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ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 23/24 - 15.12.2016

Umfrage zur Gesundheitsreform


Patienten sorgen sich

Die Patienten befürchten Einsparungen und Leistungskürzungen im Gesundheitswesen und sehen, dass sich das System in eine falsche Richtung entwickelt. 66 Prozent haben Verständnis für die Proteste der Ärzteschaft.
Von Marion Huber


Dieses Ergebnis muss allen zu denken geben“ – appelliert ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger anlässlich einer aktuellen Umfrage. Demnach machen sich nämlich 69 Prozent der Patienten Sorgen um die Entwicklungen im Gesundheitswesen. Sie befürchten starke Einsparungen und Leistungskürzungen in der Zukunft. Nicht zu Unrecht, sagt Wechselberger. Denn: Mit der Umsetzung der geplanten Art. 15a-Vereinbarungen würden die Befürchtungen über kurz oder lang Realität. „Die Patienten werden das deutlich spüren: durch Leistungseinschränkungen in vielen Krankenhäusern, Verlängerung von Wartezeiten und Wegstrecken, sogar bis hin zum Verschwinden des klassischen Hausarztes vor allem in entlegenen Regionen.“

Aber gerade eines hat sich auch bei dieser Umfrage einmal mehr bestätigt: die Österreicher wollen ihren Hausarzt. Für 83 Prozent der Patienten ist er nach wie vor die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Beschwerden; ganze 92 Prozent möchten wenn möglich immer zu demselben Arzt gehen. Wichtig waren den Befragten auch die freie Arztwahl (96 Prozent) und die Wohnortnähe (90 Prozent). Für Wechselberger spricht zwar grundsätzlich nichts dagegen, die Primärversorgung und die Zusammenarbeit von Ärzten mit Ärzten und anderen Gesundheitsberufen zu stärken, aber: „Zusammenarbeit darf nicht Zentralisierung und Ersatz von niedergelassenen Ärzten durch Ambulatorien bedeuten“, präzisiert der ÖÄK-Präsident.

Noch ist ein Großteil der Patienten (81 Prozent) mit dem heimischen Gesundheitssystem zufrieden. Für Wechselberger ein Zeichen dafür, „dass wir kein neues System implementieren müssen, sondern das bestehende verbessern und ausbauen sollten“. Aber auch jene 200 Millionen Euro, die die Politik bis 2020 für die Primärversorgung zweckwidmen möchte, sind kein „frisches Geld“, wie der ÖÄK-Präsident betont: „Diese 200 Millionen Euro werden in anderen Bereichen eingespart.“ Für die Finanzierung des Pensionshunderters hingegen hat die Politik aber sehr wohl neues Geld in die Hand genommen.

Falscher Weg

Dass die geplanten Maßnahmen der falsche Weg für die Zukunft sind, sehen auch die Patienten. „Wenn 51 Prozent von ihnen glauben, dass sich das System in die falsche Richtung entwickelt, muss man das ernst nehmen.“ Nur ein Drittel ist der Meinung, dass die aktuellen Entwicklungen gut und richtig sind. „Es ist also den Einsatz wert, geschlossen gegen die geplante gesundheitspolitische Entwicklung aufzutreten“, sieht Wechselberger die Vorgehensweise der Ärztekammer bestätigt.

Und die Befragung hat noch etwas gezeigt: Es ist nicht die Gesundheitspolitik, die weiß, was die Patienten wollen – es sind die Ärzte. Die deutliche Mehrheit der Patienten – nämlich 86 Prozent – vertraut in Fragen des Gesundheitswesens nämlich ihren Ärzten. Und selbst die Ärztekammer genießt mit 53 Prozent mehr Vertrauen als andere Institutionen. Zum Vergleich: Beim Gesundheitsministerium und den Krankenkassen sind es 46 beziehungsweise 45 Prozent.

Das zeigt sich auch in dem für Wechselberger „überraschend deutlichen“ Ergebnis, dass mehr als zwei Drittel der Patienten (66 Prozent) Verständnis für die Protest-Maßnahmen der Ärzte haben. Auch wenn es zu weiteren Maßnahmen kommen würde: 54 Prozent der Befragten würden auch dann noch Verständnis zeigen. „Das gibt uns natürlich Rückenwind, wenn wir wissen, dass zwei Drittel der Bevölkerung hinter uns stehen.“ Die Ärztekammer sehe das Ergebnis als „klaren Auftrag“ der Patienten an die Ärzteschaft, Fehlentwicklungen aufzuzeigen und zu verhindern. Abschließend stellt der ÖÄK-Präsident einmal mehr klar: „Für Entwicklungen im Gesundheitssystem braucht es die Expertise, die Mitsprache und die Mitarbeit der Ärzte.“


Im Auftrag der ÖÄK wurden zwischen 30. November und 6. Dezember dieses Jahres 1.000 Österreicher ab 16 Jahren telefonisch und online befragt. Durchgeführt wurde die Umfrage vom Institut „Public Opinion Strategies“ von Peter Hajek.




© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2016