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ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 1/2 - 25.01.2017

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (25.01.2017)


Krafttraining hilft auch Frauen über 80

Regelmäßiges Krafttraining mit einem elastischen Band hat auch bei Frauen über 80 Jahren noch positive Effekte auf die Muskulatur. Das haben Wiener Forscher um Marlene Hofmann vom Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport der Uni Wien im Rahmen der „Vienna Active Ageing Study“ herausgefunden. 91 Frauen im Durchschnittsalter von 83,6 Jahren wurden in drei Gruppen eingeteilt: regelmäßiges Krafttraining mit dem elastischen Band, Krafttraining plus Nahrungsergänzungsmittel sowie kognitives Training. Die Kontrollen erfolgten nach drei und nach sechs Monaten. Das Krafttraining erhöhte die Kraft der Beinmuskulatur um zwölf bis 14 Prozent; auch im Belastungstest beim Aufstehen aus einem Sessel waren die Ergebnisse um 15 bis 18 Prozent besser. APA/European Journal of Applied Physiology


Antibiotika-Gel gegen Lyme-Borreliose

Ein Antibiotika-Gel auf Basis von Azithromycin kann die Entwicklung einer Lyme-Borreliose nach einem Zeckenstich verhindern. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie an der MedUni Wien unter der Leitung von Univ. Prof. Bernd Jilma. Insgesamt wurden 1.000 Patienten innerhalb von 72 Stunden nach erfolgtem Zeckenbiss mit dem Antibiotika-Gel behandelt. Keiner von ihnen entwickelte eine Lyme-Borreliose. In der Kontrollgruppe, die ein Placebo erhielt, kam es hingegen zu sieben Borreliose-Fällen. Das Gel wird drei Tage lang alle zwölf Stunden aufgetragen, ist laut den Forschern nebenwirkungsfrei und könne auch bei Kindern angewendet werden. Der Phase II/III-Studie muss für den möglichen klinischen Einsatz nun noch eine Belegstudie folgen. In Österreich gibt es pro Jahr rund 24.000 Fälle von Lyme-Borreliose, in Westeuropa mehr als 200.000.
APA/The Lancet Infectious Diseases



Manche Gehirnareale wachsen auch später

Anders als bisher angenommen wächst Gewebe in manchen Gehirnarealen bis ins Erwachsenenalter. Dadurch können sich bestimmte Fähigkeiten wie das Erkennen von Gesichtern verbessern. Das hat ein internationales Forscherteam um Prof. Katrin Amunts vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich herausgefunden. Für die Studie sollten sich Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren und junge Erwachsene zwischen 22 und 28 Jahren Bilder ansehen. Die Forscher untersuchten mit Hilfe von Magnetresonanztomografie die Gehirnaktivität in zwei Gehirnregionen: jener für Gesichtserkennung und jener für Ortserkennung. Bei Erwachsenen fanden sie in der Gehirnregion für die Gesichtserkennung Hinweise auf zusätzliches Gewebe, das die Kinder noch nicht hatten. APA/Science


Höheres Demenzrisiko durch Wohnen an belebten Straßen

Menschen, die nahe an stark befahrenen Straßen wohnen, haben ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Forscher um Hong Chen von der Gesundheitsbehörde von Ontario haben zwischen 2001 und 2012 sechs Millionen Menschen in der kanadischen Provinz untersucht. Bei jenen, die weniger als 50 Meter von einer stark befahrenen Straße entfernt wohnen, ist das Risiko um sieben Prozent höher, bei bis zu 100 Metern sind es vier Prozent; ab 200 Metern gibt es kein erkennbar höheres Risiko. Für einen eindeutigen Beweis müssten weitere Studien folgen. Eine Verbindung zwischen der Nähe zu stark befahrenen Straßen und anderen neurologischen Erkrankungen wie M. Parkinson oder Multiple Sklerose haben die Forscher nicht gefunden.
APA/The Lancet


