Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 10 - 25.05.2017

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (25.05.2017)


Eisensubstitution mittels Nanofasern

Mit einem neuen, günstigen Eisenpräparat könnten Nahrungsmittel vor allem in Entwicklungsländern besser ergänzt werden. Forscher der ETH Zürich haben essbare Nanofasern aus Molkeprotein mit Eisen-Nanopartikeln bestückt, die der Körper gut aufnehmen kann. Tierversuche an Ratten haben gezeigt, dass das neue Eisenpräparat Eisenmangel und Anämie genauso gut behebt wie Eisensulfat, aber die Farbe und den Geschmack von Nahrungsmitteln nicht verändert. Die Molkeprotein-Nanofasern konnten durch Magen-Enzyme der Ratten vollständig aufgelöst werden. Außerdem können saure Bedingungen wie im menschlichen Magen die Eisen Nanopartikel in Eisen-Ionen auflösen, die der Körper rasch aufnehmen kann. Laut den Forschern gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die Nanofasern oder Eisen-Nanopartikel anreichern oder Organveränderungen auslösen könnten. Vor dem Einsatz beim Menschen sind jedoch weitere Untersuchungen zur Sicherheit nötig. Weltweit leiden rund 1,2 Milliarden Menschen an Eisenmangel. APA/Nature Nanotechnology


Resistente Keime: Grazer Forscher entschlüsseln Struktur

Forscher der Universität Graz haben zusammen mit Londoner Kollegen die Struktur des Enzyms Relaxase entschlüsselt, das entscheidend zur Weitergabe von DNA bei Bakterien und damit zu deren Antibiotika-Resistenz beiträgt. Relaxase wählt in einem Bakterium gezielt DNA aus und durchtrennt einen der beiden DNA-Stränge, der sofort wieder nachwächst. Das Enzym transportiert die abgetrennten Gene in ein benachbartes Bakterium. So lernen die Bakterien voneinander und übertragen auch ihre Immunität gegen bestimmte Antibiotika schnell. Die Erkenntnisse liefern laut den Forschern neue Anhaltspunkte, um die Relaxase auszuschalten und die Verbreitung von Antibiotika- Resistenzen einzudämmen. APA/Cell


Zika-Virus-Vakzine: Test an Probanden

Ein prophylaktischer Impfstoff gegen Zika-Virus- Infektionen (MV-ZIKA-101) wird derzeit von einer Wiener Biotech-Firma in einer ersten klinischen Phase I-Studie getestet. Der Impfstoff basiert auf einem abgeschwächten rekombinanten Lebendimpfstoff auf Basis der Masern-Vakzine. Durch die klinische Studie soll jene Impfstoff-Dosis identifiziert werden, die eine optimale Immunantwort, Sicherheit und Verträglichkeit bewirkt. 48 gesunde Freiwillige werden in drei unterschiedliche Behandlungsregime eingeteilt und mit einer Placebo-Immunisierung verglichen. APA


Gleich hohe Risken für Herzkrankheiten und Darmkrebs

Ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht mit einem hohen Risiko für Darmkrebs einher, wie Forscher des Universitätsspitals Zürich in einer Studie mit knapp 2.100 Männern und Frauen zeigen konnten. Sie errechneten für jeden Probanden das individuelle Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und unterzogen sie danach einer Koloskopie. Alle Teilnehmer hatten zu Studienbeginn keinerlei Symptome. Der Vergleich der Daten zeigte, dass das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf Erkrankungen mit Anzeichen auf mögliche Vorstufen von Darmkrebs einherging.
APA/Journal of the American College of Cardiology


