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ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 21 - 10.11.2016

Asthma bronchiale: Behandlung ohne Erfolg


Obwohl es in Österreich optimale Voraussetzungen für die medikamentöse Therapie von Asthma bronchiale gibt, mindern mangelhafte Compliance und falsche Inhalationstechnik den Therapieerfolg. Von Marlene Weinzierl


Asthma lässt sich in den meisten Fällen hervorragend therapieren. Verläuft die Therapie jedoch nicht zufriedenstellend oder bleibt der Erfolg gänzlich aus, könne dies oft auf beeinflussbare Faktoren zurückzuführen sein, erklärt Univ. Prof. Wolfgang Pohl von der Abteilung für Atmungs- und Lungenkrankheiten am Krankenhaus Hietzing in Wien.

Studien zufolge führt weniger als die Hälfte der Asthma-Patienten die Inhalation korrekt durch; mehr als 90 Prozent der Patienten machen dabei zumindest einen Fehler. Aber: „Nur bei regelmäßigem und richtigem Inhalieren ist Asthma sehr gut zu behandeln“, betont Pohl. Eines der Hauptprobleme bei der Behandlung von Asthma stellt die mangelnde Compliance der Patienten dar. „Die Asthma-Therapie steht und fällt mit dem Patienten. Das beste Medikament nützt nichts, wenn es den Patienten nicht erreicht“, sagt Univ. Doz. Felix Wantke vom Allergiezentrum Floridsdorf in Wien.

Bleibt der Behandlungserfolg aus, empfehlen die Experten, zunächst die Therapietreue und die Inhalationstechnik zu klären. Oft ist es erforderlich zu demonstrieren, wie der Inhalator richtig angewendet werden soll. Videoclips für die richtige Anwendung der verschiedenen Inhalatorenmodelle gibt es unter www.asa-net.at.

Bereits bei der Verordnung eines Inhalators sei darauf zu achten, dass dieser einfach vom Patienten bedient werden kann, betont Pohl. Im Gegensatz zu älteren Modellen sind neue Inhalatoren mit Feedback-Mechanismen ausgestattet, die dem Patienten die richtige oder falsche Anwendung signalisieren. Weiters garantiert eine besonders feine Aufbereitung der Wirksubstanz, dass das Medikament auch wie gewünscht in periphere Teile der Lunge gelangt.

Den Experten zufolge muss bereits bei der Diagnose auf Komorbiditäten geachtet werden. Spätestens dann, wenn der Behandlungserfolg ausbleibt, muss der Arzt – wenn Probleme mit der Compliance oder der Inhalationstechnik ausgeschlossen wurden – auch an andere Gründe für Atemnot denken. Vor allem Erkrankungen der Nase und der oberen Atemwege könnten laut Pohl einen Therapieerfolg bei Asthma behindern. Dazu gehören etwa allergische Rhinitis, Polyposis, chronische Sinusitis, aber auch der gastroösophageale Reflux.

Trotzdem könne nicht erreicht werden, dass alle Patienten auf die gewählte Therapie ansprechen, berichten die Experten. Speziell bei Erwachsenen können sich besonders schwere Verlaufsformen von Asthma herausbilden, bei denen oft keine Beschwerdefreiheit erzielt werden kann, auch wenn alle therapeutischen Maßnahmen ausgeschöpft sind. Bei den Betroffenen kommt es wiederholt zu Exazerbationen; die Therapie gestaltet sich darüber hinaus „besonders intensiv“ (Pohl).

Systemische Therapie

Bei Patienten mit schwerem Asthma kommt die systemische Therapie mit oralem Kortison zum Einsatz, berichtet Wantke. Dies werde teilweise kritisch gesehen, sei jedoch für kurzfristige Behandlungen eine wirksame Therapie. Allerdings sollte die regelmäßige systemische Gabe von oralem Kortison vermieden werden, sagt Pohl.

Dank intensiver Forschung in den vergangenen Jahren wurde ein besseres Verständnis der immunologischen Vorgänge beim Asthma generiert. Dies ermöglicht eine gezieltere Therapie mit monoklonalen Antikörpern, speziell bei Patienten mit schwerem Asthma. Derzeit stehen Omalizumab (Anti-IgE) und seit kurzem auch Mepolizumab (Anti-IL-5) zur Verfügung, die „wesentlich“ zur Verbesserung der Lebensqualität von schweren Asthmatikern beitragen, wie Pohl berichtet. Mit Reslizumab steht außerdem ein neuer Antikörper kurz vor der Zulassung.

Bei der Therapie von Menschen, die an schwerem Asthma leiden, müsse grundsätzlich „feinfühlig vorgegangen werden bei der Entscheidung, welcher Patient für welchen neuen Therapieansatz wirklich geeignet ist“, wie der Experte ausführt. Dabei sei vor allem die Unterscheidung zwischen allergischem und nicht-allergischem Asthma wichtig. Speziell beim eosinophilen Asthma ist eine genaue Charakterisierung für einen guten Therapieerfolg entscheidend.


Schweres Asthma

Von den etwa 400.000 Asthma-Patienten in Österreich leiden etwa fünf Prozent – grob geschätzt 20.000 Personen – unter schwerem Asthma (Therapie-Stufe 4 oder 5 nach GINA). Vermutlich ist die Dunkelziffer hoch.

Für die spezifische Asthma-Therapie sind in Österreich derzeit zwei Biologika zugelassen: Beim allergischen Asthma kommt Omalizumab (Anti-IgE) zum Einsatz. Die Therapie ist seit mehr als zehn Jahren etabliert, erfolgt je nach IgE-Höhe und wird ein- bis zweimal im Monat verabreicht.
Vorteile:

  • Es kommt zu einer deutlichen Verminderung der Exazerbationen.
  • Bei 60 bis 70 Prozent der Patienten kann eine Reduktion der systemischen Kortisontherapie erreicht werden.
  • Es werden weniger Notfallvisiten und Notfallmedikamente benötigt.


Für das nicht-allergische, eosinophile Asthma ist seit heuer Mepolizumab (Anti-IL-5) erhältlich; Reslizumab steht kurz vor der Zulassungsphase. Charakteristikum der Erkrankung ist eine sehr hohe Zahl der Eosinophilen, die auch entscheidend ist für das Ansprechen: Je höher der Wert, umso besser spricht die Therapie an. Vorteile:

  • Die Patienten zeigen eine deutliche Verminderung der Exazerbationsrate.
  • Es kann eine deutliche Reduktion der systemischen Kortisontherapie erreicht werden.




© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2016