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ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 17 - 10.09.2016

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (10.09.2016)


Prostata-Ca: Strahlentherapie vorziehen

Eine frühe Strahlentherapie verbessert bei Prostatakarzinomen die Überlebenswahrscheinlichkeit im Vergleich zum Abwarten. Internationale Wissenschafter – darunter Univ. Prof. Shahrokh Shariat von der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien – haben Daten von fast 24.000 Patienten im Alter von über 80 Jahren mit einem auf die Prostata begrenzten Karzinom analysiert. Verglichen wurden die Überlebensraten von Patienten mit Strahlentherapie und jenen, bei denen man abwartete. Bei Patienten mit einem Prostatakarzinom mit einem mittelgradig differenziertem Tumor war die Überlebenswahrscheinlichkeit mit Strahlentherapie um rund 20 Prozent höher; bei niedrig differenzierten Tumoren waren es sogar 40 Prozent. Bei hochgradig differenzierten Karzinomen war der Effekt statistisch nicht aussagekräftig. Egal ob Patienten sonst gesund waren oder an einer chronischen Erkrankung litten: Mit einer Strahlentherapie war das Mortalitätsrisiko geringer. Unter denjenigen Patienten, die zwischen 2001 und 2009 wegen eines lokal beschränkten Prostatakarzinoms behandelt wurden, sank die Sterblichkeit bei einer Strahlentherapie im Vergleich zum Abwarten fast um die Hälfte.
APA/Journal of Radiation Oncology - Biology - Physics


Infektionszeit beeinflusst Infektionsschwere

Die Schwere von Virusinfektionen hängt von der Infektionszeit ab. Forscher der Universität Cambridge haben an Mäusen gezeigt, dass sich Herpes-Viren drastisch schneller vermehren, wenn sich die Tiere zu Beginn ihrer Ruhephase infizieren. „Eine Ansteckung zur falschen Tageszeit könnte eine viel schwerere akute Infektion verursachen“, so das Team um Akhilesh Reddy. Die Forscher infizierten Mäuse zunächst zu verschiedenen Tageszeiten mit dem Herpesvirus MuHV-4. Zu Beginn der Ruhephase vermehrten sich die Viren um das Zehnfache stärker als zur aktiven Phase. Bei genetisch veränderten Mäusen, denen das Schlüsselgen für die innere Uhr „Bmal 1“ fehlte, vermehrten sich die Viren gleichmäßig. Auch in Zellkulturen hing die Schwere einer Infektion von der jeweiligen Tagesphase ab. Die Vermehrung von Grippeviren an Zellen brachte ein ähnliches Resultat. Dieser Effekt könne sogar zu Epidemien beitragen, weil „Bmal1“ etwa beim Menschen in den Wintermonaten weniger aktiv sei. Auch die Effektivität von Impfungen könnte von der Tageszeit abhängen. Erst kürzlich hatte eine Studie der britischen Universität Birmingham ergeben: bei Grippeimpfungen am Morgen werden im Vergleich zum Nachmittag innerhalb eines Monats mehr Antikörper produziert. APA/Proceedings


China: mehr Myokardinfarkte

Weil sie sich vermehrt einen ungesunden westlichen Lebensstil aneignen, könnten Millionen Chinesen an Myokardinfarkten und Insulten erkranken. Daten von 26.000 Chinesen von 1991 bis 2011 zeigen, dass Hypertonie und hohe Cholesterin- und Blutzuckerwerte in der chinesischen Bevölkerung rasant zunehmen, so Studienleiterin Yanping Li. Der Anteil der Menschen, die an Hypertonie leiden, stieg in China von 7,7 Prozent im Jahr 1979 auf 33,5 Prozent 2010. Von 6,8 Millionen Todesfällen bei über 35-Järigen waren 2011 rund drei Millionen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen.  APA/Journal of the American College of Cardiology


