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ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 12 - 30.06.2017

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (30.06.2017)


Psychische Erkrankung bei Jugendlichen häufig

23,93 Prozent aller Jugendlichen in Österreich leiden aktuell an einer psychischen Erkrankung, mehr als ein Drittel irgendwann in ihrem Leben. Das ist das Ergebnis der ersten österreichweiten, epidemiologischen Studie zur Prävalenz von psychischen Erkrankungen, die Wissenschafter um Univ. Prof. Andreas Karwautz und Gudrun Wagner an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien durchgeführt haben. Erstmals weltweit wurden 27 Krankheitsbilder laut DSM-5-Katalog erfasst; rund 4.000 Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren wurden befragt. „Die häufigsten Störungsbilder betreffen Angststörungen, gefolgt von Störungen der psychischen und neuronalen Entwicklung und depressiven Störungen“, so Karwautz. Burschen leiden fast drei Mal so häufig an Störungen der psychischen und neuronalen Entwicklung wie etwa an einem ADHS-Syndrom als Mädchen und sechsmal so häufig an Verhaltensstörungen. Mädchen dagegen sind doppelt so häufig von Angststörungen und zehnmal so oft von Essstörungen betroffen als Buben. Ein weiteres Ergebnis: Nicht einmal die Hälfte der Betroffenen hat sich an einen Kinder- und Jugendpsychiater gewandt. MedUni Wien


Mamma-Ca: Aluminium-Deos können Risiko erhöhen

Ein sehr häufiger, mehrmals täglicher Gebrauch von Deos mit Aluminiumsalzen kann bei der Anwendung in jungen Jahren bei Frauen das Risiko für ein Mammakarzinom erhöhen. Forscher der MedUni Innsbruck haben 209 Patientinnen mit Brustkrebs und eine gleich große Kontrollgruppe von gesunden Frauen gleichen Alters befragt. Außerdem haben sie Gewebeproben aus der Brust im Hinblick auf die Aluminiumkonzentration untersucht. Ergebnis: Das Risiko ist nicht nur bei mehrmals täglichem Gebrauch erhöht; auch weisen Frauen mit Brustkrebs eine signifikant höhere Aluminiumkonzentration im Brustgewebe auf als gesunde Frauen. Das gilt vor allem für Frauen mit Tumoren in Achselnähe. Dies ist aber kein definitiver Beweis, dass Aluminiumsalze karzinogen sind. „Weitere Untersuchungen sind unbedingt erforderlich“, so Univ. Prof. Nicole Concin von der Innsbrucker Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Bis zur vollständigen Aufklärung über die Bedeutung von Aluminiumsalzen als potentiell krebsauslösenden Stoff empfehlen die Forscher einen sorgsamen Umgang mit Deos, die Aluminium enthalten. Speziell in jungen Jahren sollte auf übermäßigen Gebrauch verzichtet werden. APA/EBioMedicine


Anorexie kann genetisch bedingt sein

Eine internationale Forschergruppe unter der Beteiligung der Universität Duisburg-Essen hat ein Gen auf dem Chromosom 12 identifiziert, das eine Anorexia nervosa begünstigt. Diese Region wurde bereits mit Typ 1-Diabetes und Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht. Für die Studie wurden Daten von knapp 3.500 Patientinnen mit Anorexie analysiert. „Eine psychiatrische Störung mit einem physiologischen Hintergrund eröffnet völlig neue und bislang unerwartete Therapieoptionen“, so Anke Hinney von der Forschergruppe. APA/The American Journal of Psychiatry


Adipositas: Zahl steigt rasant

Der Anteil der adipösen Menschen hat sich von 1980 bis 2015 in mehr als 70 Ländern verdoppelt, wie eine Studie des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle ergeben hat. 2015 waren weltweit und 2,2 Milliarden Menschen übergewichtig oder adipös – das entspricht etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung. Unter den 20 bevölkerungsreichsten Ländern gibt es mit 13 Prozent in den USA die meisten adipösen Kinder. Bei Erwachsenen ist Adipositas mit einem Anteil von etwa 35 Prozent in Ägypten am weitesten verbreitet. Laut Studie starben 2015 etwa vier Millionen Menschen an den Folgen ihres Übergewichts. Bei zwei Drittel waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Ursachen bei rund 15 Prozent Diabetes. APA/NEJM


