Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 21 - 10.11.2017

Österreichische Ärzte- & Apothekerbank AG: Neue Spezialbank


Eine Spezialbank im Verband der Volksbanken will in Österreich als „Standesbank“ für Ärzte und Apotheker einen prominenten Platz bei Finanzgeschäften der beiden Gesundheitsberufe einnehmen. Von Wolfgang Wagner


Am Wochenende vom 14./15. Oktober wurde mit der technischen Zusammenführung der Österreichischen Apothekerbank (Genossenschaft) und der Bank für Ärzte und Freie Berufe (AG) die Fusion der beiden Institute abgeschlossen. Die nunmehrige Bank als „Österreichische Ärzte- & Apothekerbank AG“ im Volksbanken-Verbund hat eine Bilanzsumme von rund einer Milliarde Euro. Die Kundeneinlagen summieren sich auf 860 Millionen Euro, die Kredite auf rund 700 Millionen Euro. Die Wertpapierdepots umfassen einen Wert von rund 410 Millionen Euro. Die Eigenmittel betragen etwa 55 Millionen Euro.

Vorstandsdirektor Helmut Kneissl (Finanzen, Personal; ehemals Apothekerbank) präsentierte bei einer Pressekonferenz Mitte Oktober 2017 die Zahlen: „Wir betreuen rund 17.000 Kunden. (…) Die Bank als nunmehrige AG ist zu 41 Prozent im Eigentum von Ärzten (inklusive Kammern etc.; Anm.), zu 41 Prozent im Eigentum von Apothekern (inklusive Institutionen; Anm.).“ Hinzu kämen Streubesitz und Anteile des Volksbankenverbandes.

Anton Pauschenwein, Vorstandsdirektor (ehemals Vorstandsdirektor der Ärztebank) erläuterte zur Marktdurchdringung der beiden Institute in der Vergangenheit: „Bei den niedergelassenen Apothekern liegt unser Marktanteil bei etwa zwei Drittel. In etwa jeder achte Arzt und jeder fünfte Zahnarzt ist Kunde bei uns.“ Die „alte“ Ärztebank hatte zuletzt rund 620 Millionen Euro Bilanzsumme, die „alte“ Apothekerbank rund 332 Millionen Euro.

Anteilsmäßig war somit bisher die Apothekerbank in ihrem „angestammten“ Bereich mit den selbstständigen Apothekern stärker verankert als die Ärztebank unter den Ärzten. Aber: „Wir haben im vergangenen Jahr an jedem dritten Arbeitstag die Neugründung einer Ordination finanziert“, sagte Pauschenwein. Unter den Eigentümern und Großkunden befinden sich auch viele Landes-Ärztekammern. Nähere Informationen fallen hier unter das Bankengeheimnis.

Insgesamt versteht sich die Bank mit dem Anbieten aller Dienstleistungen einer Universalbank trotzdem als Spezialbank mit besonderem Know-how für Ärzte und Apotheker. Aus der alten Ärztebank kommt die Erfahrung mit der finanziellen Situation von Neugründungen und dem Betrieb von Arzt-Ordinationen. Das betrifft die Beratung – durchaus regional –, was die Kostenstruktur, die Umsatzerwartungen und die Finanzziele bei der Niederlassung in der Praxis bedeutet. Dazu gehören auch die Finanzierung von Immobilien und das Private Banking. Für Apotheker stehen häufig Fragen rund um die Betriebsübernahme, Immobilien etc. im Vordergrund.

Die Fusion der beiden Banken könnte in Zukunft für zusätzliche Kunden aus den beiden Berufsgruppen durchaus interessant werden. Die beiden Niederlassungen in Wien betreuen Wien, Niederösterreich und das Burgenland. In allen anderen Bundesländern gibt es jeweils eine Zweigstelle. Verstärkt will man sich auch den angestellten Ärzten widmen ebenso wie den angestellten Apothekern. Bei den Ärzten sieht man beispielsweise Spitalsärzte, die eventuell in Zukunft in die Niederlassung wechseln wollen, als potentielle Klientel. Verstärkt bemühen will man sich um Kammern und Institutionen der beiden Berufsstände.

Charakteristikum: hohe Bonität


Ein Charakteristikum der Kunden der neuen „Standesbank“ ist deren hohe Bonität. „Über das Risiko, das wir haben, würden sich alle anderen (Banken; Anm.) sehr freuen“, sagte Vorstandsdirektor Markus Partl (ehemals Ärztebank). Er, Partl, könnte mit den vorhandenen Kreditrisiken „gut schlafen“. Weiterhin punkten will man mit schnellen Entscheidungen und flacher Hierarchie. So gilt der Leitsatz, dass die Entscheidung über eine Kreditvergabe binnen 24 Stunden erfolgen soll.

Organisatorisch: Für bisherige Kunden der Ärztebank ändert sich nichts. Die Bankleitzahl und die Kontonummern bleiben für sie gleich. Für die „Apobank“- Kunden gibt es eine diesbezügliche Umstellung, weil die Bankleitzahl Teil des IBAN ist. Allerdings garantiert das EDV-System bis auf viele Jahre hinaus die ordnungsgemäßen Verbuchungen über ein Umwandlungsprogramm.

Insgesamt will die „Österreichische Ärzte- & Apothekerbank AG“ in den kommenden Jahren stärker wachsen als der Banken-Gesamtmarkt: bei der Bilanzsumme um jährlich rund fünf Prozent, bei den Ausleihungen um drei bis 3,5 Prozent. Die Zahl der Kunden soll jährlich um etwa drei Prozent steigen.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2017