Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2016ÖÄZ 3 - 10.02.2016

Studium der Humanmedizin in Österreich


Landschaftliche Vielfalt

Während ein Medizinstudium bis zum 21. Jahrhundert nur an den staatlichen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck möglich war, haben sich die Möglichkeiten deutlich erweitert. Auch haben Bachelor und Master-Kombinationen hierzulande Eingang in das System gefunden.
Von Paul Gabriel*


Aktuelle Liste

Die Gesundheitsministerin hat kürzlich mit Verordnung eine aktuelle Liste von österreichischen Universitäten kundgemacht, die den Erwerb eines Doktorats der gesamten Heilkunde anbieten. In der vorangegangenen Liste aus dem Jahr 2008 waren noch die öffentlichen Medizinuniversitäten Graz (MUG), Innsbruck (MUI) und Wien (MUW) sowie die bereits 2002 gegründete Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg (PMU) genannt. Jetzt, wurde sie um die öffentliche Medizinische Fakultät an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU), die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) in Krems sowie die kürzlich in Wien eingerichtete Medizinische Fakultät der Sigmund Freud Privatuniversität (SFP) erweitert. Das Angebot, den für den Arztberuf in Österreich erforderlichen Dr. med. univ. zu erlangen, hat sich in den letzten Jahren somit merklich erweitert. Verändert haben sich allerdings auch die Wege, die zu einem staatlich anerkannten medizinischen Studienabschluss führen können. Bachelor und Master-Kombinationen haben auch hierzulande Einzug in das System gefunden.

Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über die heutige Studienlandschaft der Humanmedizin geboten, ohne jedoch auf diverse Probleme wie etwa die umstrittenen Aufnahmetests an öffentlichen Universitäten einzugehen. Ebenso wurde von der Darstellung der unterschiedlichen Studienpläne und zusätzlicher Angebote wie PhD-Studien und Universitätslehrgängen Abstand genommen.

Öffentliche Universitäten

An Österreichs traditionellen öffentlichen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck ist das Studium der Humanmedizin als klassisches Diplomstudium mit einer Regeldauer von zwölf Semestern konzipiert.

Seit Herbst 2014 hat auch die Johannes Kepler Universität in Linz eine medizinische Fakultät. Das Studium der Humanmedizin wird im Bachelor-Master-System angeboten, wobei das Bachelorstudium gemeinsam mit der Medizinischen Universität Graz durchgeführt wird. Es dauert sechs Semester - die Studienfächer und Studienmodule der ersten vier Semester davon in Graz. Ab dem fünften Semester sollen die Studierenden zurück an die JKU kommen. Für das Studienjahr 2016/17 werden 120 Plätze angeboten, wobei die Kapazität für das Bachelorstudium an der JKU innerhalb von acht Jahren schrittweise auf 300 Studienplätze erhöht werden soll. Die Kooperation sieht eine dauerhafte Entsendung von 120 (im Vollausbau von insgesamt 300) Studierenden für die vorklinische Ausbildung an die MUG vor.

Der Abschluss des Bachelorstudiums an der JKU, der noch zu keinem Erwerb eines akademischen Grades führt, berechtigt ohne Auflagen zur Zulassung zum Masterstudium (Dauer: sechs Semester). Es wird voraussichtlich ab dem Wintersemester 2017/2018 gänzlich an der JKU durchgeführt.

Stichwort: Medizin-Aufnahmetest

EU-bedingt erfolgt seit zehn Jahren eine gemeinsame kapazitätsorientierte Studienplatzvergabe (Stichwort „Quote“). Die insgesamt 1.416 Plätze für Humanmedizin verteilen sich auf die Standorte Wien (660), Graz (336), Innsbruck (360) und Linz (60). Zusammen mit 144 Plätzen für die Zahnmedizin ergibt dies 1.560 Plätze. Das umstrittene Aufnahmeverfahren an den vier öffentlichen Universitäten findet zeitgleich einmal im Jahr Anfang Juli an den Studienorten statt. Im Vorjahr stellten sich mehr als 11.400 Teilnehmer dem einheitlichen Test („MedAT-H“), die eine Anmeldegebühr von 110 Euro zu zahlen hatten. (www.medizinstudieren.at)

Seit dem Sommersemester 2013 haben österreichische Studierende einen Studienbeitrag von 363,36 Euro für jedes Semester zu entrichten, wenn sie die vorgesehene Studienzeit um mehr als zwei Semester überschreiten, wobei zahlreiche Ausnahmen (Krankheit, Schwangerschaft, nachgewiesene Erwerbstätigkeit) festgelegt sind.

Die Donau-Universität Krems ist als öffentliche Universität seit nunmehr 20 Jahren auf universitäre Weiterbildung spezialisiert. Sie bietet bis dato kostenpflichtige Universitätslehrgänge an - so auch für Medizin, Gesundheit und Soziales.

