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ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 21 - 10.11.2016

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (10.11.2016)


HIV: kurze Immunantwort als Schlüsselereignis

Warum sich das Immunsystem schlecht gegen HI- und Hepatitis-C-Viren wehren kann, haben Forscher um Daniel Pinschewer von der Uni Basel herausgefunden. Die durch die Viren ausgelöste Entzündungsreaktion bewirkt, dass Interferone die B-Zellen zur Produktion von so vielen Antikörpern wie möglich anregen. Dadurch verlieren sie rasch die Möglichkeit, sich zu vermehren, und sterben nach kurzer Zeit ab. Der Mechanismus dient vermutlich dazu, akut lebensbedrohliche Infektionen rasch abzuwehren; für die Abwehr des Aids- oder Hepatitis-C-Virus ist die Immunantwort aber zu kurz.
APA/Science Immunology



Duchenne-Muskeldystrophie: Milderung durch Vitamin

Eine hohe Dosis von Nikotinamid-Ribosid kann das Fortschreiten der Duchenne-Muskeldystrophie bremsen. Das haben Schweizer Forscher im Tierversuch herausgefunden. Fadenwürmer, die mit hohen Dosen Nikotinamid-Ribosid behandelt wurden, zeigten keine Krankheitssymptome; bei Mäusen war die Entzündungsreaktion deutlich gedämpft. „Wir haben guten Grund anzunehmen, dass auch Menschen auf diese Behandlung ansprechen“, so Studienleiter Johan Auwerx von der ETH Lausanne. Weil der ursächliche Dystrophin-Mangel damit nicht bekämpft wird, sei der Effekt schwer vorherzusagen. Außerdem war die Vitamin-Dosis im Tierversuch so hoch, dass sie nicht über die Nahrung verabreicht werden konnte. Nebenwirkungen konnten aber auch bei hohen Dosen nicht festgestellt werden.
APA/Science Translational Medicine



27 Zika-Infektionen in Österreich

In Österreich wurden bislang 27 Zika-Infektionen registriert: 25 in Wien, zwei in Innsbruck. Zu einem bemerkbaren Anstieg der Fälle – wie er etwa durch die Olympischen Spiele in Brasilien befürchtet wurde – ist es bisher nicht gekommen, wie Univ. Prof. Stephan Aberle vom Department für Virologie der MedUni Wien erklärte. Der letzte Fall, der in Österreich mit einer Reise nach Brasilien in Verbindung gebracht wurde, liegt Monate zurück. Am häufigsten seien importierte Erkrankungen nach Reisen nach Mittelamerika wie etwa Nicaragua oder die Dominikanische Republik gewesen.


Aortenklappe: Zugang über Halsgrube

Zur Implantation einer Aortenklappe wurde am LKH-Uniklinium Graz erstmals der Zugang über die Halsgrube angewendet. Die neue Methode sei speziell für jene Patienten geeignet, bei denen die Implantation über die Leistengefäße nicht möglich ist, sowie für ältere Patienten, bei denen eine Brustkorböffnung risikoreich ist. Die körperliche Belastung einer klassisch durchgeführten Herzklappenimplantation werde „um ein Vielfaches“ verringert, wie Otto Dapunt, Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie in Graz, erklärte. APA


Pleuramesotheliom: Chemotherapeutikum wirksam

Trabectedin wirkt auch beim malignen Pleuramesotheliom. Das haben Wissenschafter der Med-Uni Wien herausgefunden. In einer präklinischen Studie zeigte Trabectedin sowohl in der Zellkultur als auch im Tiermodell Wirkung. Erste Ergebnisse einer italienischen Studie an Patienten hätten die Laborbefunde bestätigt. Walter Berger und Alireza Hoda von der MedUni Wien konnten nachweisen, dass Trabectedin gegen Tumorzellen wirkt, gesunde Zellen der Pleura aber nur wenig beeinflusst. Außerdem konnten sie deutliche Synergien mit Cisplatin nachweisen. In Kombination mit den bcl-2 Hemmern Obatoclax und Venetoclax zeigte sich laut den Forschern eine „deutliche Verbesserung bei der Vernichtung von Tumorzellen“. Trabectedin wird bislang gegen maligne Tumoren des Weichteilgewebes und Ovarialkarzinome eingesetzt.
APA/Molecular Cancer Therapeutics



„Nanocarrier“ für antibakterielle Peptide

Damit Peptide, die gegen multiresistente Keime wirken, im Körper nicht zu schnell abgebaut werden, haben Schweizer Forscher „Nanocarrier“ entwickelt, die sie geschützt an ihren Zielort bringen. Das ermöglicht den Einsatz der Peptide gegen Antibiotika-resistente Bakterien. Dabei zerstören die Peptide die Hülle der Bakterien; der „Nanocarrier“ verstärkt deren antibakterielle Wirkung sogar. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher um Stefan Salentinig von der Eidgenössischen Materialprüfungs-und Forschungsanstalt (Empa) in St. Gallen die „Nanocarrier“ so verändern, dass sie ihren Inhalt zu einer bestimmten Zeit freigeben.
APA/Journal of Physical Chemistry Letters



Mamma-Ca: zielgerichtete Therapie erfolgreich

Die zielgerichtete Therapie mit dem CDK4/CDK6- Inhibitor Ribociclib verlängert das progressionsfreie Überleben beim Mammakarzinom. CDK4/CDK6-Inhibitoren greifen in den Zellzyklus ein und schränken die Teilungsfähigkeit von Zellen ein. In einer Studie mit 668 Patientinnen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom erhöhte eine Behandlung mit Ribociclib zusätzlich zu einer Antiöstrogentherapie die Ansprechrate von 37 auf 53 Prozent. Das Progressionsrisiko verringerte sich um 44 Prozent. APA


T-Zell-Therapie: effizienter durch Arginin

Schweizer Wissenschafter haben herausgefunden, dass die Aminosäure L-Arginin die Aktivität von T-Zellen verstärkt und sie effizienter gegen Tumore vorgehen lässt. Die Experten um Antonio Lanzavecchia von der Universita della Svizzera italiana (USI) entdeckten in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich auch drei Proteine, die die erhöhten Arginin-Mengen wahrnehmen und den T-Zellen- Stoffwechsel so umstellen, dass die Zellen länger überleben. Dies könnte eine Möglichkeit sein, T-Zell-Therapien gegen Krebs zu verbessern. APA/Cell



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2016