Wie sich das Hirn von Einhändigen behilft

Nutzen Menschen, die von Geburt an einhändig sind, andere Körperteile, um Arbeiten zu erledigen, sind genau jene Hirnregionen aktiv, die die fehlende Hand steuern würden, wie Forscher um Tamar Makin vom britischen University College London herausgefunden haben. 17 Menschen, die mit einer Hand geboren wurden, mussten alltägliche Arbeiten verrichten. Wenn der Mund oder der handlose Arm zum Öffnen einer Flasche genutzt wird, leuchten bei der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) ebenfalls die handtypischen Regionen im motorischen Cortex auf. Diese Regionen entsprechen bei Menschen mit zwei Händen der nicht bevorzugten Hand, also der linken Hand bei einem Rechtshänder. „Wenn das richtig ist, bedeutet dies, dass wir die Organisation des Gehirns missverstanden haben: Sie basiert nicht auf Körperteilen, sondern auf Funktionen“, so Makin. Allerdings sei dies nur eine Arbeitstheorie, schränkt sie ein. Die Erkenntnisse könnten jedoch für eine bessere Verwendung von Prothesen nützlich sein. APA/Current Biology


Lebergröße variiert im Tagesverlauf

Forscher der Universität Genf haben an Mäusen entdeckt, dass die Leber je nach wechselnden Essens- und Fastenzeiten im Tages- und Nachtverlauf wächst und schrumpft. Entsprechend den Aufgaben für Stoffwechsel und Blutreinigung werden rhythmisch mehr als 350 Gene aktiviert und wieder abgeschaltet. Bei Mäusen nimmt die Größe der Leber während der aktiven Phase nachts zu; am Ende der Nacht war sie um mehr als 40 Prozent größer als zu Beginn. Tagsüber schrumpfte sie wieder auf die alte Größe zusammen. Wurden die Mäuse aber tagsüber – entgegen ihrer inneren Uhr – gefüttert, verschwanden die Fluktuationen fast völlig. Vor allem bei Menschen, die etwa durch Schichtarbeit nicht ihrer inneren Uhr entsprechende Aktivitäts- und Ruhephasen einhalten, könnte der natürliche Rhythmus der Leber durcheinanderkommen. APA/Cell


Junge HIV-Patienten: gute Lebenserwartung

Die Lebenserwartung von jungen HIV-Patienten ist aufgrund von modernen Therapien fast ebenso hoch wie jene von gesunden Menschen. Das haben Forscher der Universität Bristol anhand der Daten von mehr als 80.000 HIV-Patienten aus Europa und den USA gezeigt. Ein 20-Jähriger, der nach 2008 mit einer HIV-Behandlung begonnen hat, kann demnach statistisch gesehen 78 Jahre alt werden; die Lebenserwartung verlängerte sich durch neue Therapien um zehn Jahre. APA/The Lancet HIV


HIV-Selbsttest mit direktem Ergebnis

In Belgien ist ab sofort ein HIVSelbsttest rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Laut den Herstellern liefert er sofort ein zu 99 Prozent präzises Ergebnis. Beim Selbsttest handelt es sich um eine angepasste Version eines Tests, der seit mehr als zehn Jahren von medizinischen Fachkräften in Europa angewendet wird. APA


Neue Analgetika aus Fisch-Gift?

Das Heroin-ähnliche Gift der im Pazifik vorkommenden Säbelzahnschleimfische könnte für die Entwicklung von neuen Schmerzmitteln verwendet werden – vermuten die Forscher um Bryan Fry von der australischen University of Queensland. Die Fische der Gattung Meiacanthus lähmen Angreifer mit Opiat-artigen Peptiden, „die wirken wie Heroin oder Morphium und Schmerz eher hemmen als verursachen“, so die Studienautoren. Durch das Gift scheint der Blutdruck der Angreifer zu sinken, sie bewegen sich langsamer und wirken benommen. APA/Current Biology

Zika-Notstand in Brasilien beendet

18 Monate nach dem Beginn der Zika-Epidemie wurde in Brasilien nun der nationale Notstand für beendet erklärt. Von Jänner bis Mitte April dieses Jahres hat es laut Gesundheitsministerium nur noch 7.911 neue Zika-Infektionen gegeben; auch die Zahl der Mikrozephalie-Fälle bei Säuglingen ist zurückgegangen. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es mehr als 170.000 Fälle. Das ist ein Rückgang um rund 95 Prozent. APA



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.05.2017