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ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 1/2 - 25.01.2016

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (25.01.2016)


Osteosarkom: Blockade von RANKL-Protein

Die Blockade des RANKL-Proteins, das zum Ausreifen von Osteoklasten führt, könnte ein Therapieansatz für Patienten, die an einem Osteosarkom leiden, darstellen. Das hat ein internationales Wissenschafterteam mit Beteiligung von Univ. Prof. Josef Penninger, Leiter des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA), als Co-Autor herausgefunden. In Experimenten an genetisch veränderten Mäusen mit Osteosarkomen konnten sie belegen, dass dieser Tumor auch mit einer Hyperaktivität der Osteoklasten verbunden ist. Ein wesentlicher Faktor ist dabei das RANK-Liganden-Protein (RANKL). Wurde RANKL blockiert, zeigte sich bei den Versuchstieren eine Verzögerung des Krankheitsausbruches und eine Verlängerung der Überlebenszeit. Derzeit sind bereits klinische Studien mit dem monoklonalen Antikörper Denosumab im Anlaufen.
APA/Science Translational Medicine


Bei Risikopersonen: stärkere Blutdrucksenkung sinnvoll

Wird der systolische Blutdruck um zehn mmHg gesenkt, verringert sich das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen um ein Fünftel, jenes für einen Insult um ein Viertel sowie das Mortalitätsrisiko insgesamt um 13 Prozent. Das haben Kazem Rahimi vom „The George Institute for Global Health“ der Oxford-University und Co-Autoren bei der Metaanalyse von 123 Studien mit Daten von mehr als 600.000 Patienten aus den Jahren 1966 bis 2015 herausgefunden. Die Wirkung zeigte sich über die gesamte Bandbreite von Hochrisikopatienten: bei Personen, die bereits eine Herz- Kreislauf-Erkrankung gehabt haben, ebenso auch bei jenen mit einer Herzinsuffizienz, Diabetes oder einer Nierenerkrankung. Dabei dürfte es weitgehend egal sein, welche Antihypertensia verschrieben werden. Die Autoren verlangen eine schnelle Revision der derzeit geltenden Empfehlungen für die Bluthochdrucktherapie.
APA/Lancet


Autisten müssen Umgang mit Empathie lernen

Neue Hinweise deuten darauf hin, dass Menschen, die an Autismus leiden, nicht entgegen der ursprünglichen Annahme eine reduzierte empathische Fähigkeit haben, sondern anders mit Emotionen umgehen. Forscher um Univ. Prof. Claus Lamm vom Institut für Klinische, Biologische und Differentielle Psychologie der Universität Wien haben neurowissenschaftliche Hinweise gefunden, dass beim Mitfühlen „jene Emotionsnetzwerke im Gehirn aktiviert werden, die auch dann aktiv sind, wenn man selbst die Emotion, mit der man mitfühlt, empfindet“. Weil Autisten bei anderen starke Emotionen wahrnehmen, sind sie schneller damit überfordert und neigen in einer Art Schutzmechanismus dazu, diese Wahrnehmungen von vornherein zu blockieren. Für die Therapie bedeutet das, dass Autisten Empathie nicht neu lernen müssen, sondern den Umgang mit den Emotionen von anderen Menschen.
APA/Royal Society B


Heilbehandlung für Multiple Sklerose entdeckt?

Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung aus Wien hat mit EphrinB3 ein Protein identifiziert, durch das bei Multipler Sklerose die Re-Myelisierung von Schäden im Gehirn oft unvollständig bleibt. Und dies, obwohl Vorläuferzellen für die Myelin-Scheiden-Produktion (Oligodendrozyten) vorhanden wären. „In Präsenz von EphrinB3 können Oligodendrozyten-Vorläufer nicht ausdifferenzieren“, so die Forscher um Yasir-Ahmed Syed vom Wellcome Trust (Großbritannien). Von österreichischer Seite waren Univ. Prof. Gert Lubec von der Universitätsklinik für Kinderheilkunde am AKH Wien sowie Univ. Prof. Friedrich Altmann von der Boku Wien an den Forschungen beteiligt. Im Tiermodell mit Ratten führte die Infusion von EphrinB3 zu einer Blockade der Re-Myelisierung. Umgekehrt konnte der Effekt durch die Infusion von Antikörpern gegen EphrinB3-Bestandteile wieder aufgehoben werden. Das deutet darauf hin, dass EphrinB3 einen therapeutischen Ansatzpunkt darstellen könnte. In Österreich leiden rund 12.500 Menschen an Multipler Sklerose.


Narkolepsie durch Influenzaviren

Dass A(H1N1)-Influenzaviren – und nicht wie oft vermutet die Influenzaimpfung – Narkolepsie auslösen können, haben Forscher um Chiara Tesoriero von der Abteilung für Neurowissenschaften am Karolinska Institut in Stockholm herausgefunden. Im Tierversuch zeigte sich, dass die Viren jene Nervenzellen im Gehirn infizierten, die für die Produktion von Neurotransmittern wie Orexin und Hypocretin verantwortlich sind. Die Mäuse, die die Forscher mit dem Virus infizierten, waren genetisch verändert, sodass ihr Immunsystem weder B- noch T-Zellen produzierte; damit konnte bei Fehlen einer Abwehrreaktion auch die Auswirkung einer auf das Gehirn übergreifenden Influenzainfektion untersucht werden. Seit längerem wurde vermutet, dass der Verlust von Orexin- und Hypocretin-produzierenden Zellen die Ursache für Narkolepsie ist. Während der H1N1-Pandemie 2009/2010 wurden in China und in skandinavischen Ländern vermehrt Narkolepsie-Fälle registriert.
APA/PNAS


Impfstoff gegen Dengue-Fieber zugelassen

Brasilien, Mexiko und die Philippinen haben den weltweit ersten Impfstoff gegen das Dengue-Fieber zugelassen. Die Impfung richtet sich an Menschen im Alter von neun bis 45 Jahren und soll gegen alle vier Dengue-Virusarten schützen. Zwei Drittel aller Dengue-Infektionen und 93 Prozent der schweren Infektionen sollen dadurch verhindert werden. Für Dengvaxia® sollen nun Zulassungen in 20 Ländern beantragt werden. Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) gibt es jährlich 400 Millionen Infektionen mit Dengue-Fieber; 22.000 davon verlaufen tödlich.


Brasilien: Mikrozephalie-Fälle durch Zika-Virus?

Die brasilianischen Behörden vermuten einen Zusammenhang zwischen der Ausbreitung des Zika-Virus und vermehrt aufgetretenen Fällen von Mikrozephalie bei Säuglingen. Bereits in diesem Jahr gibt es 1.248 Mikrozephalie-Fälle in 311 brasilianischen Städten. Ursache könnte eine Infektion von Schwangeren mit dem von der Mücke Aedes aegypti übertragenen Virus sein. Staatspräsidentin Dilma Rousseff hat deswegen den Gesundheitsnotstand ausgerufen und einen Notfallplan in Gang gesetzt; Gesundheitsexperten aus den USA und das Militär sollen Brasilien im Kampf gegen den Zika-Virus helfen. Bisher gibt es für das vor einigen Monaten in Südamerika erstmals aufgetauchte Virus, das sich seither rasch ausbreitet, keinen Impfstoff.
APA



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 1-2 / 25.01.2016