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ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 13/14 - 15.07.2017

Walter Dorner: 1942 – 2017


Der ehemalige Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Generalmajor a.D. Medizinalrat Walter Dorner, ist Anfang Juli nach langer schwerer Krankheit verstorben.


Mit der einstimmigen Wahl zum Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer beim Kammertag im oberösterreichischen Geinberg war Walter Dorner im Juni 2007 am Höhepunkt seiner standespolitischen Karriere angekommen. Zusammen mit seinem Vize Artur Wechselberger, den Kurienspitzen Günter Wawrowsky und Harald Mayer sowie Finanzreferent Othmar Haas sollte er in den kommenden fünf Jahren die Geschicke der Standesvertretung lenken. „All meine Kraft, mein Engagement und auch mein Hirn und mein Herz werde ich für die Anliegen der Medizin und der Ärzteschaft einsetzen“, erklärte Dorner in seiner Antrittsrede. Davon sollten die Jahre seiner Präsidentschaft geprägt sein.

Begonnen hat seine Amtszeit mit einem Konflikt. Die Finanznöte der sozialen Krankenversicherung mündeten 2008 in einem Gesetzesentwurf für eine Gesundheitsreform, die eine Abkehr vom konsensualen Vertragspartnersystem, ein ministerielles Diktat für die medizinische Behandlung sowie einen politischen Machtzuwachs der Wirtschaftskammer bedeutet hätte. Verhandlungen mit der damaligen Regierungsspitze (Gusenbauer/ Molterer) blieben erfolglos, der Konflikt eskalierte. Anfang Juni kam es unter dem Motto „Seids krank?“ zur von der ebenfalls von Walter Dorner als Präsident geführten Ärztekammer Wien organisierten Großdemonstration mit einer Kundgebung auf dem Ballhausplatz - ohne Walter Dorner. Er saß in Berlin wegen eines Streiks der Lufthansa fest. Kurz darauf folgte ein Protestmarsch von rund 8.000 Ärztinnen und Ärzten über den Ring zum Parlament, der in einem flammenden Appell des ÖÄK-Präsidenten an den Nationalrat gipfelte. Mehr als 300.000 Unterschriften für ein Patientenbegehren wurden gesammelt; am 16. Juni schließlich waren österreichweit die Ordinationen nahezu lückenlos geschlossen. Insider berichten, dass die Ärzteproteste nicht nur zum Scheitern der so genannten Gesundheitsreformpläne führten, sondern auch zum Rücktritt der Regierung Gusenbauer-Molterer mit anschließenden Neuwahlen beitrugen.

Der Konflikt führte zu einem umfangreichen Vertrag mit dem Hauptverband im Juni 2009, bei dem der Grundsatz „Vertrag vor Gesetz“ vereinbart wurde. Dieser war jedoch nur von kurzer Dauer, da der damalige Hauptverbandschef Hans Jörg Schelling 2010 den „Masterplan Gesundheit“ präsentierte: Die künftige Bedarfsplanung für den ambulanten Bereich sollte ausschließlich durch die Financiers im Gesundheitswesen ohne Leistungserbringer erfolgen. Weitere Proteste folgten dann 2012, bereits unter dem Nachfolger von Walter Dorner.

60 Jahre ÖÄK

Auch ein besonderes Jubiläum fiel in seine Amtszeit: 2009 wurde das 60-jährige Jubiläum der Wiedererrichtung der Ärztekammern nach dem Zweiten Weltkrieg begangen. Mit dem neuen Ärztegesetz wurde die Basis für die Freiberuflichkeit der Ärzte geschaffen. „Wir sind ein freier Beruf - und das wollen wir auch in Zukunft bleiben. Der Stolz und die Freude über das in dieser Zeit Geleistete und Erreichte sollen uns Ansporn und Triebfeder für die Zukunft sein“, sagte Dorner aus diesem Anlass.

Weitere zentrale Punkte seiner fünfjährigen Amtszeit war die Einführung des Fehlerberichts- und Lernsystems CIRSmedical, die Gründung der Plattform Patientensicherheit, die 13. Ärztegesetz- Novelle, die eine Klarstellung und Erweiterung der Kompetenzen der ÖÄK im eigenen wie im übertragenen Wirkungsbereich brachte. Das geplante Weisungsrecht des Gesundheitsministers bei der ÖQMed konnte verhindert werden; die ärztliche Selbstevaluierung blieb im Wirkungsbereich der ÖÄK. Aktivitäten gab es auch bei der Fortbildungsplattform www.meindfp.at mit dem online Fortbildungskonto und dem DFP-Literaturstudium, einen kurzfristigen vertragslosen Zustand mit der SVA 2010 sowie die Gründung der Gesundheitsberufekonferenz unter Federführung der ÖÄK.

Ethos, Kompetenz und Freiheit stellten für Walter Dorner die Basis des ärztlichen Berufs, der ärztlichen Berufung dar. Die individuelle und kollektive ärztliche Verantwortung sah er zuallererst in der Verpflichtung, im Spannungsfeld zwischen Politik und Ökonomie die humanistischen und sozialen Werte am Leben zu halten und darauf hinzuweisen, dass die Ärztinnen und Ärzte primär im Dienste der Patienten stehen. Sein persönlicher Zugang zur ärztlichen Tätigkeit war vom Humanismus geprägt und zutiefst christlich-sozial.

Walter Dorner wurde 1942 im niederösterreichischen Neunkirchen geboren, verbrachte seine Kindheit im Burgenland und maturierte in Mattersburg. Medizinstudium an der Universität Wien. 1969 erfolgte die Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde, anschließend Turnus und Facharztausbildung zum Facharzt für Chirurgie am Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien, später dann im Heeresspital in Wien Stammersdorf, wo er Kommandant und ärztlicher Leiter war. Ebenso war er in weiterer Folge auch Kommandant der Van Swieten-Kaserne.

Seine standespolitische Aktivität begann 1981 mit der Wahl in die Wiener Vollversammlung, ab 1985 war er Vorstandsmitglied der Ärztekammer Wien. Die Verleihung des Berufstitels Medizinalrat folgte, er wurde zum Brigadier ernannt, später zum Generalmajor. 1996 wurde er 3. Vizepräsident der Ärztekammer Wien, seit Juni 1999 war er deren Präsident. 2003 wurde er im Amt bestätigt und gleichzeitig erster Vizepräsident der ÖÄK. In seiner dritten Amtszeit als Wiener Ärztekammerpräsident wurde Dorner auch zum ÖÄK-Präsidenten gewählt.

Zahlreiche Auszeichnungen würdigten seine Verdienste: das Goldene Ehrenzeichen der Ärztekammer für Wien, das Große Ehrenzeichen der Österreichischen Ärztekammer, das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik, der Goldene Rathausmann der Stadt Wien und die Ehrenmitgliedschaft in der Gesellschaft der Ärzte.

Bei seiner Verabschiedung im Jahr 2012 im Rahmen des Kammertags in Bregenz erklärte Nachfolger Artur Wechselberger: „Ich habe selten jemanden erlebt, der mit so viel persönlichem Einsatz sich einer Aufgabe so gewidmet hat wie Walter Dorner.“
Agnes M. Mühlgassner



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2017