Normalgewicht verringert Karzinom-Risiko

Normalgewicht reduziert das Risiko für verschiedene Krebsformen. Das haben Forscher der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) bei der Analyse von rund 1.000 Studien zum Zusammenhang von Krebs und Gewicht herausgefunden. Bestätigt wurden die Effekte für Dickdarm- und Rektum-Karzinome, Mammakarzinom nach den Wechseljahren, Zervix-Karzinom, Ösophagus-Karzinom und Nierenzellkrebs. Hinzugekommen sind weitere Krebsarten, die bei Übergewicht vermehrt auftreten: darunter Leber- und Pankreaskarzinome, Ovarialkarzinome sowie Karzinome im oberen Magenbereich. Das Ergebnis gilt laut IARC für Erwachsene mittleren Alters.
APA


Tierisches Eiweiß erhöht Sterberisiko

Die Aufnahme von tierischen Proteinen erhöht – im Vergleich zu pflanzlichen Proteinen – das Sterberisiko. Das haben US-amerikanische Forscher um Mingyang Song von der Harvard Medical School (Massachusetts) herausgefunden. In zwei Langzeitstudien wurden mehr als 85.000 Frauen und 46.000 Männer aus dem Gesundheitssektor über ihre Gesundheit und Ernährungsgewohnheiten befragt. Bei den rund 36.100 Teilnehmern, die im Studienzeitraum starben, setzten die Forscher die Ernährungsdaten in Bezug zu den Todesursachen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs - bereinigt um die Risikofaktoren aus Lebensstil. Ergebnis: Das Sterberisiko und die aufgenommene Menge an tierischem Protein hängen zusammen. Bei Übergewichtigen und jenen, die viel Alkohol tranken, war der Zusammenhang besonders ausgeprägt. Erhöht man die Aufnahme von tierischem Protein um zehn Prozent, steigt das Sterberisiko um zwei Prozent; das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um acht Prozent. Dagegen sinkt das Sterberisiko um zehn Prozent, wenn drei Prozent mehr pflanzliches Protein aufgenommen werden. APA/Jama Internal Medicine


Zika-Impfstoffe erfolgreich getestet

US-amerikanische Forscher haben drei verschiedene Zika-Impfstoffe erfolgreich an Rhesusaffen getestet. Alle geimpften Tiere waren zwei Wochen nach der Impfung gegen zwei Zika-Stämme aus Brasilien und Puerto Rico immunisiert. In keinem Fall gab es Nebenwirkungen. Zwei der Seren wurden an der Harvard University (Massachusetts) entwickelt, der dritte am Walter Reed Army Institute of Research (Maryland). Ein Serum enthält inaktivierte Zika- Viren, die beiden anderen sollen mittels Genen für Virenproteine beziehungsweise Adenoviren eine Immunreaktion auslösen. Die US-Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) testet indes ein Serum an Menschen, um die Sicherheit und Effektivität des Impfstoffs zu untersuchen. In der Schweiz hat das Universitätsspital Lausanne ein weltweites Register für während der Schwangerschaft erkrankte Frauen ausgearbeitet; damit soll das Virus besser analysiert werden. APA/Science


Schlafstörungen erhöhen Insult-Risiko

Schlafstörungen sind ein Risikofaktor für Schlaganfälle - das ist seit ein paar Jahren bekannt. Nachgewiesen haben das nun der deutsche Neurologe Dirk Hermann von der Universitätsklinik Essen und ein Schweizer Forscher in einer Übersichtsarbeit. Auch kämen Schlafstörungen nach einem Insult häufig vor, was das Risiko für einen neuerlichen Schlaganfall erhöhen kann. Hermann: „Obwohl Schlafstörungen nach einem Schlaganfall häufig vorkommen, werden nur sehr wenige Schlaganfall-Patienten auf diese getestet.“ APA/Neurology


Alkohol-resistente Arznei-Kügelchen entwickelt

Grazer Forscherinnen haben Arznei-Kügelchen entwickelt, die die Wirkstoffe selbst bei einer Einnahme mit Alkohol kontrolliert ausschütten und eine Überdosierung verhindern. Die Kügelchen sind mit Porenblockern ausgestattet, die – im Gegensatz zu Filmüberzügen bei Tabletten – nicht mit Alkohol in Wechselwirkung treten. Die Entwicklung von Eva Roblegg und Simone Eder vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz ist speziell für diejenigen Medikamente geeignet, die ihre Wirkstoffe über eine längere Phase abgeben. APA



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 17 / 10.09.2016