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ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 11 - 10.06.2017

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (10.06.2017)


Schlafmangel beeinflusst Außenwirkung

Schlafmangel wirkt sich negativ auf die Außenwirkung von Menschen aus: Sie wirken unbeliebter, unattraktiver und ungesünder. Das haben Wissenschafter um Tina Sundelin vom Karolinska-Institut in Stockholm gezeigt. Sie haben Fotos von 25 gesunden Menschen gemacht – einmal nach zwei Nächten mit acht Stunden Schlaf und einmal, nachdem sie zwei Nächte je nur vier Stunden geschlafen hatten. 122 andere Personen mussten anschließend die Wirkung der Probanden auf den Fotos beurteilen. Ergebnis: Mit unausgeschlafenen Personen wollten sie deutlich weniger gern Zeit verbringen als mit den ausgeschlafenen Probanden. Die Wissenschafter vermuten, dass dies eine Art Selbstschutz ist: Müdigkeit erhöht das Unfallrisiko und auch Krankheiten hängen häufig mit Schlafmangel zusammen. APA/Open Science


Tiefschlaf fördert Lernfähigkeit

Wissenschafter der Universität und ETH Zürich haben erstmals den ursächlichen Zusammenhang zwischen Tiefschlaf und Lernfähigkeit des Gehirns nachgewiesen. Sechs Frauen und sieben Männer sollten tagsüber Abfolgen von Fingerbewegungen lernen. In der darauffolgenden Nacht wurde ihr – ungestörter – Schlaf mittels Elektroenzephalographie überwacht. Am nächsten Tag lernten sie in der Früh am besten, im Lauf des Tages stieg die Fehlerquote. Nach dem Schlaf war die Lernfähigkeit wieder besser. Nach einem zweiten Tag mit neuen Fingerbewegungen wurde die Schlaftiefe im Motorcortex – jener Hirnregion, die beim Erlernen der Fingerbewegungen wichtig war – durch akustische Stimulation manipuliert und reduziert. Ergebnis: Die Lernfähigkeit war in der Früh danach ähnlich schwach wie am Abend davor. Die Erregbarkeit der Synapsen konnte sich durch die reduzierte Schlaftiefe nicht normalisieren; in der stark erregten Hirnregion war die Lernfähigkeit gesättigt. APA/Nature Communications


Gluten-Verzicht: kein Schutz vor Herzerkrankungen

Ein freiwilliger Verzicht auf Gluten schützt nicht vor Herzerkrankungen. USamerikanische Forscher der Columbia University haben die Gesundheits- und Ernährungsdaten von rund 110.000 US-Amerikanern 24 Jahre lang beobachtet. In der Gruppe mit dem niedrigsten Gluten-Konsum gab es ebenso viele koronare Herzerkrankungen wie in jener mit dem höchsten Konsum. Gesunde Menschen, die auf Vollkorn-Produkte verzichten, riskieren den Verlust des schützenden Effekts vor Herzerkrankungen.
APA/British Medical Journal



Hypertonie bei Kindern: vor allem bei Übergewicht

Übergewichtige Kinder in westlichen Ländern leider immer häufiger an Hypertonie. Dass die Zahlen steigen – Experten gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen sind – ist laut Robert Dalla Pozza vom Uniklinikum München auch ein gesellschaftliches Problem. Oft würden Medikamente verabreicht, obwohl „die richtige Therapie die Gewichtsabnahme in Verbindung mit sportlicher Betätigung wäre“. APA


Prostatakarzinom: neue, effektive Wirkstoffkombination

Wiener Forscher um Stefan Kubicek vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin in Wien (CeMM) haben Prostatakarzinomzellen paarweise mit Hunderten Wirkstoffen behandelt und dabei herausgefunden, dass die Kombination aus „Flutamid“ und „Phenprocoumon“ besonders effektiv wirkt. Sie bauen Androgenrezeptoren ab und unterdrücken dadurch das Wachstum hormonabhängiger Tumorzellen, die schließlich die Apoptose einleiten. APA/Nature Chemical Biology