Private Universitäten

Vorreiter unter den mittlerweile drei privaten Anbietern in Österreich ist die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg (PMU). Seit September 2003 kann hier ein klassisches Diplomstudium der Humanmedizin absolviert werden. Seit August 2014 auch am zweiten Standort in Nürnberg (in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg). Die Dauer des Studiums beträgt fünf Jahre, die Studiengebühr 14.200 Euro pro Studienjahr. Nach einem Bewerbungs- und Aufnahmeverfahren werden pro Jahr jeweils 50 Studierende an den beiden Standorten aufgenommen.

An der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems kann seit Herbst 2013 ein sechssemestriges Bachelorstudium Health Science mit einem Bachelor of Science (BSc) abzuschließen. Derzeit sind 50 Studienplätze vorgesehen. Die Studiengebühr beträgt 7.000 Euro pro Semester. Mit diesem oder einem vergleichbaren Abschluss sollen Studierende ab Herbst 2016 nach einem Aufnahmeverfahren ein Masterstudium Humanmedizin beginnen können. Dauer und Studiengebühren sind gleich wie beim Bachelorstudium.

Ebenfalls eine entsprechende finanzielle Ausstattung vorausgesetzt haben seit kurzem auch 80 Studierende pro Jahr die Chance, an der Sigmund Freud Privatuniversität (SFP) in Wien Medizin zu studieren. Im September vorigen Jahres hat für die ausgewählten Teilnehmer das Bachelor-Grundstudium Humanmedizin mit einer Dauer von sechs Semestern und einem Abschluss als Bachelor of Science in Medical Sciences begonnen. Ab September 2018 kann darauf aufbauend der Master-Studium Humanmedizin besucht werden. Absolventen des Bachelor-Studiengangs werden automatisch in das ebenfalls sechssemestrige Master-Studium aufgenommen. Die Zulassung zum Studium erfolgt nach erfolgreicher Absolvierung des Auswahlverfahrens, für das eine Anmeldegebühr von 650 Euro zu überweisen ist. Die Studiengebühr pro Semester beträgt 11.000 Euro.

Die Studierenden haben an allen Privatuniversitäten die Möglichkeit, diverse Leistungs- und Förderungsstipendien zu erhalten.

Der erfolgreiche Abschluss des Diplom- beziehungsweise Masterstudiums Humanmedizin an allen oben genannten Einrichtungen berechtigt zum Führen des akademischen Grades Dr. med. univ.

Akkreditierung

Bei all der Vielfalt stellt sich natürlich die Frage, wer die staatliche Anerkennung der verschiedenen privaten Studienangebote gewährleistet. In Österreich ist dafür seit 2012 auf der Basis des Hochschul-Qualitätssicherungsgesetzes die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria) als Qualitätssicherungsagentur für die österreichischen Hochschulen (mit Ausnahme der Pädagogischen Hochschulen) zuständig.

Für die Durchführung der Akkreditierungs- und Auditverfahren hat die AQ Austria verbindliche Verfahrensregeln und Entscheidungskriterien festgelegt, die den Grundsätzen der „Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area“ entsprechen. Die AQ Austria hat u.a. die Voraussetzungen für die staatliche Anerkennung von Privatuniversitäten und Studiengängen zu prüfen und allenfalls unter Erteilung von Auflagen die jeweiligen Berechtigungen zu erteilen. Sämtliche Entscheidungen der AQ Austria können online abgerufen und eingesehen werden.

Die institutionelle Akkreditierung einer Privatuniversität wird zunächst nur für sechs Jahre erteilt. Nach zwölfjährigem Bestehen kann die Akkreditierung für jeweils weitere zwölf Jahre erteilt werden.

Medizinstudium im Ausland

Der Vollständigkeit halber: Auch im benachbarten Ausland gibt es einige interessante Alternativen, ein Medizinstudium zu absolvieren.

Im benachbarten Ungarn etwa gibt es ein Medizinstudium an den Universitäten Budapest, Pècs und Szeged auch auf Deutsch. An den Universitäten in Prag, Bratislava und Zagreb auf Englisch - um nur einige Beispiel zu nennen. Mittlerweile werben bereits diverse Agenturen mit der Vermittlung an Medizin-Unis im benachbarten Ostund Mitteleuropa.


* Mag. Paul Gabriel ist Jurist in der ÖÄK


Weiterführende Links:

www.medunigraz.at
www.meduniwien.ac.at
www.i-med.ac.at
www.meduni-linzooe.at
www.pmu.ac.at
www.kl.ac.at
www.sfu.ac.at
www.donau-uni.ac.at
http://medizinstudium.semmelweis.hu
http://szegedmed.hu
http://aok.pte.hu/de
www.unizg.hr
www.lf1.cuni.cz
www.aq.ac.at




© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2016