampf gegen Resistenzen notwendig.
APA


Lymphozyten verbessern Wundheilung

Im Tierversuch verbessern lösliche Faktoren von Lymphozyten die Wundheilung nach einer Hauttransplantation. Das konnten Forscher der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien um Stefan Hacker an Schweinen zeigen. Weiße Blutkörperchen werden durch Bestrahlung mit Gammastrahlen in Stress versetzt, wodurch sie lösliche Proteine produzieren. Das Proteinkonzentrat APOSEC wurde im Tierversuch mehrfach auf die Wunden nach einer Hauttransplantation aufgetragen. Ergebnis: Die Gefäßneubildung wurde verdoppelt und die Haut der Tiere entwickelte sich schneller und besser als in Vergleichsgruppen ohne die Behandlung.
APA/Scientific Reports



Übergewichtige leben länger als in 1970ern

Übergewichtige Menschen haben aktuell eine geringere Sterblichkeit als Normalgewichtige; in den 1970er Jahren war es noch umgekehrt. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Dänische Forscher um Borge Nordestgaard von der Kopenhagener Universitätsklinik haben Daten zur Sterblichkeit von mehr als 100.000 Dänen ausgewertet; untersucht wurden die Zeiträume 1976 bis 1978, 1991 bis 1994 und von 2003 bis 2013. Verschiedene Gesundheitsrisiken wie etwa Tabakkonsum wurden berücksichtigt. Ergebnis: Menschen mit einem BMI von 23,7 (das entspricht 78 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,83 Meter) haben in den 70er-Jahren am längsten gelebt. Von 2003 bis 2013 waren es Menschen mit einem BMI von 27 – das entspricht 90 Kilogramm bei gleicher Körpergröße und damit zwölf Kilogramm mehr. Während Adipöse in den 70er-Jahren eine höhere Sterblichkeit aufwiesen als Normalgewichtige, leben sie seit 2000 genauso lange.
APA/JAMA


Aminosäuren zeigen kardiometabolische Risiken

Die Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin haben einen Zusammenhang mit kardiometabolischen Risiken, wie Grazer Forscher erkannt haben. Das Team um Harald Mangge vom klinischen Institut für medizinische und chemische Labordiagnostik der MedUni Graz hat in der steirischen STYJOBS/EDACTA-Kohorte 650 junge Erwachsene mit verschiedenen BMI und verschiedenen kardiometabolischen Werten bezüglich ihres Aminosäureprofils untersucht. Das zentrale Ergebnis laut Mangge: Bei metabolisch ungesunden Jugendlichen – ob normalgewichtig oder adipös – waren die Serumspiegel von Valin und insbesondere Leucin erhöht. Leucin hängt demnach mit kardiovaskulären Risikofaktoren zusammen; was genau der erhöhte Wert reflektiert, ist unklar. Bereits in internationalen Vorgängerstudien wurden fünf Aminosäuren mit einem höheren Diabetes-Risiko in Zusammenhang gebracht: Isoleucin, Leucin, Valin, Tyrosin und Phenylalanin.
APA


Licht als Desinfektion

Eine Desinfektionsmöglichkeit für Kleidungsstücke mittels Licht hat das Team um Univ. Prof. Gabriele Berg vom Institut für Umweltbiotechnologie der Technischen Universität Graz zusammen mit zwei anderen Instituten der TU sowie dem Research Center Pharmaceutical Engineering entwickelt. Berg zur zugrundeliegenden Technologie: „Wir nutzen den photodynamischen Effekt, der es einem Farbstoff ermöglicht, auf spezielle Wellenlängen des Lichts zu reagieren. In dieser Reaktion bildet sich hochreaktiver Sauerstoff, der wiederum mit unerwünschten Keimen reagiert und deren Wachstum verhindert.“ In der Zahnmedizin kommt dieses Verfahren als sogenannte antibakterielle photodynamische Therapie zum Einsatz.
APA


Zika: neuer genauerer Test

US-amerikanische Forscher der Harvard University (Massachusetts) haben einen einfachen und günstigen Test zum Nachweis des Zika-Virus entwickelt. Zur Untersuchung von Blut-, Speichel- oder Urinproben wird eine Papierscheibe benutzt: Verfärbt sie sich violett, bestätigt dies das Vorliegen des Zika-Virus. Neu an diesem Test ist, dass er im Gegensatz zu bisherigen auch niedrige Konzentrationen des Virus nachweist. Außerdem verwechseln bisherige Tests Zika häufig mit anderen Erregern wie dem Dengue-Virus. Der neue Test kostet weniger als einen US-Dollar pro Patient.
APA



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 11 / 10.06.2016