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ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 18 - 25.09.2017

Prävention: Wenn Schule gesund wird...


… sind die Kinder von heute gesündere Erwachsene von morgen. Eine Studie unter Wiener Volksschülern hat die signifikante Wirkung von Prävention und Gesundheitserziehung bewiesen. Von Marion Huber

Acht- bis zehnjährige Kinder einer Wiener Volksschule, die Erziehung zu gesunder Ernährung und Förderung von regelmäßiger Bewegung – bringt man all das zusammen, hat man ein Präventionsprogramm, das nachweislich die Gesundheit fördert und Wohlstandserkrankungen vermindert. Das beweist das Projekt „EDDY-young“ – ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm für Volksschüler – eindrucksvoll. Kürzlich hat die Wiener Ärztekammer gemeinsam mit dem Projektleiter Univ. Prof. Kurt Widhalm einen Zwischenbericht präsentiert.

„Es ist eine so wesentliche Studie, dass die einmaligen Ergebnisse in die Öffentlichkeit getragen werden müssen“, ist der Präsident der Wiener und der Österreichischen Ärztekammer, Univ. Prof. Thomas Szekeres, überzeugt. Weil Adipositas und die Folgeerkrankungen immer mehr auch immer jüngere Kinder betreffen, müsse Prävention schon im Kindesalter beginnen. Laut WHO sind in Europa zwölf bis 16 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig oder adipös. Szekeres sieht es als Aufgabe des öffentlichen Gesundheitssystems und der politisch Verantwortlichen, der Prävention mehr Stellenwert beizumessen. „Es ist an uns allen, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, dies rechtzeitig und mit relativ einfachen Maßnahmen zu tun“, betonte der Ärztekammerpräsident.

Ernährung & Bewegung

„Tatsächlich zeigen Zwischenergebnisse unseres Projekts, dass fundierte Ernährungs- und Bewegungsinterventionen im Volksschulalter wirken“, erklärte Widhalm, der auch Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin ist. 160 Schüler von acht bis zehn Jahren in Wiener Volksschulen haben bislang an der Studie teilgenommen. Von ihnen waren 72 in der Interventionsgruppe, die ein Schuljahr lang pro Semester acht Unterrichtsstunden zum Thema Ernährung sowie 16 Bewegungseinheiten im Rahmen des regulären Schulunterrichts bekam. 88 Schüler bildeten die Kontrollgruppe. Nach jedem Semester wurden das Ernährungswissen und Ernährungsverhalten sowie anthropometrische Körperdaten und körperliche Fitness erhoben und mit Daten der Kontrollgruppe verglichen. Zu Beginn litten ganze 36 Prozent aller Schüler an Übergewicht: 16,3 Prozent waren übergewichtig, 13,3 Prozent adipös und 6,4 Prozent extrem adipös. Schon nach dem ersten Semester zeigte sich in der Interventionsgruppe eine signifikante Verbesserung der sportmotorischen Leistungen. Die Leistungen der Kontrollgruppe hatten sich nicht verändert. Nach zwölf Monaten war das Leistungsniveau der Interventionsgruppe so deutlich gestiegen, dass die Gruppen nahezu gleiche Werte erreichten. Außerdem konnten in der Interventionsgruppe der BMI gesenkt, der Fettanteil reduziert sowie die Muskelmasse gesteigert werden; ebenso haben sich Ernährungswissen und Ernährungsverhalten verbessert.

Entscheidend für den Erfolg sind laut Widhalm ein früher Interventionsbeginn im Volksschulalter und die Einbeziehung von Eltern und Lehrern. „Eine kurzfristige Intervention kann schon viel beeinflussen. Aber Gesundheitsprävention ist ein Prozess, der in die gesamte Schulzeit – ja in das gesamte Leben – integriert werden muss.“ Der Auftrag sei daher klar: Programme dieser Art müssen auf ganz Österreich ausgeweitet werden, ist Szekeres überzeugt. „Es muss mehr Geld in Prävention investiert werden, damit chronische Krankheiten – und damit auch die Gesundheitskosten – nicht weiter dramatisch ansteigen.“ In den Wahlprogrammen ist die Prävention immerhin überall ein Thema – jetzt sei es an der Zeit, auch Maßnahmen zu setzen.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 18 / 25.09.2017