Ebola-Kandidat-Vakzine hoch effektiv

In einer WHO-Studie hat sich eine Ebola-Vakzine auf Basis von rekombinanten vesikulären Stomatitis-Viren (rVSV) als hoch effektiv erwiesen: Unter sofort geimpften Personen im Umfeld von Erkrankten wurde keine einzige Infektion beobachtet. In der Region von Basse-Guinee (Guinea, Afrika) wurden 2015 insgesamt 117 Personengruppen mit je rund 80 Menschen identifiziert, in denen es zu Ebola gekommen war und die miteinander Kontakt gehabt hatten. Die Kontaktpersonen wurden entweder sofort oder nach drei Wochen geimpft. Nach einer positiven Zwischenauswertung wurden alle Kontaktpersonen immunisiert. Das Endergebnis: Unter den sofort Geimpfen (4.123 Personen) kam es ab einem Zeitabstand von zehn Tagen zu keiner einzigen Ebola- Erkrankung. Bei den erst später Immunisierten (3.528 Personen) wurden hingegen 16 Ebola-Infektionen registriert. Die Kandidat-Vakzine hat von der US-Arzneimittelbehörde FDA und der europäischen Arzneimittelbehörde EMA den Status für eine beschleunigte Zulassung erhalten. APA/Lancet


RANKL: Prädiktor für Mammakarzinom nach Menopause

Nach der Menopause bedeuten hohe RANKL- und Progesteron-Werte ein 5,5-fach erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom. Das haben internationale Forscher unter österreichischer Beteiligung von Univ. Prof. Stefan Kiechl von der Universitätsklinik Innsbruck und Daniel Schramek vom Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien (IMBA) herausgefunden. Sie analysierten das Blut von 278 Frauen nach der Menopause, die an einer britischen Untersuchung zur Machbarkeit eines Screeningsprogramms auf Ovarialkarzinome mit insgesamt rund 203.000 Probandinnen teilnahmen. Bei 40 Frauen wurde Brustkrebs in einem Zeitraum zwischen fünf und zwölf Monaten nach der Blutabnahme diagnostiziert; bei 58 Frauen zwölf bis 24 Monate danach. Keine Probandin wies eine BRCA1-Mutation auf. APA


USA: Lebenserwartung gesunken

Erstmals seit mehr als 20 Jahren ist die Lebenserwartung in den USA gesunken: 2014 waren es durchschnittlich 78,9 Jahre, 2015 nur noch 78,8. Das teilte das Zentrum für Gesundheitsstatistik in Washington mit. Acht der zehn häufigsten Todesursachen haben zugenommen, darunter vor allem Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes mellitus sowie Drogen- und Medikamenten- Überdosen. Mitverantwortlich für diese Entwicklung sind auch Unterschiede beim Einkommen, der Ernährung sowie die Arbeitslosigkeit. APA


Neuronen: „Vorratslager“ für Proteinproduktion

Nervenzellen legen einen Vorrat an DNA-Kopien an, um benötigte Proteine schneller produzieren zu können. Das haben Wissenschafter um Peter Scheiffele von der Universität Basel entdeckt. Trifft ein neuronaler Reiz ein, greift die Zelle demnach auf diese Kopien zurück und kann so schneller auf den Reiz reagieren. So kann die Produktion größerer Gene, die normalerweise zehn bis 20 Stunden dauert, in fünf Minuten erfolgen. APA/Neuron


Depression: schlechteres Ansprechen auf Chemotherapie

Patienten mit Depressionen sprechen schlechter auf eine Chemotherapie an als psychisch belastbare Patienten. Das hat eine Studie von Forschern um Yufeng Wu vom Henan Cancer Hospital in China ergeben. Sie verglichen die Daten zum Verlauf der Krebserkrankung bei 186 Patienten mit neu diagnostizierten malignen Tumoren mit Daten zur psychischen Verfassung der Betroffenen. Außerdem wurde die Konzentration des Brain Derived Neurotrophic Factor (BDNF) im Blut beobachtet, die auf das Vorliegen von Depressionen hinweist. Am depressivsten waren Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung. Gleichzeitig reduzierte die Depression auch die Verträglichkeit der Chemotherapie: Es zeigten sich mehr Nebenwirkungen und im Durchschnitt längere Spitalsaufenthalte. Auch die Dauer bis zum Fortschreiten der Krebserkrankung unter Chemotherapie war bei depressiven Krebspatienten kürzer. APA



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 1-2 / 25.01.2017