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ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 15/16 - 15.08.2016

Ärzte gegen Atomwaffen


Die verdrängte Bedrohung

Weltweit umfasst die Vereinigung „der „International Physicians for the Prevention of Nuclear War“ rund 150.000 Mitglieder. Ziel der Aktivitäten ist es, Gefahr und Schaden für die Menschen weltweit abzuwenden - und zwar über alle Grenzen hinaus.
Von Alexandra Schlömmer


Der einzig wirkliche Schutz gegen Atomwaffen ist, sie abzuschaffen“, sagt Klaus Renoldner, Präsident der Vereinigung Österreichischer Mediziner gegen Gewalt und Atomgefahren. Die Österreich-Sektion – sie setzt sich unter anderem vor allem für die Abrüstung atomarer Waffen einsetzt - ist Teil der International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW), einem internationalen Zusammenschluss von Ärzten.

Weltweit sind rund 150.000 Ärzte und Medizinstudenten Mitglieder. Finanziert wird die Bewegung ausschließlich aus Mitgliedbeiträgen und Spenden. Die Geschichte der IPPNW begann 1980, in einer angespannten Phase des Kalten Krieges, und wurde von den beiden Kardiologie-Professoren Bernard Lown von der Harvard Universität in den USA und Jewgenij Tschasow von der Moskauer Akademie der Wissenschaften gegründet, die es als ihre ärztliche Pflicht sahen, die Menschen über die medizinischen und humanitären Folgen von Atomwaffenexplosionen und Atomkriegen aufzuklären.

Die österreichische Sektion der IPPNW, die die IPPNW auch bei den Vereinten Nationen in Wien vertritt, tritt auch für ein Nuklearwaffenverbot ein. 1984 wurde die IPPN für ihre Aufklärungsarbeit mit dem UNESCO-Preis für Friedenserziehung, 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die österreichische Sektion wurde 1983 vom Kinderarzt Prof. Walter Swoboda gegründet und hat 250 Mitglieder. Eines der Gründungsmitglieder ist Klaus Renoldner, der seit 1996 auch Präsident der Österreichischen Sektion ist: „Seit den 1990er Jahren heißen wir OMEGA/IPPNW Österreich. OMEGA steht für Österreichische MedizinerInnen gegen Gewalt und Atomgefahren.“ Heute hat die IPPNW ihren Aufgabenbereich dahingehend ausgeweitet, sich nicht nur gegen Atomwaffen zu engagieren, sondern gegen alle Glieder in der atomaren Kette, und zwar: Uranabbau, die zivile Nutzung der Atomenergie, die militärische Nutzung durch Atomwaffen bis hin zum Problem des Atommülls. Die Tätigkeit erstreckt sich auch auf den Bereich Small Arms, also Prävention durch strengere Überwachung von Waffenexporten, vor allem in Bürgerkriegsländern und in Ländern mit Kindersoldaten in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und dem Außenministerium.

Vorrangiges Ziel ist, Gefahr und Schaden für die Menschen weltweit abzuwenden, und zwar über alle Grenzen hinaus. Dabei geht sie im Sinn einer präventiven Medizin vor und versucht, Risiken vorzubeugen. „Unsere Aufgabe als Ärzte ist es, jede Bedrohung für Leben und Gesundheit abzuwenden“, so das Leitmotiv. Weitere Schwerpunkte sind:

  • Forschung zu den Fakten und Hintergründen der gesundheitlichen, sozialen und politischen Auswirkungen von Krieg und Atomtechnologie;
  • Analyse von Konfliktsituationen und Entwicklung friedlicher Lösungen;
  • Veröffentlichung von Studien, Büchern und Broschüren.


Vor allem Öffentlichkeitsarbeit spielt für die IPPNW eine große Rolle. Je mehr Zuhörer durch Kampagnen, Pressemitteilungen oder Kongresse erreicht werden können, umso mehr Unterstützung findet die Organisation. „Wir glauben, es ist wichtig, dass die Bevölkerung sieht, dass es in Zeiten von Kriegen und Unruhen in vielen Teilen der Welt, ein internationales Netzwerk von Ärztinnen und Ärzten gibt, das sich für Frieden und Abrüstung einsetzt. Wenn laut Genfer Konvention sogar Teilmantelgeschosse verboten sind, um wie viel mehr müssten nicht Nuklearwaffen endlich verboten werden, deren Einsatz Millionen unschuldiger Zivilpersonen das Leben kosten kann und Verseuchung und Zerstörung hinterlässt“, so Renoldner.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2016