Späte Schwangerschaft birgt höheres Risiko

Mit steigendem Alter der Frau nehmen lebensbedrohliche Komplikationen bei einer Schwangerschaft zu – das bestätigen Forscher um Sarka Lisonkova von der University of British Columbia in Vancouver. Sie haben Daten von mehr als 800.000 Schwangeren aus dem US-Bundesstaat Washington aus 2003 bis 2013 analysiert. Dabei wurden Faktoren wie Übergewicht oder eine künstliche Befruchtung herausgerechnet. Als Normalwert wurde die Komplikationsrate bei Frauen zwischen 25 und 29 Jahren gesetzt. Insgesamt kam es im Durchschnitt bei 16 von 1.000 Geburten zu schweren, lebensbedrohlichen Komplikationen. Bei Müttern, die zwischen 40 und 44 Jahr alt waren, lag sie um knapp ein Prozent höher als bei Frauen zwischen 25 und 29 Jahren. Sie hatten zum Beispiel ein dreifach höheres Risiko für einen Schock und ein achtfach höheres Risiko für eine Fruchtwasserembolie. Bei Frauen ab 50 Jahren lag das Gesamtrisiko für schwere Komplikationen um mehr als sechs Prozent höher. APA/PLOS Medicine


Echinacea blockiert Endocannabinoide

Forscher der Universität Bern und der ETH Zürich haben im Tierversuch mit einem Wirkstoff von Echinacea purpura den Transport von Endocannabinoiden ins Innere der Zelle, wo sie abgebaut werden, verhindert. Weil dadurch mehr Endocannabinoide außerhalb der Zellen bleiben, können sie mit Cannabinoid-Rezeptoren auf Nerven- und Immunzellen wechselseitig wirken und diese aktivieren. Dazu Jürg Gertsch von der Universität Bern: „Das Prinzip ist damit ähnlich wie bei Antidepressiva auf Basis von Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern“. Das Endocannabinoid-System sorge dafür, dass die Überstimulation von Nervenverbindungen gebremst und ihre Aktivität normalisiert werde. Weil das körpereigene Regulationssystem mehrfach rückgekoppelt sei, ließe sich die Behandlung laut den Wissenschaftern auch praktisch nicht überdosieren. Gertsch und sein Team hoffen, den Grundstein für die Entwicklung von neuen Medikamenten mit wenig Nebenwirkungen zu legen – speziell im Bereich der stressbedingten Erkrankungen. APA/PNAS


Stress in der Schwangerschaft beeinflusst Baby

Sind Schwangere über längere Zeit gestresst, kann sich der Stoffwechsel in der Placenta verändern. In der Folge steigt im Fruchtwasser die Konzentration von Stresshormonen und beeinflusst das Wachstum des Ungeborenen – etwa so, dass zum Zeitpunkt der Geburt die Organe weniger ausgereift sind. Insgesamt kann sich dadurch dasRisiko, psychische oder körperliche Beschwerden wie ADHS oder Herz-Kreislauferkrankungen zu entwickeln, erhöhen. Eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind nach der Geburt kann den negativen Effekt von Stress in der Schwangerschaft aber wieder aufheben. Kurzzeitiger Stress hat laut der Studie keinen Einfluss auf die Entwicklung des Babys. APA


Typ 2-Diabetes: neuer Mechanismus entdeckt

Wissenschafter um Yuyan Xiong und Zhihong Yang von der Universität Freiburg (Schweiz) haben bei Mäusen herausgefunden, warum die Betazellen des Pankreas mit dem Alter zunehmend geschädigt werden. Demnach produziert die Bauchspeicheldrüse im Alter zu viel Arginase II, was einen Überschuss an Entzündungsbotenstoffen bewirkt, die das Pankreas schädigen. Ohne Arginase II entwickeln Mäuse im Alter keine Zucker-Intoleranz, schütten als Reaktion auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel mehr Insulin aus, besitzen eine größere Zahl Betazellen, die sich außerdem mehr teilen und weniger häufig absterben. Damit könnte Arginase II ein vielversprechender Ansatz sein, um die Schädigung von Betazellen und damit eine der Ursachen der Typ-2-Diabetes zu bekämpfen. APA/Diabetes



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 12 / 30.06.2017