Forschung an sicheren Medizin-Apps

Die sichere Vernetzung von medizinischen Daten außerhalb von Krankenhäusern mit dem Schwerpunkt App- und Sensor-gestützter Überwachung von chronischen Krankheiten wird am FH Technikum Wien erforscht. In einem „Innovation Lab“ werden Open-Source-Software-Komponenten getestet; diese sollen den Herstellern von Medizintechniksoftware zur Verfügung gestellt werden und sichere Apps gewährleisten. APA


Hepatitis A-Ausbruch in Europa

In Europa – und auch in Österreich – treten seit 2016 deutlich mehr Hepatitis A-Erkrankungen auf. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurden hierzulande seit Anfang 2017 bereits 117 Erkrankungen gemeldet. In den vergangenen Jahren waren es im selben Zeitraum jeweils etwa 30. Seit Juni 2016 haben 15 EU-Mitgliedstaaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien, Schweden) 1.173 laborbestätigte Hepatitis A-Fälle mit Genotyp IA gemeldet. Die genetischen Analysen der verursachenden Viren zeigten drei verschiedene „Cluster“ an HAV-Untertypen. „Die meisten Krankheitsfälle betreffen erwachsene Männer, die Sex mit Männern haben (MSM); 80 Fälle traten bei Frauen auf“, meldete die AGES mit Bezug auf Zahlen des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). APA


Harninkontinenz und Reizblase: Anstieg erwartet

In Österreich leidet jede dritte Frau und jeder zehnte Mann über 50 leidet an Harninkontinenz. „Bei den über 70-Jährigen ist es sogarjeder sechste Mann“, erklärte Univ. Prof. Stephan Madersbacher von der Abteilung für Urologie im Wiener Kaiser-Franz-Josef Spital, kürzlich bei einer Pressekonferenz in Wien. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden im Jahr 2030 in Österreich rund 1,2 Millionen Menschen (plus 20 Prozent) von Harninkontinenz und rund 1,4 Millionen Menschen von einer Reizblase (plus 60 Prozent) betroffen sein. Harninkontinenz ist nach wie vor der zweithäufigste Grund für die Aufnahme in einem Pflegeheim und verursacht etwa 450 Millionen Euro direkte Gesundheitskosten. Mit einem Anstieg auf etwa 650 Millionen Euro bis zum Jahr 2030 sei zu rechnen, so Madersbacher.


Sport: blaues Licht steigert abendliche Leistung

Blaues Licht verbessert am Abend die Fähigkeit von Sportlern, ihre Leistung im Endspurt eines Wettkampfs zu steigern. Das konnten Forscher der Universität Basel in einer Studie mit 74 männlichen Athleten nachweisen. Ein Teil der Sportler wurde eine Stunde lang mit blauem monochromatischem Licht bestrahlt, die anderen mit hellem Licht oder Kontrolllicht. Unmittelbar danach erfolgte ein zwölfminütiger Leistungstest auf dem Fahrrad-Ergometer. Durch die Bestrahlung mit blauem Licht wurde Melatonin wirksam unterdrückt und der Schlaf-Wach-Rhythmus der Sportler beeinflusst. Die Steigerung stand in Zusammenhang mit der eingesetzten Menge an blauem Licht. Die Maximalleistung der Athleten wurde jedoch nicht beeinflusst.
APA/Frontiers in Physiology


Neuer Biosensor misst Medikamentenkonzentration

Der Sensor, den Forscher um Kai Johnsson von der ETH Lausanne entwickelt haben, besteht aus drei Teilen; der wichtigste – und die eigentliche Neuerung – ist ein Antikörper. Dieser erkennt das Medikament spezifisch und bindet es. Die beiden weiteren Bestandteile sind ein an den Antikörper gekoppeltes blau leuchtendes Protein sowie ein „frei schwimmendes“ rot leuchtendes Protein, das Energie zum Leuchten benötigt. Ist der gesuchte Wirkstoff in der Blutprobe vorhanden, leuchtet der Biosensor blau; bei Nichtvorhandensein leuchtet er rot. Mit einer Digitalkamera, einer abgedunkelten Box und einer Bildanalyse-Software lassen sich die Farbanteile von rot und blau bestimmen und die Medikamentenkonzentration errechnen. APA/Angewandte Chemie



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 11 / 10.06.2017